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Strapaziös und nicht ungefährlich - der Anstieg zum Kofel. Den prächtigen Talblick nehmen die Feuermacher nur am Rande wahr.

Zu Ehren des Märchenkönigs

Feuermacher - ein Knochenjob

Oberammergau - Als König Ludwig II. anno 1886 im Starnberger See ertrank, beschlossen schon zwei Jahre später ein paar Oberammergauer, ihm zu Ehren ein Bergfeuer auf dem Kofel zu entzünden.

Es ist früher Morgen am neuen Friedhof in Oberammergau. In Bergkluft und mit einer Holzkraxe am Rücken schaut Christian Freißl Richtung Kofel und deutet auf die Wand. „Da müssen wir jetzt hoch“, erklärt der erfahrene Bergwachtmann. Er ist der Kopf jener Oberammergauer, die sich jedes Jahr in die Ammergauer Berge aufmachen, um dort in steiler Wand am Vorabend des Geburtstags von König Ludwig II. (24. August) ein Feuer in Form eines Kreuzes zu entfachen. Nach und nach treffen seine 19 Mitstreiter ein. Auf einem Anhänger stapeln sich große blaue Säcke, die mit Spänen und Spreißel gefüllt sind. Jeder schnallt sich einen auf die Kraxe.

Hinter dem Friedhof beginnt der Weg. Ganz versteckt zweigt er ab. Gewollt, wie Freißl erläutert. „Wir wollen, dass der Steig geheim bleibt“. Dreimal im Jahr müssen sie ihn gehen. Einmal, um den Steig herzurichten und zum Holzen, einmal um das Kreuz aufzubauen und das letzte Mal zum Anzünden des Feuers. Trotz der guten Pflege hat es der steile, unmarkierte Weg in sich. Mit nur wenigen Schritten werden mit schwerem Gepäck zügig Höhenmeter für Höhenmeter – insgesamt 400 – überwunden. Das ist nicht ganz ungefährlich: Da der Aufstieg nordseitig liegt, ist er das ganze Jahr über sehr feucht und damit recht rutschig.

"Früher eine richtige Sauarbeit"

Nach einer guten Dreiviertelstunde ist der Fuß der Nordwand erreicht. Hemden werden gewechselt und zum Trocknen aufgehängt, der ein oder andere Feuermacher zündet sich eine Zigarette an. Kurzes Verschnaufen, dann beginnt erst die richtige Arbeit. „Wir haben das heurige Holz schon im letzten Jahr gemacht und in der Nähe der Feuerstelle aufgerichtet“, so Freißl. Dann erst ist es trocken genug, dass es am 24. August auch richtig brennt. Scheit um Scheit wird nun zur Brandstelle getragen, welche bereits ein Kreuz erahnen lässt. „Das war früher eine richtige Sauarbeit“, erinnert sich Andreas Ertlmeier (52). Er ist der Veteran unter den Feuermachern, bereits zum 34. Mal ist er dabei: „Da gab es auf dem Steig hier hoch noch gar keine Leitern, sondern nur ein Hanfseil, an dem man sich nach oben hangeln musste.“ Das Holz wurde noch mit einer Winde vom Tal nach oben gezogen. Mittlerweile fällen die Oberammergauer Originale die Bäume gleich oben an der Wand.

Insgesamt fünf Ster Holz werden für das mächtige Kreuz benötigt. Nebeneinander reiht sich Stapel an Stapel. Um sicher bis zum Ludwigsfeuer zu stehen, werden sie mit Blechen abgedeckt, die mit Steinen beschwert und mit Drähten umwickelt werden. Geschichten rund um diese ganz besondere Ammergauer Tradition gibt es reichlich. Hannes Reiser erinnert sich. „Einmal war ein Kamerateam dabei, doch dem Redakteur hat niemand gesagt, dass es den Berg raufgeht.“ Denn dieser war weder schwindelfrei noch passend bekleidet. „Er hat richtig Panik bekommen und musste wieder hinunter geführt werden. Nachher ham mir beschlossen, niemand Fremden mehr mit zu lassen.“

Am sogenannten Ludwigstag werden die 20 Männer gemeinsam mit Musikanten um die Mittagszeit den Oberammergauer Hausberg besteigen. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt: In der Nordwand wurde ein Grill eingelassen. Nur mit dem Bier müssen sie immer Obacht geben. „Da darf man nicht zu viel erwischen, der nächtliche Abstieg hat es in sich“, weiß Reiser. Passiert ist bis heute – klopf auf Holz – Gott sei Dank noch nichts Schlimmeres. Sicherheit geht vor. Um 21 Uhr eröffnen dann die Bläser mit dem Choral „Die Himmel rühmen“ das flammende Gedenken an Ludwig II. Nach Einbruch der Dunkelheit werden dann die Feuer entzündet, am Gipfel die Krone, darunter das Kreuz. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr die Rückkehr der Feuermacher vor Mitternacht ins Dorf. Mit der Blasmusik wird einmarschiert, und dann im Gasthof „Rose“ eingekehrt. Wie jedes Jahr. Es gibt Schweinsbraten. Wie jedes Jahr.

Josef Hornsteiner

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