Jeder sollte helfen

„Soldaten verteidigen christliche Werte im Mittelmeer“; Bayern 16. August

Mit Verlaub, Herr Bischof: Es klingt schon reichlich anmaßend, wenn Sie behaupten, Bundeswehr-Soldaten verteidigen mit ihrem Mittelmeer-Einsatz für die Flüchtlinge auf hoher See christliche Werte: Jede Gruppe, die sich für diese Population verantwortlich fühlt, die die materiellen und organisatorischen Möglichkeiten hat, egal aus welcher Weltanschauung heraus, ob Atheist, Christ oder Politik, sollte immer helfen, diesen 10 000en Opfern im reichen Europa ein Zuhause zu bieten - und wenn auch nur für die Zeit, bis ein Krieg (z.B. Syrien) beendet ist. Umgekehrt zu ihrer Meinung, wird auch ein Schuh daraus: Wann immer auf der Welt gewaltige Katastrophen vorkommen, sammeln die Amtskirchen dankenswerterweise zwar riesige Beträge an Spendengeldern der Bevölkerung (z. B. bei dem Tsunami in Indonesien ca. 2004), es wurde aber nie bekannt, ob die katholische oder evangelische Kirche aus ihrem eigenen riesigen Vermögen zum Beispiel 50 Millionen gespendet haben, oder wie hoch ihre Bearbeitungsgebühr für ihren Einsatz war! Christlich ist nämlich nicht das Sammeln selbst, sondern nur sich mit einem eigenen Beitrag zu beteiligen, entsprechend den finanziellen Möglichkeiten. Ich habe nur eine kleine Rente, aber ich spende regelmäßig für die NGO Ärzte ohne Grenzen – und wer weiß, welchen Belastungen diese Idealisten aus humanitärer Einstellung heraus in Syrien ausgesetzt sind, der wird Äußerungen wie die von Bischof Bedford-Strohm oder von katholischen Kardinälen nur als arrogant und eben anmaßend empfinden.

 Matthias Fuchs Waldkraiburg

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