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Kultursommer Oberammergau

"Nabucco" 2016: Noch frischer, besser, grandioser

Oberammergau - Zum zweiten Mal inszeniert Christian Stück Verdis Klassiker "Nabucco" im Passionstheater. Es zeigt sich: Die Wiederaufnahme besticht auf ganzer Linie.

Große, spannungsvolle Bilder, vor allem Massenszenen, inszenieren: Das ist die absolute Stärke – wie er oft genug im Passionstheater bewiesen hat – von Regisseur Christian Stückl. Im Vorjahr übertrug er sein Gespür für Wirkungen erstmals in seinem Heimatort auf eine Oper, auf Guiseppe Verdis „Nabucco“. Am Freitag hat die Wiederaufnahme des Stücks Premiere gefeiert. „Nabucco“ ist eine Herausforderung für den Chor und seinen Leiter Markus Zwink. Eine, die erneut gemeistert wurde: Die 180 Sänger stehen einem Profichor in nichts nach. Im Gegenteil, denn lähmende Routine ersetzen diese Gesangsenthusiasten, stimmlich bestens geschult, durch Begeisterung. Trotz fehlender wechselnder Schauplätze, wie im Libretto vorgesehen, gehen Stückls mit den Zuhörern getroffene Vereinbarungen auf.

„Ich habe mich erst orientieren müssen, da ich bisher nur ‚herkömmliche‘ Aufführungen gesehen habe“, meinte Madeleine Steffes. Sie war mit ihrem Mann und einem befreundeten Ehepaar, allesamt Verdi-Fans, extra aus der Eifel angereist. „Nabucco“ durfte sie bei den verschiedensten Freiluft-Aufführungen, unter anderem in Verona und Triest, bereits erleben. Und jetzt eben in Oberammergau. „Was hier musikalisch und stimmlich geboten wird, das hätten wir nicht erwartet“, ist sie bereits in der Pause begeistert. In der Tat dirigierte Ainars Rubikis die „Neue Philharmonie München“ wieder mit unglaublicher Frische und Leichtigkeit. Ein Orchester, das Verdis Musik einfach „wegtrug“. Alles wirkte wie aus einem Guss, ohne Durchhänger, obwohl der Dirigent Melodiebögen und Phrasierungen gut ausreizte, auch diesmal die Schlussfermate nach dem berühmten Gefangenenchor unverhältnismäßig lang hielt.

Wer die Premiere im Vorjahr mit der Wiederaufführung vergleichen durfte, dem fiel auf, dass nochmals gefeilt wurde. Wieder liefen die großen Chorszenen reibungslos, war die Intonation bestechend, aber alle standen noch mehr über ihren Rollen. Das galt natürlich zuerst für die Solisten. Meinte man, dass Irina Rindzuners Abigaille nicht stimmgewaltiger werden könne, so durfte man sie noch eine Spur souveräner, aber in ihren Soloszenen auch lyrischer bis zum leisesten Pianissimo hören. Mehrfach musste Rubikis Bravo-Rufe abwarten, bevor er den Dirigentenstab wieder heben konnte. Was Evez Abdulla in der Titelpartie stimmlich und spielerisch bot, das war großes und bestes Musiktheater. Balint Szabos (Zaccaria) wunderschöne Bassstimme hatte an Wärme noch gewonnen, Attilio Glaser (Ismaele), Rafael Pawnuk (Hohepriester) und Joshua Stewart (Abdallo) bestätigten ihre Qualität. Neu in der Solistenriege sangen sich auch Magdalena Hinterdobler als Anna, Schwester von Zaccaria, und Iris van Wijnen in der Partie der Fenena (Tochter des Nabucco) mit wunderschöner heller und klarer Sopranstimme in die Zuschauer-Herzen.

Als kleiner Wermutstropfen blieb, dass auch heuer die Ensemblegesänge zu laut waren, die Solistenriege im gewaltigen Chor- und Orchesterklang unterging. Mehr ins Bewusstsein vor dem Hintergrund der aktuellen Terroranschläge ging der von Verdi thematisierte und von Stückl inszenierte Religionskonflikt (Ausstattung: Stefan Hageneier). Die Babylonier als moderne Wüstenkämpfer, Nabucco und Abigaille sowie die Judäer historisch gewandet – da bleibt Raum zum Nachdenken. Für das Ehepaar Steffes steht fest, dass sich Oberammergau gelohnt hat. Nicht nur von ihm, sondern von allen 2500 Zuschauern gab es begeisterten Beifall.

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