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Bitte das Spiel zu machen: Der Aufforderung von Croupier Florian Kölbl (re.) kommt CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Müller nur zum Spaß nach. Als führender Mitarbeiter des Hauses hat er in allen bayerischen Casinos Spielverbot.

Michael Müller im Porträt

Staatsdiener mit besonderer Aufgabe

Geretsried - Der CSU-Bürgermeisterkandidat organisiert den Spielbetrieb in allen neun bayerischen Casinos – darf aber selbst nicht spielen.

Bad Wiessee ist nicht Las Vegas. Und Michael Müller ist kein Terry Benedict. Mit dem schillernden Casino-Boss aus dem Film „Ocean’s Eleven“ hat der 44-Jährige nichts gemein. Müller trägt schlichte Anzüge und fährt einen Ford Fokus. Er wohnt seit 36 Jahren zur Miete am Johannisplatz und verbringt seine Urlaube gern an der Ostsee und in der Gegend um Rimini. In seiner höflichen und korrekten Art wirkt er eher wie ein Staatsdiener – und das ist er auch. Bei einem Besuch in der Spielbank in Bad Wiessee haben wir den CSU-Bürgermeisterkandidaten quasi bei der Arbeit begleitet.

Seit Mitte 2000 ist Müller bei der Staatlichen Lotterieverwaltung (Lotto Bayern) beschäftigt – ein Wirtschaftsunternehmen des Freistaats Bayern, angesiedelt im Finanzministerium von Markus Söder. Müller ist Referatsleiter in der Abteilung Spielbanken und zuständig für den Bereich Planung, Organisation, Vertrieb und IT-Technik – kurz: den kompletten Spielbetrieb in den insgesamt neun staatlichen Casinos zwischen Garmisch-Partenkirchen und Bad Kissingen.

Müller weiß um die Vorbehalte gegen Spielbanken. Deshalb ist der Besuch mit einer Reporterin im Casino für ihn auch eine „Gratwanderung“. Aber, so sagt er: „Ich muss mich für meine Tätigkeit nicht verstecken. Wir bieten sauberes und faires Glücksspiel. Bei uns geht es nicht darum, den maximalen Gewinn zu erzielen. Unser gesetzlicher Auftrag ist es, den Spieltrieb zu steuern und zu kanalisieren. Damit übernehmen wir auch eine soziale Verantwortung.“ Anders als bei privaten Spielhöllen – die der geschiedene Vater von zwei Kindern (elf und sieben Jahre alt) strikt ablehnt – darf man in die staatlichen Casinos erst ab 21 Jahren. „Ohne Ausweis und Registrierung kommen sie bei uns nicht rein.“

Müller muss sich in Bad Wiessee nicht ausweisen. Jeder Mitarbeiter kennt ihn. Man begrüßt sich mit Handschlag. Unser erster Weg führt uns zum so genannten kleinen Spiel. „Hier wird kein Automat aufgestellt, der nicht vorher von mir genehmigt wurde“, erklärt der 44-Jährige inmitten einer Glitzerwelt aus 200 Slot-Maschinen. Für den Einkauf ist er regelmäßig auf Messen und in anderen Casinos. 120 Spielbanken im In- und Ausland hat er bis heute besucht. Auch in Las Vegas. Müller stieß zu einer Zeit zu Lotto Bayern, als die Spielbanken im Aufbau waren. Unter seiner Leitung wurden die Casinos in Bad Steben und Bad Wiessee neu gebaut. Die anderen Häuser erfuhren eine Runderneuerung. Für alle Casinos hat Müller ein neues Sicherheitskonzept entwickelt. In diesem Bereich arbeitet er eng mit dem Landeskriminalamt zusammen. „Da liegt man schon mal mit Sack und Keule auf der Lauer, um einem Betrüger auf die Schliche zu kommen.“

Müller selbst ist keine Spielernatur. „Ich bin eher ein kalkulierender Mensch“, sagt er. Er gewinnt gerne, ist aber auch ein guter Verlierer. Als der ehemalige JU-Ortsvorsitzende 2002 nach nur sechs Jahren aus dem Stadtrat herausgewählt wurde, zog er sich nicht beleidigt zurück, sondern übernahm den Vorsitz des Trägervereins Jugendarbeit. Die CSU-Spitze rechnete ihm dies hoch an. Für viele überraschend kürte sie Müller im September 2012 zum Bürgermeisterkandidaten.

Der Sohn eines Optik-Ingenieurs hat sich in seinem Leben immer wieder neuen Herausforderungen gestellt. Nach seinem Abschluss an der Realschule Geretsried begann er mit 16 Jahren eine Lehre bei der örtlichen Volksbank und verkaufte mit Erfolg Bausparer. Zuletzt saß er an der Hauptkasse. „Aber das hat mich alles nicht so interessiert“, sagt Müller. Also holte er 1989 sein Abitur nach und studierte nach dem Wehrdienst Volkswirtschaft. Nebenbei arbeitete er für ein Unternehmen in Martinsried – mit Auslandspraktika in China und Japan. Nach dem Studium stieg Müller zum Assistenten der Geschäftsleitung auf. Doch so richtig wohl gefühlt hat er sich dort nicht. „Da kam die Stellenausschreibung von Lotto Bayern.“

Während seines Studiums war Müller gelegentlich im Casino. „Eine gewisse Affinität war also vorhanden. Aber ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich dort einmal arbeiten würde. Schon gar nicht als einer der maßgeblichen Organisatoren des Spielbetriebs.“ Warum will man dann einen solchen Job aufgeben und Bürgermeister werden? Müller: „Ich mache das jetzt 14 Jahre und bin an einem Punkt angelangt, wo eigentlich alles läuft. Das Bürgermeisteramt wäre für mich eine tolle neue Herausforderung.“

Auf unserem Rundgang in Bad Wiessee sind wir inzwischen beim so genannten großen Spiel angekommen: Black Jack, Poker und Roulette. In einem separaten Raum lässt Müller der Reporterin am grünen Tisch die Regeln des französischen Roulettes erklären. „Ich spiele immer nur meine Glückszahlen“, verrät Müller und setzt zum Spaß seine Jetons auf die 18 und die 5. Spielen darf er nicht. Als Mitarbeiter des Hauses hat der CSU-Bürgermeisterkandidat in allen neun bayerischen Casinos Spielverbot.

Sabine Schörner

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