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Weichenstellung für das nächste Gelübdespiel

Passion 2020: Mehr Beinfreiheit, weniger Einnahmen

Oberammergau - Auch wenn's wehtut: Die Oberammergauer Gemeinderäte reagieren auf die Beschwerden, die es bei der Passion 2010 gab. Die Abstände zwischen den Stuhlreihen werden vergrößert.

Genau fünf Jahre ist es her, dass Oberammergau Bilanz gezogen hat: Was war gut bei der Passion 2010, was nicht? Bei der großen Analyse wurden auch die eingegangenen Beschwerden angesprochen, die sich vor allem um eines drehten: zu enge Sitzverhältnisse. Große Menschen stießen mit ihren Knien vorn an die nächste Reihe an, konnten sich kaum bewegen. Bei der Passion 2020 soll das besser werden: Der Gemeinderat hat am Mittwoch entschieden, die Abstände zu vergrößern und verzichtet dafür auf potenzielle Millionen-Einnahmen.

Die Rechnung ist einfach: Mehr Beinfreiheit fordert eine geringere Anzahl von Sitzplätzen, diese bedeuten aber auch weniger verkaufte Karten. Der Betrag, der in die Gemeindekasse fließt, wird kleiner. Aber: „Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) mit Blick auf die Zuschauer-Zufriedenheit. Damit teilt er die Meinung von Werkleiter Walter Rutz, der sich wie die Mehrheit des Gremiums für einen Kompromiss aussprach: Der Abstand zwischen den Reihen wird um 3,5 Zentimeter erweitert. Das klingt wenig. Weiter hilft vielleicht dieser Vergleich: Bei der Lufthansa-Flugzeugen liegt der Standard-Abstand zwischen zwei Sitzen, wie Nunn erklärte, bei 74 Zentimetern. Bei der Passion 2010 waren es gerade mal 71 Durch den Beschluss fallen nun 290 Plätze weg. Geht man davon aus, dass alle Vorstellungen ausverkauft wären, sinkt der zu erwartende Umsatz um 4,4 Millionen Euro. Unterm Strich rechnen die Verantwortlichen im Idealfall, also bei einer 100 Prozentigen Auslastung, mit Einnahmen von jetzt nur noch 65,8 Millionen Euro. Der reine Gewinn lag nach der Passion 2010 bei 37,9 Millionen Euro.

In vier Jahren soll es 102 reguläre Vorstellungen geben. Hinzu kommen ein Pressespiel und die Premiere – die nach dem jetzigen Beschluss am 16. Mai 2020 stattfindet. Die letzte Aufführung ist für 4. Oktober angesetzt. Vorgesehen ist wieder ein Nachtspiel, aber mit Veränderungen. Ab Mitte August beginnt die Aufführung eine Stunde früher – wegen der Lichtverhältnisse. Da über das neue Zeitmodell vorab nicht mit Hotel- und Restaurantbesitzen gesprochen wurde, gerieten die politischen Lager aneinander. Genauso wie bei der Frage, ob es richtig ist, sich selbst um Einnahmen zu bringen. Darüber wurde auch schon vor der Passion 2010 gestritten. Damals hatte Spielleiter Christian Stückl die Herausnahme von 500 Plätzen gefordert – und war damit um zwei Stimmen im Rat gescheitert. Der jetzige Beschluss fiel mit einer 9:6-Mehrheit.

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