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Auch der Eibsee, hier von der Zugspitze aus in Richtung Ammergebirge fotografiert, soll nach den Wünschen der Befürworter zu einem Nationalpark Ammergebirge gehören.

Ammergebirge und Spessart gelten als Favoriten für drittes Schutzgebiet in Bayern

Diskussion um Nationalpark flammt erneut auf

Landkreis - Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will einen dritten Nationalpark in Bayern. Nach dieser Ankündigung wird die Diskussion um einen Nationalpark Ammergebirge wieder lauter geführt. 

Nationalpark. Was für einen Wirbel ein einziges Wort auslösen kann. Und welch’ unterschiedliche Reaktionen. Bei den einen tanzen die Glückshormone Tango, bei den anderen läuft das Adrenalin Amok. Alles schon erlebt in der Diskussion um einen Nationalpark Ammergebirge. Diese ist zuletzt leiser geworden, nachdem der Fokus auf einem Naturpark Ammergauer Alpen lag. Jetzt aber dürfte sie wieder ein wenig lauter geführt werden. Denn im Rahmen ihrer Klausurtagung am Tegernsee hat die CSU entschieden, für Bayern einen dritten Nationalpark anzustreben; das Ammertal kommt da unweigerlich zur Sprache und die Hormone bringen sich schon mal in Stellung. Befürworter freuen sich, Kritiker kündigen Widerstand an. Oder sie zeigen sich unbeeindruckt.

Zu den Tiefenentspannten gehört einer der größten Park-Gegner: Nikolaus Onnich, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. Der Bad Kohlgruber meint zu wissen, „dass so etwas nicht zu uns kommt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Er vertraue der Bayerischen Staatsregierung. Die Politiker „wissen, was sich gehört und wissen, was wir schon alles gemacht haben“. Damit spricht Onnich unter anderem den Naturpark an, der auf den Weg gebracht wurde und den auch die Landwirte mittragen. „Diesen Kas mit dem Nationalpark brauchen wir nicht.“

Streibl: Ein Nationalpark Ammergebirge kommt nicht in Frage

Auch der Oberammergauer Florian Streibl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, sieht in einem Naturpark einen Meilenstein. Er schaffe die richtige Balance aus ökologischen und sozial verträglichem Tourismus sowie den Interessen der Bürger. Viele Jahre habe man sich um diese Lösung bemüht. „Mit der Nationalparkidee wären diese Bemühungen umsonst gewesen“, schreibt Streibl in einer Mitteilung. Für ihn steht fest: Ein Nationalpark Ammergebirge kommt nicht in Frage.

Im Spessart vertreten viele die gleiche Meinung. Auch dort sorgt das Wort Nationalpark für Unruhe. Erste Gegner melden sich zu Wort. Man hat sich dort offenbar noch nie intensiv mit dem Thema Nationalpark – Naturpark ist der Spessart bereits – auseinandergesetzt, einen Förderverein wie für den Nationalpark Ammergebirge gibt es nicht. Doch gilt das Mittelgebirge, das zu 70 Prozent in Bayern und zu 30 Prozent in Hessen liegt, als Favorit, nach dem Bayerischen Wald und Berchtesgaden als dritter Nationalpark gegründet zu werden.

Endhardt: Chancen liegen bei 50 zu 50

Umweltministerin Ulrike Scharf hob einen offenen Prozess hervor, man habe sich auf keine Region festgelegt. Vor allem eine Aussage aber rückte das Gebiet nördlich des Mains in den Fokus: Scharf wies auf besonders schützenswerte Buchenwälder hin – dafür ist der Spessart bekannt. Er umfasst zudem Deutschlands größtes zusammenhängende Mischlaubwaldgebiet.

Hubert Endhardt nimmt das zur Kenntnis – und hält dagegen. Der Vorsitzende des Fördervereins Nationalpark Ammergebirge sieht die Wahrscheinlichkeit bei 50:50. 50 Prozent Spessart, 50 Prozent Ammergebirge. Dem Karwendelgebirge, das ebenfalls als Option gehandelt wird, räumt er keine Chancen ein: Es weise keine so große, geschlossene Staatsfläche auf, zudem fehle die Menge an schützenswertem Berg-Mischwald.

Stöger: Abwarten, bis Pläne konkret werden

Genau der sei im Ammergebirge außergewöhnlich, sagt Endhardt, er sei der größte seiner Art in Bayern und weise ebenfalls einen hohen Bestand an Buchen und Eichen auf. Wie im Spessart sind sie zwischen 200 und 400 Jahre alt. Hinzu kommen Wildflüsse, die hohe Artenvielfalt, Königsschlösser und ein wirtschaftlicher Aspekt: Im Spessart wäre der finanzielle Verlust Endhardt zufolge um ein Vielfaches höher, sollte man auf den Holzverkauf verzichten müssen. Der Fördervereinsvorsitzende spricht von acht Millionen Euro pro Jahr, im Ammergebirge wäre es, „ganz grob geschätzt“, etwa ein Viertel.

Das würde die Bayerischen Staatsforsten treffen. Nikolaus Stöger aber, Leiter in Oberammergau, äußert sich zu dem Thema nicht. Nicht, weil er nicht möchte, sondern weil er nicht kann. Ihm fehlen konkrete Informationen. Natürlich habe er die Ankündigung von Ministerpräsident Horst Seehofer mit Interesse verfolgt. Ebenso interessiert wird er den weiteren Prozess verfolgen – und sich äußern, „wenn die Pläne auf das Ammergebirge zulaufen. Das aber ist noch weit weg.“ Ohnehin handelt es sich in seinen Augen letztendlich um eine politische Entscheidung.

Gansler: Mit aller Macht Nationalpark Ammergebirge verhindern

Die Politiker vor Ort beeinflussen wollen. Endhardt hat gehört, dass Bürgermeister betroffener Gemeinden das Gespräch mit Ministerin Scharf suchen werden, um ihre Gegenargumente noch einmal klar zu machen. Viele haben sich längst gegen einen Nationalpark Ammergebirge positioniert, die Kommunen im Ammertal geschlossen. Bad Kohlgrubs Bürgermeister Karl-Heinz Reichert sieht aktuell dennoch keinen Handlungsbedarf. Man habe sich für den Naturpark entschieden, „was anderes wollen wir nicht“. Damit ist für ihn das Thema aktuell erledigt.

Anders sein Unterammergauer Kollege Michael Gansler. Zwar räumt er dem Projekt wenig Chancen ein. „Aber wir müssen vorsichtig sein.“ Von Anfang an will er sich, sobald er Details gesammelt hat, erneut deutlich positionieren und wird das Thema bei der nächsten Sitzung der Ammergauer Alpen ansprechen. Er verspricht: „Wir werden mit aller Macht versuchen, dass der Nationalpark nicht ins Ammertal kommt.“

Offener Prozess erwünscht

Auch der Förderverein wird sich mit Scharf in Verbindung setzen. Endhardt erwartet einen offenen, fairen und an Fakten orientierten Umgang mit dem Thema. Die Regierung müsse die Menschen informieren, Ängste abbauen und dürfe sich vor allem nicht früh auf einen Standort festlegen. „Ich hoffe, die Politiker hören nicht auf die, die am lautesten ,nein‘ rufen."

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