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Er wird seinen Kollegen und seinem Chef fehlen: Ende des Jahres geht Leonhard Lory in den Ruhestand.

Er hat in Bad Kohlgrub für fünf Bürgermeister gearbeitet

Nach 49 Jahren geht Leonhard Lory in den Ruhestand

Bad Kohlgrub - Fünf Bürgermeister hat Leonhard Lory kommen und gehen sehen. Seit 49 Jahren arbeitet er für die Gemeinde Bad Kohlgrub, seit 34 Jahren als Geschäftsleiter. Ende des Jahres geht er in Ruhestand. Er wird fehlen.

49 Jahre den gleichen Arbeitgeber mit fünf verschiedenen Chefs, das schaffen nicht viele. Leonhard Lory ist so ein seltenes Exemplar. Gleich nach der Schule begann er 1967 als Verwaltungslehrling bei der Gemeinde Bad Kohlgrub. Nach der Mittleren Reife und Berufsaufbauschule schlug er 1973 die Beamtenlaufbahn ein. Schon ab 1976 durfte er in der Geschäftsleitung mitarbeiten. Auch als Standesbeamter war er tätig. Ende des Jahres aber ist Schluss. Dann verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Zuvor wird er seinen Nachfolger einarbeiten. Der Wunschkandidat ist gefunden. Noch aber fehlt die Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag. „Das ist nicht so einfach“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Reichert. „Er arbeitet noch bei einer anderen Gemeinde.“ Zwar hat Bad Kohlgrub einen Versetzungsantrag gestellt. Reicherts Amtskollege habe ihm auch zugesagt, dass der Mitarbeiter „wahrscheinlich“ zum 1. August in Kohlgrub anfangen kann – „aber einen Namen werde ich erst nennen, wenn das sicher ist“.

Dass Lory bei der Gemeinde anfängt, war anfangs gar nicht vorgesehen: „Ich hatte eigentlich schon eine Anstellung bei der Post“, erinnert er sich lachend. Doch dann wurde der damalige Bürgermeister Hans Reiner bei seinen Eltern vorstellig und warb ihn ab. 15 Jahre später übernahm er die Geschäftsführung der Gemeinde. „Ich wurde da nicht groß gefragt. Stattdessen hieß es: Der kann das schon, der soll das machen.“ So wurde das Büro neben dem Bürgermeister für 34 Jahre sein Arbeitsplatz. „Es kam immer mal wieder vor, dass Bürger wutentbrannt zum Bürgermeister kamen oder aus dessen Zimmer regelrecht geflüchtet sind.“ Lory erlebte gleich fünf Rathauschefs, von denen vier zwölf Jahre im Amt waren: Hans Reiner, Josef Benedikt, Rudi Schedler und Gerald Tretter - und nun Reichert.

Nur lobende Worte für Lory

Der findet für seinen Geschäftsleiter nur lobende Worte: „Wenn man so einen Steuermann hat, kann man sich als Bürgermeister beruhigt in die Koje legen. Deshalb tut es mir richtig leid, dass er von Bord gehen wird.“ An Reicherts persönlichem Werdegang trägt Lory einen Anteil: Er gab den „letzten Impuls“ dafür, dass sich Reichert als Kämmerer in Kohlgrub bewarb: Er rief Lory an, um sich zu informieren. Gerne erzählte der Geschäftsleiter – die Chemie stimmte, sofort war ein Vertrauensverhältnis da. „Er ist ein unheimlich liebevoller und warmherziger Mensch, der seine Leitungsfunktion nie raushängen lässt“, sagt Reichert.

Auch Michael Stichaner, der 37 Jahre mit Lory in der Verwaltung gearbeitet hat, fällt nur Positives ein: Mit seinem „ruhigen und ausgeglichenen Wesen ist er bei den Kollegen sehr beliebt“ und trage wesentlich zum guten Betriebsklima im Haus bei. Sein Ausscheiden stelle aus zweierlei Gründen einen Verlust dar: „Kollegial und aufgrund seines umfassenden Wissens.“

Für Lory selbst stand eine berufliche Veränderung „nie zur Debatte“. In der Gemeinde hat er sich immer wohl gefühlt. Das lag nicht zuletzt auch an der Nähe zu seinem Zuhause: „Ich bin mittags immer nach Hause gegegangen“, auch nachdem er mit seiner Familie in den Weiler Kraggenau umgezogen war. Für die erhebliche Steigung über 1,5 Kilometer braucht der Geschäftsleiter gerade mal 15 Minuten. Er überwindet sie zweimal am Tag, immer zu Fuß.

An seinem Arbeitsplatz hat der Geschäftsleiter die rasante technische Entwicklung miterlebt. Anfangs hatte er nur eine mechanische Schreibmaschine, keinen Kopierer. „Wenn ein Bürger ein Dokument brauchte, musste man es abschreiben“, erinnert sich Lory und lacht.

Und welche Pläne hat er für den Ruhestand? Reisen möchte er mit seiner Frau, das ist einer seiner Träume. Auch sonst dürfte ihm nicht so schnell langweilig werden. „An schönen Tagen, kann ich auch unter der Woche spontan zum Skifahren gehen. Darauf freue ich mich wirklich. Zudem haben wir einen riesigen Garten. Da ist immer was zu tun."

Michaela Feldmann-Kirschner

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