Michael Mattar
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Die Jacke passt schon mal, ist die Gesinnung auch gelb? Mattar im Gespräch mit einer Passantin.

Die FDP und der Wahlkampf

Michael Mattar: Der Preis-Leistungs-Optimierer

München - Wie macht man Wahlkampf, wenn man sowieso kaum eine Chance auf das OB-Amt hat? Michael Mattar macht es so: Er stellt sich in den Dienst der Partei. Weil das Budget knapp ist, bemüht sich Mattar um Effizienz – und besucht ausgewählte Menschen auch mal zuhause.

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Michael Mattar im Straßenwahlkampf, das ist erstmal schwer vorstellbar. Der Mann, der gern die großen Linien der Politik verfolgt, bei dem zuhause sich die Bücher stapeln, der auf seiner Website Literatur von Thomas Mann und Franz Kafka empfiehlt, an einem Infostand? Mit ganz normalen Leuten?

Aber es funktioniert. Nahe des Rosenkavalierplatzes ist an diesem Tag Markt, deshalb sind zumindest einige Menschen in Bogenhausen unterwegs. Aber die FDP ist nicht alleine – ein paar Meter weiter haben die Grünen einen Stand aufgebaut. Und ein paar Meter in die andere Richtung steht die Alternative für Deutschland (AfD). Ausgerechnet.

Zwischen dem FDP-Stand und dem der Grünen herrscht herzliches Miteinander

Eine ältere Frau in weißer Jacke spaziert vorbei, Michael Mattar spricht sie an. „Ich habe mich immer für die FDP interessiert“, sagt sie. Dann schimpft sie auf die linke CDU. Schnell sind die beiden bei der Landespolitik, bei Seehofer und Energiepolitik, schließlich geht es um die Umsatzsteuer. „Die Grünen müssen auch weg“, sagt die Frau. „Naja, die sind ja vielfältig“, sagt Mattar.

Mit nüchternen Argumenten versucht Mattar die Passanten zu überzeugen – und mit seiner Sachkenntnis.

Tatsächlich versteht sich Mattar mit einigen Grünen sehr gut. In Bogenhausen hat sich im Bezirksausschuss eine Jamaika-Koalition gebildet, das funktioniert gut. Auch zwischen dem FDP-Stand und dem der Grünen herrscht an diesem Tag ein herzliches Miteinander. Nur mit der AfD will keiner der beiden etwas zu tun haben.

"Jetzt gehe ich noch zur AfD", sagt eine Frau zu Michael Mattar

Dann spaziert aber doch ein AfD-Vertreter zum FDP-Stand herüber und reicht Michael Mattar die Hand. „Jetzt machen wir uns Konkurrenz, obwohl wir doch gut zusammenpassen“, sagt er und grinst. „Naja“, sagt Mattar, da gebe es schon Unterschiede. „Ich war auch mal FDP-Wähler“, sagt der AfD-Mann. „Hm“, macht Mattar.

Die AfD begreift sich als Hauptkonkurrent der FDP, erklärtes Ziel ist es, bei der Kommunalwahl besser als die Liberalen abzuschneiden. Die FDP versucht sich unterdessen abzugrenzen und das eigene Profil zu schärfen. „Jetzt gehe ich noch zur AfD“, sagt eine Frau zu Mattar. „Ist ja schon ähnlich.“ „Naja“, sagt Matter und verzieht das Gesicht. „Kommunal ist ja schon immer was anderes.“

Michael Mattar sagt bewusst nicht: "Wählen Sie mich als Oberbürgermeister"

Michael Mattar geht es darum, seine Partei zu stärken. Er weiß, dass er im Rennen um das OB-Amt im Prinzip keine Chance hat. Bei der Kommunalwahl 2008 kam er als OB-Kandidat auf 2,7 Prozent, die aktuellen Umfragen von CSU und SPD sehen ihn bei dieser Wahl nicht viel besser. Seine Kandidatur hat andere Ziele: „Wenn wir keinen Kandidaten aufgestellt hätten, wären wir bei den ganzen OB-Runden nicht dabei“, sagt Mattar. Ihm geht es sowieso mehr um die Stadtratswahl, seine OB-Kandidatur soll Strahlkraft für die Partei bringen. Deshalb sagt Michael Mattar keine Sätze wie „Wählen Sie mich als Oberbürgermeister“, sondern spricht über Sachthemen.

Weißblau der Himmel, gelbblau der Stand: Das Wetter meint es gut mit der FDP.

Mit Korb unterm Arm eilt eine Frau Richtung Markt. „Darf ich Ihnen was geben?“, fragt Mattar und streckt ihr einen Flyer entgegen. „Danke, hab ich schon!“, ruft die Frau. Und: „Ich hoffe, dass ihr da wieder reinkommt!“ Das wünschen einige Passanten, die vielleicht nicht wissen, dass es im Stadtrat keine Fünf-Prozent-Hürde gibt. Oder dass es überhaupt um den Stadtrat geht. Aber Michael Mattar freut sich über die Wünsche.

Am liebsten geht Michael Mattar zu den Leuten nach Hause

Vor allem freut er sich, wenn der Wahlkampf trotz des kleinen Budgets etwas bringt. „Wir haben ja ganz andere Wahlkampfmittel als CSU und SPD“, sagt Mattar. Da komme es auch auf Effizienz an, deshalb stellt er sich nicht in die Innenstadt, wo viele Touristen unterwegs sind.

Und am liebsten, sagt Mattar, geht er zu den Leuten nach Hause. Aber nicht so, dass er bei fremden Menschen klingelt, das nicht. Michael Mattar lässt sich einladen, beispielsweise von Menschen, die mit einer FDP-Mitgliedschaft liebäugeln, aber noch nicht restlos überzeugt sind. Die laden dann weitere Noch-nicht-Wähler ein, Mattar kommt zu Besuch und diskutiert mit ihnen. Im Idealfall hat er am Ende des Abends eine Handvoll Wähler hinzugewonnen. Wirkungsvoll.

Michael Mattar: Zu Hause beim OB-Kandidaten der FDP

Das Ziel, das sich Mattar für die FDP gesetzt hat: fünf Sitze im Stadtrat. Dafür bräuchte die Partei knapp fünf Prozent der Stimmen – die von der CSU in Auftrag gegebene Umfrage sah die Partei bei 2,3 Prozent. Es liegt noch viel Arbeit vor Michael Mattar und der FDP – bald wird sich zeigen, ob sein Effizienz-Konzept aufgeht.

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von Moritz Homann

Moritz Homann

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E-Mail:moritz.homann@merkur.de

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