Eine Vision gegen den Krieg

Dirk Walter: Ein Bericht aus der Hölle von Verdun; Im Blickpunkt 30. Mai

100 Jahre Verdun – und keine Vision Der erste Weltkrieg war Ergebnis von Nationalismus, Imperialismus und Militarismus, und Verdun ist Synonym für den ganzen Irrsinn dieser Katastrophe. 100 Jahre später erschöpft sich das Gedenken von Hollande und Merkel im Zurechtrücken von Kranzschleifen und der Verbreitung von abgedroschenen Worthülsen. Wo bleibt die Vision, die der wohlfeilen Formulierung „Nie wieder Verdun“ eine substantielle Basis liefert? Das wäre die Gelegenheit gewesen, eine Abschaffung der nationalen Armeen in Europa zu fordern. Welcher europäische Staat will denn noch gegen einen anderen in den Krieg ziehen? Das ist – noch – nicht mehr vorstellbar. Nach einer Auflösung der nationalen Streitkräfte und ihrer Überführung in eine europäische Verteidigungsmacht wäre das technisch gar nicht mehr möglich. Natürlich würde eine solche Vision in den nationalen und nationalistischen Kreisen Europas erheblichen Wirbel verursachen. Aber das müsste man als überzeugte Europäer endlich offensiv provozieren, die Argumente der Nationalisten im eigenen Land und auf europäischer Ebene könnten entlarvend sein. Dem rückwärtsgewandten aufblühenden Nationalismus, der im Augenblick durch Europas Länder wabert, dieser Sehnsucht nach der heilen und geordneten Welt der Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts, die eben Anfang des 20. mit Verdun im Fiasko endete, der muss man endlich eine Vision entgegensetzen, die die Gedanken der Menschen ebenso aufwühlt und elektrisiert wie seinerseits die Vision einer Überwindung des Kalten Krieges durch einen Wandel durch Annäherung. Dazu bräuchte man mutige Politiker und keine blutleeren Verwalter der Macht. Welche Verzagtheit spricht aus der Angst, man könnte durch ein allzu engagiertes Eintreten für eine fortschreitende europäische Einigung eben jenen Nationalisten Wasser auf die Mühlen geben. Die europäische Idee braucht 100 Jahre nach Verdun einen zündenden Impuls, eine heiße, leidenschaftliche Debatte über eine politische Union. Die Auflösung der nationalen Streitkräfte, so utopisch die Forderung auch klingen mag, könnte dazu einen Anstoß geben.

Günther Strödel München

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