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Ein 200-Millionen-Euro-Projekt: der Bau der Oberauer Ortsumfahrung samt Tunnel.

Ortsumfahrung Oberau

Giftiges Metall aus dem Berg

Oberau - Beim Tunnelbau in Oberau sind erhöhte Thallium-Werte im Gestein festgestellt worden. Die für das Bauvorhaben zuständige Autobahndirektion Südbayern gibt Entwarnung.

Das weiche, graue und dem Blei sehr ähnliche Metall Thallium ist äußerst giftig. Ein Gramm genügt, um einen Erwachsenen zu töten. Giftmörder aus Geheimdienstkreisen sollen gerne daruf zurückgreifen. Dass das chemische Element in dem Berggestein bei Oberau vorkommt, war bekannt. Doch jetzt wurde im Zuge des ambitionierten Tunnelbaus eine höhere Konzentration gemessen als ursprünglich bei den Probebohrungen. Die für das Mega-Projekt zuständige Autobahndirektion Südbayern gibt dennoch Entwarnung: Die Bauarbeiten liefen ungehindert und ohne Verzögerung weiter, erläutert Pressesprecher Josef Seebacher auf Tagblatt-Nachfrage. Trotz der gestiegenen Werte, die bei einer routinemäßigen Untersuchung des herausgesprengten Materials festgestellt wurden, bestehe kein Gesundheitsrisiko. Das Ergebnis der Labortests liege „deutlich unter den Grenzwerten“, erläutert er. „Man müsste etwa eine halbe Tonne des Gesteins mit Thallium essen, um einen tödlichen Wert zu erreichen.“ 

Dennoch werden voraussichtlich die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, vor allem um die Arbeiter keiner Gefahr auszusetzen. „Wir gehen kein Risiko ein“, betont Seebacher. Was genau zu tun ist, werde derzeit mit der Genehmigungsbehörde, der Regierung von Oberbayern, und den Fachbehörden abgestimmt. Möglicherweise, erklärt Seebacher weiter, wird auf dem Baustellengelände eine spezielle Deponie als Zwischenlager für das Gestein angelegt und mit Folien abgedichtet. Auch seien Maßnahmen beim Verladen denkbar, die die Staubentwicklung eindämmen sollen. Das Prozedere bei dem Tunnelbau ist immer gleich: Trümmer und Schutt aus den beiden Stollen werden wenige Tage auf dem Areal aufbewahrt, bis die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Dann werden sie von Entsorgungsfirmen abtransportiert – meist zur Einlagerung in Gruben. Den Planern sei bewusst gewesen, dass sie auf Thallium stoßen werden, stellt Seebacher klar. „Dieses ist Teil der Natur.“ Auch das ebenfalls giftige Arsen könnte noch auftauchen. Die besagten höheren Thallium-Werte stammen von Stücken aus dem Weststollen, der bereits etwa 300 Meter in den Berg hineingetrieben wurde. Insgesamt wird der Tunnel mit zwei Röhren rund drei Kilometer lang, die gesamte, über 200 Millionen Euro teure Ortsumfahrung für das staugeplagte Oberau 4,2 Kilometer. Wenn alles glatt läuft, kann 2021/22 Eröffnung gefeiert werden. Bürgermeister Peter Imminger (CSU) ist zuversichtlich – und mit dem Fortschritt „zufrieden“. Er befürchtet nicht, dass der Thallium-Zwischenfall das Ganze verzögern könnte. Und in Sachen Sicherheitsvorkehrungen werde ohnehin das Größtmögliche getan.

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