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Bürgerprojekt im Ammertal

Soier Dorfladen-Pläne: Realisierung rückt näher

Bad Bayersoien - Tante Emma beim Moser: Damit es einen Dorfladen in Bad Bayersoien geben kann, fehlen noch 13.000 Euro.

Was gehört zu einem bayerischen Dorf? Die Kirche, ein Rathaus, eine Wirtschaft. Und? Vereine – selbstverständlich. Brauchtumspflege – natürlich. Eine Feuerwehr. Und ein Lebensmittelladen. Wo man die täglichen Dinge des Lebens bekommt, wo man sich trifft, einen gemütlichen Ratsch abhält. Doch längst verfügt nicht mehr jeder Ort im Freistaat über solche kleinen Geschäfte, die guten alten Tante-Emma-Läden. Zum Jahresende 2015 traf es auch Bad Bayersoien, wo das Ehepaar Zormeier nach über 14 Jahren ihren Dorfladen mit Getränkemarkt aufgab. Seitdem müssen sich die Soier und Gäste von Ferienwohnungen auswärts mit Lebensmitteln eindecken. Nach diversen Anstrengungen, die nicht von Erfolg begleitet waren, rückt nun die Option, dass Bad Bayersoien bald wieder einen Einkaufsmarkt hat, in greifbare Nähe. Der Vorsitzende des Beirats bei diesem Bürger-Projekt Dorfladen, Karl-Heinz Schuster, sonst eher zurückhaltend, strahlt mittlerweile Optimismus aus: „Wir stehen in den Startlöchern!“ 

Viele Hürden haben die Initiatoren in den vergangenen Wochen und Monaten aus dem Weg geräumt und umfangreiche rechtliche und gesetzliche Vorgaben erfüllt. Ein wichtiger Mosaikstein war die Eintragung bei der Handelskammer, die inzwischen erfolgt ist. Fest steht seit längerem auch, wohin der Dorfladen kommen soll, nämlich in das Untergeschoss des Anwesens Dorfstraße 42 (Beim Moser). Getragen wird das Projekt von 37 Gründungsgesellschaftern und weiteren sogenannten „stillen“ Anteilszeichnern, derzeit 189 an der Zahl. Die Gesellschaft „Dorfladen Bad Bayersoien UG“ führen drei ehrenamtlich tätige Geschäftsführer in Person von Margit Greinwald, Marco Schmid und Hans Klöck, die jetzt seit einem Monat im Amt sind. Unterstützt wird das Trio von den Beiräten Karl-Heinz Schuster, Jessica Grimm, Andrea Bauer, Konrad Maier und Annelies Bußjäger. 

Woran es augenblicklich noch hakt, ist das Einlagekapital. 77 000 Euro haben die Anteilszeichner bislang einbezahlt, auf 90 000 Euro wollen Schuster & Co. kommen: „Das hat uns auch unser Steuerberater empfohlen, dass wir nicht eher loslegen sollen, bevor nicht diese Summe auf dem Konto ist.“ Seit zwei Wochen werben Geschäftsführer und Beiräte bereits intensiv um neue Mitglieder. „Wenn wir wieder einen Dorfladen haben, kommt der dem ganzen Ort zu Gute“, appelliert Karl-Heinz Schuster. Die Mindesteinlage liegt bei 250 Euro. Gezeichnet haben auch schon Auswärtige und Urlaubsgäste. Erst wenn der anvisierte Betrag beinander ist, wollen die Initiatoren starten und die Bestellungen für die Ladeneinrichtung, das Kassensystem und die Erstbestückung ordern. Bis die Lieferungen eintreffen, können durchaus sechs bis acht Wochen vergehen. Daher steht auch noch kein Eröffnungstermin fest. 

In trockenen Tüchern ist bereits der Vertrag mit der Firma Utz aus Ochsenhausen bei Memmingen, die auf Dorfläden spezialisiert ist: Sie wird auch Bad Bayersoien beliefern. Beim Sortiment will man sich daran orientieren, was schon das Ehepaar Zormeier geführt hat; es wird auch Brotzeiten geben, ebenso wie eine Paketstation. Sofern es möglich ist, sollen regionale Produkte, zum Beispiel von „Unser Land“, angeboten werden. Geführt wird der neue Dorfladen von einer Vollzeitkraft. Karl-Heinz Schuster: „Wir haben schon jemand im Auge, können den Namen aber noch nicht nennen, weil der Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Unterstützt wird er (oder sie) von zwei Angestellten, die immer im Laden sind.“ Die Öffnungszeiten habe man bewusst verbraucherfreundlich gewählt: 7 Uhr bis 12.30 Uhr und 15 Uhr bis 18.30 Uhr, Mittwoch und Samstag nur von 7 Uhr bis 12.30 Uhr. Beirat Schuster sagt, dass man mit den Finanzmitteln streng haushalten müsse: So sei die Einrichtung teilweise Neuanschaffung (Kühltruhen), aber zum Großteil gebrauchte Gegenstände, wie Theken und Regale. Eine gute Nachricht gibt es für behinderte und ältere Menschen, die einen Rollator benötigen: Es wird versucht, alles barrierefrei zu gestalten. 

Zu weit vorausblicken will man bei den Verantwortlichen noch nicht, aber Schuster hofft, „dass wir vielleicht nach zwei bis vier Jahren schwarze Zahlen schreiben, wenn es gut läuft“. Dann könnte es auch erste Ausschüttungen an die Anteilszeichner geben, „in Form von Gutscheinen“. Das sei aber alles Zukunftsmusik: „Wichtig ist nur, dass wir bald starten und die Leute wieder im Dorf einkaufen können.“ Für Bad Bayersoien sollte dies ein Grund zum Feiern sein.

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