Es geht um Ängste und viel Geld

Passion 2020: Heftige Kritik an Arrangement-Abkehr

Oberammergau - Nur Tickets, keine Arrangements der Gemeinde: An der Entscheidung der Oberammergauer Lokalpolitiker zur Passion 2020 scheiden sich die Geister. Kritik von Seiten der Hoteliers wird laut.

Als Fraktions-Chef Ludwig Utschneider (Freie Wähler) in öffentlicher Runde ein brisantes Thema angesprach, war die notwendige Geheimhaltung längst überholt. Ganz Oberammergau redete bereits über den Grundsatz-Beschluss zur Passion 2020, den der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung gefällt hatte. Und die Stellungnahme von Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) dazu, dass die Gemeinde nur noch Tickets, aber keine Arrangements mehr verkauft, konnte schon auf der Internetseite des Tagblatts gelesen werden. Dennoch wählte Utschneider bei einem Themenabend seiner politischen Gruppe seine Worte vorsichtig. Anders verhielten sich andere Teilnehmer.

Sie übten deutlich Kritik an der Entscheidung und an Werkleiter Walter Rutz. „Das ist für den Ort eine Katastrophe“, „Uns droht das totale Chaos“, „Die Entscheidung ist unbegreiflich“, „Die Gemeinde gibt sämtliche Kontrolle aus der Hand“ und „Die gesamte Hotellerie wird ohne Not einem großen Druck ausgesetzt“, lauteten die aufgebrachten Redebeiträge. Es herrschte Unverständnis darüber, dass sich die Lokalpolitiker schon zum jetzigen Zeitpunkt in einer knappen Entscheidung vom Arrangement-Verkauf verabschiedet haben. Bereits seit den 1930er Jahren hatte die Gemeinde Tickets für die Passion in Kombination mit Übernachtungen und Restaurant-Besuchen verkauft. Auf diese Weise wurden alle Betriebe in Oberammergau, aber auch im ganzen Landkreis, eingebunden. Schon 2010 lief der Verkauf aber schlechter als gedacht. Mittlerweile sind die teuren Arrangements (sie kosten pro Person über 600 Euro) in den Augen von Rutz nur noch in den USA, nicht aber auf dem deutschsprachigen Markt verkaufbar. „Zu teuer“, lautet seine Meinung.

Diese soll er, wie es bei dem Abend hieß, auch bei Workshops mit den Gastgebern vertreten und billigere Angebote der Hoteliers gefordert haben. Der Paketpreis müsste unter 600 Euro gedrückt werden. „Das war in meinen Augen aber nur eine Alibi-Veranstaltung“, nahm Frank Seyfarth vom Hotel Sonnenhof ganz offen Stellung. „Es gab von vornherein die Taktik, uns auflaufen zu lassen.“ Seyfarth befürchtet, dass die Tragweite der Arrangement-Abkehr aber noch nicht allen bewusst ist. Denn: Bislang sei unklar, wie der Ticket-Verkauf laufen soll. Haben die Oberammergauer Vermieter ein Vorkaufsrecht? Müssen sie, um sich viele Karten zu sichern und selbst Arrangements anzubieten, Millionen-Kredite bei der Bank aufnehmen? Gibt die Gemeinde Ticket-Pakete an große Reiseveranstalter ab, die dann den Oberammergauer Betrieben die Preise diktieren? Wer stellt sicher, dass die Wertschöpfung, wie bisher, im Dorf gebunden bleibt? Antworten auf diese Fragen gibt es noch nicht. „Wir werden intensiv vor Ort diskutieren müssen“, sagte auch Utschneider. Er hätte sich gewünscht, das die weitgreifende Entscheidung verschoben worden wäre. Doch dafür scheint es keine Mehrheit gegeben zu haben.

Rubriklistenbild: © Arno Declair

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