Dem Leben Gerlichs gerecht?

Dirk Walter: „Selig vielleicht, aber auch heilig?; Bayern 30./31. Juli

Ob die von Dirk Walter vorgestellte Biographie über das Leben von Dr. Fritz Gerlich wirklich „fair“ ist, kann ich nicht beurteilen, ebenso wenig, ob Rudolf Morsey wirklich alle einschlägigen Quellen zu Rate gezogen hat. Auf Grund dieses Berichtes habe ich da aber meine Zweifel. So kann kann man aus vielen zeitgenössischen Berichten entnehmen, dass sich Dr. Gerlich 1927 so sehr über den von Freiherrn von Aretin verfassten Artikel über die „Resl von Konnersreuth“ geärgert hat, dass er daraufhin nach Konnersreuth gefahren ist, „um den Schwindel aufzudecken“. Was er dort allerdings erlebte, hat ihn förmlich umgeworfen. Angesichts der Phänomene, die er mir eigenen Augen gesehen und eigenen Ohren gehört hat, konnte er an der Echtheit dieser Vorkommnisse nicht länger zweifeln. Die Folge war, dass der bis dahin freigeistige Skeptiker zum katholischen Glauben konvertierte und fortan ein großer Verehrer der Therese Neumann wurde. Unter ihrem Einfluss erkannte er auch deutlicher als viele seiner Zeitgenossen die große Gefahr, die von Hitler und den Nationalsozialisten ausging. Er gründete deshalb den „Geraden Weg“ als Kampfblatt gegen die braune Bewegung. Dieses Blatt, das innerhalb von zwei Jahren eine große Auflagensteigerung erlebte, führte dazu, dass der katholische Bevölkerungsteil Süddeutschlands Hitler die Gefolgschaft weitgehend verweigerte, was dazu führte, dass Hitler die angestrebte absolute Mehrheit bei den Reichstagswahlen nie erreichte. Obwohl Dr. Gerlich nach der Machtergreifung hätte fliehen können – ein vollgetankter Mercedes stand bereit, um ihn in die Schweiz zu bringen – brachte er es nicht fertig, seine Mitarbeiter zu verlassen. Er wurde im März 1933 von SA-Leuten verhaftet und anschließend im Münchner Polizeipräsidium viele male gefoltert, um die Namen seiner SA-Spitzel preiszugeben – was er aber standhaft verweigerte. Schließlich hat er seinen aus dem katholischen Glauben genährten Widerstand gegen das „Dritte Reich“ 1934 in Dachau mit seinem Leben bezahlt.

 Dr. Hansmartin Lochner Königsdorf

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