Ein Gesetz würde ins Leere laufen

Teresa Pancritius: Paragraphen für die Mundart; Bayern 29. August

Ich musste ein bisschen schmunzeln über den Vorschlag, ein Gesetz zu erlassen, das verbietet, jemand wegen seines Dialekts zu diskriminieren. Da die jüngere Generation und deren Kinder vor allem in und um München keinen Dialekt mehr sprechen, hätte dieses Gesetz, keinerlei Wirkung. In meiner fast 40-jährigen Tätigkeit als Grundschullehrerin wurde nie ein Kind wegen seines Dialekts diskriminiert. Unser Lehrplan forderte vor 40 Jahren: Erziehung zur Hochsprache. Aber schon damals war er nahezu tot, unser wohlklingender Dialekt. Und nun soll er wieder auferstehen? Vor zehn Jahren schon konnte kein Krippenspiel in Mundart aufgeführt werden mangels Mitspieler. Da München und dazugehörender Speckgürtel seit Jahrzehnten Nordlichter anlockt, die natürlich hochdeutsch sprechen, wird schon ein Kindergartenkind automatisch diese Sprache annehmen. Jeder weiß, dass die Umwelt unsere Kinder prägt. Mein Mann und ich sind gebürtige Niederbayern. Wir lieben und sprechen Dialekt. Unser einziger Sohn spricht astreines Hannoveranisch. Wir hatten keine Chance, unseren Dialekt weiterzuvererben. Schade! Ich muss also Herrn Prof. W. König und Herrn Prof Zehetner widersprechen. Dieses Gesetz würde ins Leere laufen. 

Angela Böhm Starnberg 

Da ich in Bayern geboren und auf dem Land aufgewachsen bin, beherrsche ich die bayerische Sprache perfekt, sogar das Urbayerische meiner Großmutter ist mir nicht fremd. Aber in der Schule lernten wir Deutsch, was mir im späteren Berufsleben sehr nützlich war, da ich oft mit norddeutschen Kollegen zu tun hatte. Als krasses Beispiel von Verständigungsschwierigkeiten mit den zahlreichen Dialekten in Deutschland möchte ich Ihnen folgendes Erlebnis schildern: Ich war vor einigen Jahren auf einem Betriebsratsseminar. Kollegen aus ganz Deutschland waren anwesend. Betriebsräte sind sehr mitteilsam, das gehört zu ihrem Job. Den Kameraden aus Berchtesgaden konnte man gut verstehen, beim Schwäbisch sprechenden Augsburger konnte man schon heitere Gesichtszüge beobachten. Dann stieg der Badenser in „die Bütt“ und babbelte, beim Rheinländer gab es keine Probleme, aber beim Ostfriesen musste man höllisch aufpassen. Beim Sachsen konnte man das Gelächter nicht verkneifen, und abschließend kam ein Oberpfälzer – oh Gott –, wir mussten mehrmals um eine Übersetzung bitten. Also, liebe Lehrkräfte, bringt den Kindern ein anständiges Deutsch bei! Sie werden es ihnen danken, sofern sie jemals ihr Heimatdorf verlassen. Ein Bayer, der irgendwann einmal glaubt, Hochdeutsch sprechen zu müssen, wird oftmals zum Gespött, weil sein Zungenschlag das nur selten erlaubt. Karriere machen dann meist diejenigen, die mit vielen Worten oft nur wenig aussagen. Die Dialekte sollten auf Vereinsebene gepflegt werden, aber bitte nicht in Schulen! 

Gerald Ertl Ottenhofen

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