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Intensive Leseprobe: Während Cengiz Görür (2. v. l.) und Frederik Mayet (r.) ihren Dialog durchgehen, greift Christian Stückl immer wieder dramaturgisch ein. Es wird laut im Atelier des Passionstheaters.

Altes Thema, neuer Diskussionsstoff

„Kaiser und Galiläer“ im Passionstheater

Oberammergau - Auch wenn das Stück 351 nach Christus spielt: Sandalen gibt es trotzdem nicht auf der Bühne im Passionstheater zu sehen. „Kaiser und Galiläer“ wird modern aufgezogen. Weil das Kernthema des Stücks immer noch aktuell ist.

Spaziergänger, die am Atelier des Passionstheaters in Oberammergau vorbeikommen, bleiben stehen, schauen irritiert hinein. Bei der Lautstärke kein Wunder. Denn die Stimmen, die den Raum durchdringen, sind aufgebracht. Für Christian Stückl aber noch nicht aufgebracht genug. „Jetzt werd’ mal bisserl sauer“, fordert er Cengiz Görür energisch auf. Der 16-Jährige wiederholt daraufhin seinen Satz immer und immer wieder. Bis Redefluss, Betonung und Lautstärke sind, wie Stückl es will. So geht es bereits seit Stunden im Atelier, in dem eine Leserprobe zur Kultursommer-Aufführung „Kaiser und Galiläer“ stattfindet. Die Zeit drängt.

Denn in diesem Jahr wurde die ohnehin immer schon recht knappe Vorbereitungsphase für die Laienschauspieler noch verkürzt. Erst Ende Mai hatte der Spielleiter der Passion 2020 noch eine Premiere am Wiener Burgtheater, nun geht es gleich in der Heimat weiter. „Das heißt, dass wir nur vier Wochen haben“, sagt Stückl. Vor allem für Frederik Mayet eine Herausforderung, der die Hauptrolle des Kaisers Julian spielt. Mit über 500 Sprecheinsätzen. „Jesus hatte weniger“, sagt er im Rückblick auf das Gelübdespiel 2010, bei dem er den Gottessohnes verkörpert hat.

In „Kaiser und Galiläer“ geht es um die frühen Generationen des Christentums. Erzählt wird die Geschichte, wie der junge Julian im Jahr 351 nach Christus zunächst erfolgreicher Feldherr für das Römische Reich an den Grenzen Galliens ist. In Rom wird er auf eigenen Wunsch zum Kaiser ausgerufen. Dabei wendet er sich vom Glauben an Jesu ab, frönt lieber den alten, heidnischen Bräuchen. Zwar erklärt Julian die Religionsfreiheit, lässt aber Christen verfolgen. Letztlich ist er in der eigenen Wahrnehmung selbst gottgleich.

„Dazu gehören Fragen, die uns heute beschäftigen“

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben: „Dazu gehören Fragen, die uns heute beschäftigen“, sagt Stückl. Etwa: „Wie weit sind wir noch Christen?“ Deshalb liegt es für den Theater-Verrückten nahe, das Stück modern aufzuziehen. „Wir ziehen es total ins heute.“ Auch beim Bühnenbild und den Kostümen, für die Stefan Hageneier verantwortlich zeichnet. Die Musik liegt in den bewährten Händen von Markus Zwink, der mit seinem Chor schon länger probt.

Stückl stand vor der schweren Aufgabe, das 1873 veröffentliche Werk des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen erheblich zu kürzen. Von 230 auf 65 Seiten. Außerdem stehen Stückl viele seiner bewährte Kräfte – etwa Jonas Konsek oder Maximilian Stöger – heuer aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung stehen. „Also gibt es neue Gesichter.“ Etwa das von Cengiz Görür, der vor drei Wochen noch nichts von seinem Theaterglück wusste. Und noch jemand steht erstmals auf der großen Bühne: Abdullah Karaca, der zweite Spielleiter der Passion 2020. Für seinen „Chef“ war es klar, dass er der Tradition seiner Vorgänger folgt und selbst spielt. Ob das ganz freiwillig geschieht? Auf diese Frage gibt es von Stückl keine Antwort, sondern nur ein schelmisches Lächeln.

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