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Hohe Würdigung: (v.l.) Landrat Anton Speer, der die Bundesverdienstkreuze überbrachte, mit Hermine, Michael und Peter Schuster sowie Vize-Bürgermeister Franz Gaisreiter.

Bundesverdienstkreuz für Ohlstädter

Sohn im Wachkoma: Gauck zeichnet pflegende Eltern aus

Ohlstadt - Seit fast drei Jahrzehnten leben Hermine und Peter Schuster für eine einzige Aufgabe: Sie pflegen ihren mittlerweile erwachsenen Sohn Michael, der nach einem Verkehrsunfall im Wachkoma liegt. Dieser aufopfernde Einsatz erfuhr nun öffentliche Würdigung von höchster, präsidialer Stelle – mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Sie fehlten bei der offiziellen Ehrung im Bayerischen Sozialministerium – und irgendwie schloss sich damit ein Kreis. Hätten Hermine (68) und Peter Schuster (70) vor ein paar Tagen so einfach mir nichts, dir nichts nach München fahren können, um von Ministerin Emilia Müller jeweils das Bundesverdienstkreuz am Bande in Empfang zu nehmen, wäre es wohl nie zu dieser Auszeichnung gekommen. „Wir wären gerne dort gewesen“, sagt Hermine Schuster. Doch für die Ohlstädter bedeutet es immer wieder einen Kraftakt, wenn sie zusammen das Haus verlassen. „Der ganze Aufwand – das war für uns schwierig“, sagt Hermine Schuster.

Das Ehepaar pflegt seit fast drei Jahrzehnten im behindertengerecht umgebauten Haus rund um die Uhr sein einziges Kind: Sohn Michael (46), der im Wachkoma liegt. Beide tun es mit großer Selbstverständlichkeit, mit Hingabe, mit Liebe; die eigenen Bedürfnisse rücken dabei weit in den Hintergrund. Diese Lebensaufgabe, die jeden Tag füllt, hat Bundespräsident Joachim Gauck nun öffentlich gewürdigt. Da die Schusters ihren Sohn nicht allein lassen können, besuchte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) mit Vize-Bürgermeister Franz Gaisreiter (CSU) die Ohlstädter an deren 47. Hochzeitstag zu Hause, überreichte die von Gauck unterzeichnete Verleihungsurkunde und übergab die Bundesverdienstkreuze. „Ihr Schicksal bewegt mich sehr, und ich bewundere ihren jahrzehntelangen, selbstlosen Einsatz für ihren Sohn Michael“, betonte Speer. „Sie beide sind ein großartiges Beispiel für tätige Fürsorge und Verantwortung sowie für die bedingungslose Bejahung der Familie.“

Die Auszeichnung, sie ist Balsam auf Hermine Schusters Seele und gibt ihr neue Kraft für die nächsten schweren Momente, die fraglos kommen werden. Sie habe sich nach der ersten Überraschung „wahnsinnig gefreut. Dadurch hat man das Gefühl: Man wird nicht vergessen“ – und das, was sie mit ihrem Mann tagtäglich im Stillen leistet, öffentlich anerkannt.

Die Schusters hatten einst ganz andere Pläne, genauso wie ihr Sohn Michael. Er engagierte sich bei Wasserwacht und Jugendrotkreuz, war durchtrainiert, ein Top-Skifahrer. Der Bub gehörte der Gau-Schüler-Mannschaft an und gewann Rennen. Am 13. September 1987, als er sich mit 17 im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker befand, war er mit seinem Mofa in einen folgenschweren Unfall verwickelt, der das Leben, wie er es kannte, pulverisierte – und damit das seiner Eltern. Drei Jahre verbrachte Michael Schuster in Kliniken, über Monate war er dem Tod nahe, lag zunächst im tiefen Koma. „Dann kam zum ersten Mal eine Reaktion“, sagt seine Mutter. „Wir haben ihm etwas erzählt und gesagt: Michael, wenn du das verstehst, dann drück die Hand. Und er drückte die Hand.“ Ein unbeschreiblicher Gänsehaut-Moment, der zeigte: Michael Schuster nimmt seine Umgebung wahr.

Heute kann er mit seinen Eltern kommunizieren – auf seine eigene Weise, mit seiner Mimik, in seiner Sprache. Mutter und Vater verstehen diese ganz ohne Worte. Zum Beispiel, dass ihr Sohn Schmerzen hat, wenn er die Stirn runzelt. Und er lächelt, zeigt Gefühle – etwa, wenn die Eltern ihn fragen, ob das Essen geschmeckt hat, oder wenn sie Gaudi mit ihm machen. „Für uns ist das dann sowas von schön, das sind Glücksmomente“, sagt Hermine Schuster. „Wir sind so dankbar, dass er so weit ist. Und wir sind fest überzeugt, dass er alles mitkriegt.“

Der Sohn, der nicht den kleinsten Handgriff selbst erledigen kann, steht im Mittelpunkt, die Eltern richten alles darauf aus, dass es ihm möglichst gut geht. Seit vielen Jahren fahren sie mit einem behindertengerecht umgebauten Wohnmobil im Winter in den Süden, weil sie das Gefühl haben, dass Michael Schuster das gut tut, dass er „besser drauf ist und weniger Spastik auftritt“. Auch die Eltern erleben dann eine gewisse Auszeit mit nicht ganz so viel Stress. Zu Hause erhält Michael Schuster Therapiestunden. Manchmal passen Verwandte für kurze Zeit auf ihn auf. Den hilflosen Sohn in Kurzzeitpflege zu geben, kommt für die Schusters nicht in Frage. „Das würden wir nicht fertigbringen“, sagt die Mutter.

Die Familie macht das Beste aus ihrem Leben, die Eltern pflegen den Sohn, „so lange wir können“. In der Hoffnung, dass er irgendwann aus dem Koma erwacht. Und im Bewusstsein, dass man jede Stunde, jeden schönen Moment genießen sollte. So wie jenen am 47. Hochzeitstag, als der Landrat mit den Bundesverdienstkreuzen vor der Tür stand.

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