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Überfülltes Trachtenheim: Das Thema B23 ist in Oberau derzeit heiß diskutiert.

Verkehr

Umfahrung Oberau: Noch Spielraum bei der B23

Oberau - Michael Kordon, Chef im Staatlichen Bauamt, beruhigt die Oberauer bei einer Info-Veranstaltung im Trachtenheim: Die Überlegungen zur Einschleifung der Bundesstraße 23 sind bisher nur grobe Skizzen

Sogar im Vorraum drängten sich noch die Menschen. Das Oberauer Trachtenheim war restlos überfüllt. Ja, es ging eben auch um ein Thema, das im Dorf derzeit heiß diskutiert wird: die künftige Einschleifung der Bundesstraße 23 in die neue Ortsumgehung. Die Gemeinde hatte zur Informationsveranstaltung nicht nur die Bürger, sondern auch Vertreter des staatlichen Bauamts eingeladen. Der aktuelle Plan sieht bekanntlich eine neue Trasse von der unteren Haarnadelkurve am Ettaler Berg in Richtung Tunnel-Nordportal vor. Eine Lösung, gegen die sich die Initiative NO B23 vehement wendet. 

Wer sich an diesem Abend klare Auskünfte und Neuigkeiten erhofft hatte, der wurde vielleicht ein wenig enttäuscht. Michael Kordon, Chef des Staatlichen Bauamts in Weilheim, sagte im Endeffekt lediglich: „Wir haben noch nicht einmal einen Planungsauftrag und darum auch keinen fertigen Plan.“ 

Welchen Stellenwert das Thema hat, rückte Bürgermeister Peter Imminger ins rechte Licht. „Die Verlegung der B23 wird die künftige Entwicklung des Ortes bestimmen, denn mit ihr soll eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden, indem die Belastungen durch den überörtlichen Verkehr für die Bevölkerung spürbar reduziert werden.“ Doch gebe es eben unterschiedliche Meinungen, wie dieses Ziel erreicht werden könne. 

Expertenrunde: (v.l.) Michael Kordon, Peter Imminger, Christian Allinger (VEO), Josef Bobinger, Werner Hüntelmann und Dr. Hermann Streicher vom Bauamt.

Kordon versuchte immer wieder, die Menschen zu beruhigen. Die auch im Bundesverkehrswegeplan enthaltene Trasse sei nichts anderes „als eine grobe Skizze, wie sowas ausschauen könnte“, betonte er. Denn: Ursprünglich sei ja bereits im Zuge der Olympia-Bewerbung für 2018 die Planung einer Umgehung von Oberau samt der Bundesstraße 23 vorhanden gewesen. Doch wurden diese Projekte 2011 eingestellt und erst im vergangenen Jahr wieder neu aufgerollt worden. Dann eben unter Verwendung des urspünglichen Plans, der in Verbindung mit dem Bau des Umgehungstunnels für die B 23 einen Entwurf zeigt, der einfach von der Haarnadelkurve der Ettaler Bergstraße schräg nach Norden bis zum Tunnel-Nordportal führt. „Wer dort aber eine Straße bauen will, der hat Spielraum, weiter runter oder weiter rauf.“ Kordon machte aber auch klar, dass die vorläufig gezeichnete Trasse schon eine vernünftige und realitätsnahe Lösung sei. Wie sie aber endgültig ausschaut, das werde sich erst zeigen, wenn die früheren Planungen naturschutz- und verkehrsfachlich überarbeitet werden. Sofort schalteten sich daraufhin Mitglieder von „NO-B23“ ein. Sprecher Stefan Theelen forderte genauere Auskünfte über den Flächenverbrauch der B23-Trasse. Er habe gehört, dass dafür rund 40 000 Quadratmeter mitten im Natur- und Naherholungsgebiet am Mühlberg benötigt würden. „Und das in einer Region, die zu den wichtigsten Anziehungspunkten Oberaus zählt.“ Kordon konterte, dass diese Größenangabe keinesfalls realistisch sei. Für die einen Kilometer lange Straße seien allenfalls 10 000 Quadratmeter vonnöten. 

Kämpfen für die Initiative No B-23: Die Oberauer Tina Brenner und Stefan Theelen sprechen sich deutlich gegen eine Einschleifung am Nordportal aus.

Jürgen Haase brachte als Beispiel die vielen Seitenstraßen ins Spiel, die in die Tunnel des Mittleren Rings in München münden. Er regte an, eine solche Lösung auch am Ende des Ettaler Bergs beim Ortsschild um zusetzen. Dort könne man seiner Meinung nach problemlos in den Tunnel einschleifen. Technisch sah Kordon kein Wiedersprüche, bewertete den Vorschlag aber in puncto Verkehrssicherheit als sehr negativ. „Das bringt erfahrungsgemäß viele Unfälle, und die Kosten sind enorm.“ Eine Galerie wie oft in Österreich oder auch am Walchensee schlug ein Zuhörer vor. Eine solche Variante sei möglich, doch nur, wenn die Gefahr von Murenabgängen bestehe, erwiderte der Experte. 

Josef Bobinger, Sprecher der Initiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO), die für den Tunnel gekämpft hatte, wurde es dann zu viel. „Meine Meinung ist: Die B23 gehört von der Haarnadelkurve aus gradaus hinuntergebaut, dafür werde ich kämpfen Wenn es am Mühlberg jemanden erwischt, tut er mir leid.“ Eines fügte er noch an: „Heute werden sowieso nur Straßen gebaut, die allen Richtlinien entsprechen.“ Kordon rang nochmals um Entspannung: „Wir müssen noch eine Menge Untersuchungen machen und unsere früheren Überlegungen komplett neu aufstellen.“ (Wolfgang Kaiser)

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