Engel von Dachau

Bastian Benrath: Wenn Gott es will; Bayern 24./25. September

Für Ihre ausführliche und korrekte Berichterstattung zur Seligsprechung des Mariannhiller Paters Engelmar Unzeitig vielen Dank. Dieser „Engel von Dachau“, wie ehemalige Mithäftling ihn nannten, war in der Tat eine leuchtende Gestalt in der Hölle von Dachau; ein Maximilian Kolbe der Deutschen; ein selbstloser Märtyrer der Nächstenliebe. Ein Seliger, den man schon bald zum Heiligen erheben wird – und zum Patron Mittel-Europas: Er wurde als Deutschsprachiger im Schönhengstgau (Mähren) 1911 geboren, damals politisch noch zum K. & K. Österreich gehörend; 1919 wurde er zwangsweise Tscheche, 1938 durch Hitlers Heimholung (Reichs)Deutscher. Ehe Unzeitig 1940 die Pfarrstelle in Glöckelberg (Böhmerwald) antrat, betreute er französische Kriegsgefangene in Riedegg bei Linz/Österreich. Seine Vita macht ihn zum europäischen Heiligen. Natürlich hätte man ihn schon vor 30 und mehr Jahren selig- und heiligsprechen können, aber damals war er kaum bekannt. Erstmals in einem größeren Kreis bekannt wurde Pater Engelmar, als Pater Adalbert Ludwig Balling CMM seine über 400 Seiten starke Unzeitig-Biografie vorlegte: „Eine Spur der Liebe hinterlassen“, Würzburg 1984. Jahrelange Recherchen waren vorausgegangen, 70 ehemalige Priester, die das KZ Dachau überlebt hatten, waren interviewt worden; so Pater Engelmars vier leibliche Schwestern und auch mehrere Mariannhiller Patres, die Engelmar während seiner Gymnasialjahre in Reimlingen/Nördlingen und während seines Philosophie- und Theologie-Studiums in Würzburg kennengelernt hatten. Kurzum, ich bin fest davon überzeugt, dass der neue Selige noch viel von sich reden machen wird, wenngleich er selber zu den ganz Bescheidenen gehörte. Dass ausgerechnet er, der Schüchterne und sich nie selber in den Vordergrund Steilende den Mut hatte, sich freiwillig zur Pflege von Typhuskranken russischen und ukrainischen Häftlingen zu melden, hat allenthalben bei denen, die ihn kannten, Verwunderung und Respekt ausgelöst. Was ferner nur wenige wissen: Der bayrische Papst Benedikt XVI. hat viel dazu beigetragen, dass die Seligsprechung Pater Engelmars endlich erfolgt ist, und Papst Franziskus hat zurecht den neuen Seligen auch als ein Vorbild all derer gesehen, die, wie er selber, die Barmherzigkeit (Gottes) in den Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens stellen.

Martha Anlauf Saulgrub bei Murnau

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