Ein fast zynischer Rat

Katrin Woitsch: Der Frust der Flüchtlingshelfer; Bayern 11. November

Was Roland Sulzmann und Anke Ringel von den Asylhelferkreisen Landsberied und Penzberg schildern, kann ich zu einhundert Prozent unterschreiben. Vielen Dank dafür! Seit fast 1 1/2 engagiere ich mich in der Flüchtlingshilfe. Deutschunterricht, Behördengänge, Unterstützung in allen Belangen des täglichen Lebens gehören zu meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Von Anfang an kam ein junger Afghane zu mir in den Deutschkurs, der mir sofort auf englisch erklärte, er wolle schnell unsere Sprache lernen und hier in Deutschland zur Schule gehen, um eine Ausbildung zum Kranken/Altenpfleger zu machen. Der Schulplatz, in einer der neu eingerichteten Integrationsklassen für Flüchtlinge, wurde Wirklichkeit. Der junge Mann, pünktlich und zuverlässig, lernte rasch sehr gut deutsch. Zwischenzeitlich fand seine Anhörung beim Bamf statt. Nach nur 10 Tagen lehnte das Amt seinen Asylantrag ab mit der Empfehlung, in einen „sicheren“ Teil Afghanistans zurückzugehen. In Anbetracht der Lage dort ein fast zynischer Rat, wie mir scheint. Junge Menschen, die bewiesen haben, dass sie integrierbar sind und willens, die deutsche Kultur anzunehmen und ein Mitglied unserer Gesellschaft zu werden, sollen unser Land wieder verlassen? Ein umfangreiches Integrations- und Hilfsprogramm wird gestartet, und dann war alles umsonst? Kosten irrelevant? Die Lehrer des jungen Mannes sind gleichermaßen ratlos, ihre Arbeit mit den Flüchtlingen wird durch unsere Asyl- politik auf eine harte Probe gestellt. Offenbar sind Ämter, die über die Schicksale von geflüchteten Menschen entscheiden, bis heute nicht auf die Idee gekommen, Helferkreise und Schulen, Ausbildungsstätten bzw. Arbeitgeber in ihre Entschlüsse mit einzubeziehen. Zu zeitintensiv? Egal? In jedem Fall zu teuer. 

Ines Zorn Schongau

Zum Frust der Flüchtlingshelfer in Saulgrub: Nicht nur bei der Unterstützung von Asylbewerbern ohne Bleibeperspektive breitet sich Frust aus. Auch die Hilfe für Syrer oder Afghanen wird von den Behörden weder honoriert noch unterstützt. 3 Beispiele: Unfall mit Todesfolge - keinerlei Unterstützung durch die Ämter bei der Abwicklung. 2 Monate nach dem Unfall erhielt die Witwe noch keine Info zum Unfallgeschehen und die Beerdigungskosten wurden von den Helfern verauslagt. Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge - bis das Jobcenter die Mietverträge genehmigt und die Miete überweist, springt jeder normale Vermieter wieder ab. Die Flüchtlinge müssen teilweise Wochen ohne Unterstützung auskommen, weil die Behörden nicht zusammenarbeiten und auch die Helfer nicht einbeziehen. Anhörungstermin beim BAMF bedeutet mehrere Stunden im Freien vor dem Gebäude warten, evtl. wieder ohne Entschuldigung nach Hause geschickt werden und in der nächsten Woche nochmals Stunden warten. Das ist tägliche Praxis auch hier in München. So sieht deutsches Terminmanagement aus. 

Astrid Poppenwimmer Saulgrub

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