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Von einem „Wunderwerk der Illusion und Technik“ schwärmt Finanzminister Markus Söder in der Venusgrotte. 25 Millionen Euro investiert der Freistaat in ihre Restaurierung.

„Es weiß keiner, wie es geht“

Mammutprojekt Venusgrotte: Sanierung ab Herbst 2017

Linderhof - Ab 2017 bleibt die Venusgrotte am Schloss Linderhof für fünf Jahre geschlossen. Dann beginnt deren Restaurierung für geschätzte 25 Millionen Euro. So einzigartig das Bauwerk ist, so einzigartig werden die Arbeiten. 

Dann schlagen wir einmal das Branchenbuch auf. Und suchen nach einem „Grottenrestaurator“. Oder einem „Grottensanierer“. Oder einem „Spezialisten für Grottenarbeiten aller Art“. Gibt’s nicht. Kein Restaurator in Europa hat bislang eine Grotte restauriert. Doch sucht das Staatliche Bauamt Weilheim um Abteilungsleiter Wolfgang Eichner nach genau solchen Experten. Denn die Venusgrotte im Schlosspark Linderhof, der Rückzugsort von König Ludwig II., wird bekanntlich restauriert. Europaweit laufen die Ausschreibungen – eine Premiere für sich: Aktuell bauen die Planer im Bauamt ein Referenzmuster, das einen Teil der Grotte und seiner Putzschale nachstellt. Daran müssen die Handwerker im Auswahlverfahren erst einmal beweisen, dass sie die Richtigen sind für dieses Projekt.

25 Millionen Euro investiert der Freistaat

Im Herbst 2017 wechselt das Team vom Muster zum Original. Dann beginnt die eigentliche Sanierung der Grotte. Etwa 25 Millionen Euro stellt das Bayerische Finanzministerium dafür zur Verfügung. „Gut investiertes Geld“, findet Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU). Am Freitag warb er vor Ort für einen Besuch des „Wunderwerks der Illusion und Technik“ in diesem Sommer. Denn ab Oktober bleibt die Grotte für fünf Jahre geschlossen. Ursprünglich waren drei Jahre angesetzt. Dafür aber sind die Arbeiten „zu aufwändig“, sagt Söder auf Nachfrage. „Und es ist zu viel kaputt.“

Im Grunde machte die Grotte von Anfang an Probleme. Ludwig II. lebte noch, da traten schon erste Schäden in der künstlich geschaffenen Tropfsteinhöhle auf, in der sich der Märchenkönig ganz seiner Romantik hingab. Er schipperte im Muschelkahn auf dem beheizbaren Teich, ließ Schwäne, seine Lieblingstiere, hineinsetzen, lauschte den Klängen der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, dessen Erster Akt auf einem übergroßen Bild in Szene gesetzt ist. Doch die Feuchtigkeit setzte der Traumwelt schnell zu. Es folgten zahllose Arbeiten, um die Grotte zu erhalten. In den 1960er Jahren bauten die Verantwortlichen Schutznetze an Decken und Wänden ein, um die Sicherheit der Besucher zu garantieren. 1997 kamen zusätzliche Gerüste im Eingangsbereich; Netze wurden erneuert, zusätzliche angebracht.

Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen

Bereits drei Jahre zuvor stand Eichner vom Staatlichen Bauamt in der Grotte. Nachdenklich und etwas ratlos. Die große Frage damals: Wie sollte man die Grotte vermessen, einen Plan zeichnen? Historische Unterlagen sind verschollen. Erst 2007 brachte die 3D-Scan-Technik die Lösung. Seit einem Jahr nun laufen die konkreten Vorbereitungen für die Restaurierung, die das Bauamt im Auftrag des Ministeriums und der Bayerischen Schlösserverwaltung übernimmt. Sicherungsarbeiten gestalteten sich bereits als „schwieriger als gedacht“, sagt Eichner. Ein Satz, an den man sich bei diesem Projekt unter Umständen gewöhnen muss. „Ja, wahrscheinlich“, sagt Peter Seibert, Leiter der Bauabteilung der Schlösserverwaltung, und lacht.

Den ursprünglichen Eindruck der Grotte wollen die Verantwortlichen wiederherstellen. Ohne Schutznetze, samt Licht- und Farbenspiel (siehe unten). Bis 2022 dauern die Arbeiten wohl. Handwerklich und technisch werde das eine große Herausforderung, kündigt Söder an. Für Eichner wird’s die größte seiner langen Amtszeit. „Oh ja“, sagt er. „Es weiß ja keiner, wie es geht.“ Immerhin: „Man weiß, dass es geht."

Die Arbeiten im Überblick

Die historische Bausubstanz in der Venusgrotte will man dauerhaft sichern. Dazu werden die Abdichtung oberhalb des Gewölbes erneuert und das schlechte Raumklima optimiert. Eine Art Klimaanlage wird die Luftfeuchtigkeit reduzieren und den Korrosionsprozess stoppen. Auch die Drahtputzschale samt der künstlichen Stalaktiten und Stalagmiten wird saniert. Eine weitgehend unterirdische Sperrmauer samt Drainage soll das Eindringen von Wasser verhindern. Restauriert und rekonstruiert wird auch die Ausstattung, wie das Gemälde, der vergoldete Muschelkahn und die künstlichen Pflanzen. LED-Leuchten stellen die historische Beleuchtung nach. Geschützte Fledermäuse erhalten neue Einflugröhren.

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