Lebensmittel müssen ihren Preis haben

Vor Jahren sagte der damalige Gewerkschaftsführer der Lokomotivführer GDL, Manfred Schell, als Gastredner auf dem Milchbauerntag in Reutberg bei Bad Tölz kämpferisch zu den Bäuerinnen und Bauern: Lasst euch nichts gefallen, streikt!

Bald darauf kam es zum Milchstreik, der sich nicht mehr wiederholen wird, denn zehn Tage lang die Milch mehr oder weniger wegzuschütten, steckt den Bäuerinnen und Bauern und auch mir noch in den Knochen. Ein Sprichwort sagt, die Feinde sitzen in den eigenen Reihen. Die Schuld an den derzeitigen Überschüssen allein den Bauern anzulasten, ist zu kurz gedacht. Ein ehemaliger Geschäftsführer einer Raiffeisenbank, sagte einmal zu mir: Wir können reden, was wir wollen, da gibt es Handelsabkommen, die eingehalten werden müssen. Die Geheimverhandlungen um TTIP lassen grüßen. Eines ist bestimmt sicher, für eine gute Zukunft ist die Nachhaltigkeit von existenzieller Bedeutung. Die Regionalität ist dafür ein Garant. Sepp Daxenberger selig sagte einmal: Lebensmittel müssen ihren Preis haben, weil man sie zum Leben braucht. Sich dessen bewusst zu sein, gehört auch dazu, sich nicht negativ beeinflussen zu lassen, denn letzten Endes sitzen wir alle in einem Boot.

Sebastian Springer Schalldorf

 

 

Ich hab volles Verständnis für alle Steuerzahler, die eine Riesenwut auf die Bauern haben, weil sie schon wieder 100 Millionen Euro bekommen. Ich muss aber auch klarstellen, dass wir dieses Geld gar nicht wollen, weil es uns nicht weiterhilft. Für mich ist das reine Steuerverschwendung. Denn: Beispiel 1: Von den 100 Millionen Euro bekommt jeder Betrieb umgerechnet zirka 1300 Euro, bei einem Verlust von zirka 1000 Euro pro Kuh um Jahr. Beispiel 2: Durch eine völlig falsche Agrarpolitik werden allein in Bayern jeden Monat 75 Millionen Euro an Milchgeld vernichtet. Als Ausgleich bekommt Deutschland einmalig 100 Millionen Euro. Uns hilft nur eine sofortige Mengenreduzierung von mindestens 5 % gegen Entschädigung. Die aber von einem industriegesteuerten Minister Schmidt immer noch blockiert wird. Deshalb gibt es für mich nur eine Lösung: Dieser Mann muss sofort ausgetauscht werden. Denn wir brauchen einen Landwirtschaftsminister und keinen Industrielobbyisten.

Sepp Huber Milchbauer aus Deutensee

 

 

Ihr Interview führten Sie zur richtigen Zeit. Es geht eben auch anders. Zwar dürften viele inzwischen auch schlauer sein und Sonnleitners „Wachsen oder Weichen“ nicht mehr zielführend finden, zumal manche mit ihren neuen, oft überdimensionierten Ställen nun in finanzielle Schwierigkeiten geraten dürften. Letztendlich könnte eine mögliche Änderung der Kraftfutterbesteuerung zwecks Milchmengenregulierung manche zur Hofaufgabe zwingen. Erfreulich ist, es lassen sich doch auch Nischen zum Überleben finden. Drüben in Tegernsee zum Beispiel mit der bestens laufenden Käserei. Doch zurück: Früher, so auch bei uns, reichten eben so um die 20 Milchkühe. Sommers auf der Weide und im Winter wurde ausschließlich Heu verfüttert (ohne Trocknungsanlage für 50 000 Euro, wie sie Herr Höher aus Ebersberg benötigen würde), und die Milch schmeckte noch nicht nach Silo. Sogar die Kälber bekamen noch richtige Milch. Aber man musste ja mit der Zeit gehen und die Traktoren nahmen zu, nur die Felder nicht. Nein, früher war gewiss nicht alles besser, nur wir waren wohl auch etwas bescheidener als man heutzutage ist. Nun, weder die Subventionspolitik noch die Verbände werden das Problem in unserer Landwirtschaft lösen können – letztendlich wird’s der Markt richten müssen, und das Höfesterben wird (auch infolge erhöhter Billigimporte dank TTIP) weitergehen, denn Ober sticht Unter und das auf allen Ebenen. Was ja auch die taktische Verlängerung der Glyphosatverwendung um zirka zwei Jahre betrifft, weil sie sich dann doch) nicht mehr verhindern lässt!

Max Wagner Lenggries

 

 

Jetzt ist wieder Hochsaison für die bis zu zehn Meter breiten Mähgeräte der Bauern, die selbst keine Tiere mehr im Stall haben, aber mit dem Gras die sogenannten Biogasanlagen beliefern. Biogasanlagen? Wo ist hier Bio? Wenn durch das Mähen Tausende von Rehkitzen, Junghasen, Rebhühner und andere Bodenbrüter verstümmelt und getötet werden, nur damit diese Industriegasanlagen und Stromerzeuger Ihren Industrieabfall möglichst oft auf die abgemähten Flächen unterbringen können, denn diese Flächen sind ja nur eine Entsorgungsfläche für diese Gülle. Von Trocknung, Pressung und Kompostierung haben diese Industriebetriebe noch nie etwas gehört. Sie sollten sich einmal die hiesigen Kläranlagen besichtigen, das sind Vorzeigebetriebe. Und wo sind unsere Tier- und Naturschützer? Die sind genauso unwissend wie ein Teil unserer Politiker und Bauernpräsidenten. Diese sollten sich an der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf ein Beispiel nehmen und Ihre Vorschläge für den Umweltschutz besser unterstützen. Denn wofür gibt es diese gut bezahlten Wiesenbrüterprogramme, wo ab dem 1. Juli gemäht und gemulcht werden darf. Zu diesem Zeitpunkt wären sämtliche Bodenbrüter und Kleinsäuger fluchtfähig. Aber das sehen diese Bauern nicht, denn die haben statt Augen nur das Eurozeichen im Kopf.

 Josef Petz Freising

 

 

Freies Feld, jeder kann so viel Milch auf den Markt bringen, wie er nur kann – neuer Milchsee zu ruinösen Preisen die Folge. Der Bauernverband, zuständig für Lenkung, Marketing: Waren seine Vernunft-Appelle in Kenntnis der Bundesübersicht allesamt in den Wind gesprochen? Erinnert: Bayerns Bauern verhielten sich im Zuwachs noch an Maß und Mitte. Betrachten Sie die ehemaligen Kolchose-Großbetriebe oder die norddeutschen Bundesländer! Wie immer – an den Folgen der Unvernunft haben alle zu leiden, eingeschlossen wir Steuerzahler. Die 100 Millionen Euro plus x, die der Christian Schmidt als Notnagel anbietet, zahlen wir. Einige träumen großdeutsch von bis zu 4 Milliarden.

Hans Steidl Vaterstetten 

 

Claudia Möllers: Die Heumilch-Alternative, Interview mit Alois Willibald; Bayern 2. Juni, Milchbauern gezielt helfen; Leserbriefe 1. Juni

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