Adel ohne Vorrechte

Der Adel ist abgeschafft, Der Adel ist nicht ab- geschafft; Leserbriefe 22. und 23./24. April

Liebe Frau Schön, bestimmt kennen Sie den Ausspruch: „Mia brauchan ned unbedingt an Kini, aba scheena wärs scho!“ Ich kann daran nichts Unrechtes erkennen, einer 90-jährigen außergewöhnlichen Frau mit einem außergewöhnlichen Leben zu gratulieren – und eine solche Lebensleistung schaffen wir alle miteinander nicht. Ich möchte keinen einzigen Tag tauschen. Dass Sie auch noch in einem Aufwasch ihr Land und den gesamten Adel verurteilen, ist schon ziemlich überheblich. Ich habe einmal in England gelebt und später mit meiner Familie viele unvergessliche Urlaube dort verbracht bei sehr freundlichen und nicht nachtragenden Menschen. Ein besonders liebenswerter Mann hatte mich damals in seine Familie aufgenommen, obwohl er wenige Jahre vorher in deutscher Kriegsgefangenschaft war. Mit dessen Tochter pflege ich noch heute nach fast 60 Jahren eine Freundschaft. Ich kenne auch gut die Einstellung der Engländer zu ihrem Königshaus. Außerdem möchte ich zustimmen, dass vom Adel stets auch viel Positives ausging. Und wenn ich die momentanen Repräsentanten unseres Landes mit der Queen vergleiche, meine ich: scheena iss scho!

Sieglinde Ostermeier Freising

 Die Leserbriefschreiberin Frau Freiin von Beaulieu Marconnay mag sich im Recht fühlen: Der Adel wurde in Deutschland (und damit anders als in Österreich) tatsächlich nicht expressis verbis abgeschafft, sondern es wurden nur seine öffentlich-rechtlichen Vorrechte aufgehoben. Damit wurde allerdings das einzig verbliebene Wesensmerkmal, das diese Gesellschaftsgruppe (noch) definierte, beseitigt und die vormals Adeligen gingen in einem gleichberechtigten Staatsvolk auf. Denn schon damals glaubte niemand mehr ernsthaft, dass es sich bei Adeligen um genetische Speziallebewesen handelte oder gar um Menschen besonders edler Gesinnung. Man hat also damals eine Standesbevorzugung abgeschafft. Die Abschaffung der Menschen, die diese Vorzugsbehandlung in Anspruch nahmen, hatte aber niemand im Sinn und ist auch nicht geschehen. Es auch richtig, dass die Leserbriefschreiberin leibhaftig existiert. Wenn sie aber diesen Vorgang des Jahres 1919 auf sich bezieht, dann müsste sie 1919 auch bereits gelebt haben. Wenn nicht, dann ist sie eine Bürgerin wie Du und ich, vielleicht mit dem Unterschied, dass sie im Vergleich zu anderen einen besonders langen Nachnamen hat. Sie selbst sieht sich jedoch als dem Adel angehörig, lässt die Leser aber bedauerlicherweise im Unklaren, was ihrer Auffassung nach jemand zu einem Adeligen macht. Ist es der lange Nachname (oh, hätte doch der ehemalige Verteidigungsminister Scharping mal den Namen seiner zweiten Ehefrau (Gräfin Pilati usw.) angenommen? Ist es ein Geist, der bei der Geburt überspringt? Oder muss man dazu alte Möbel und am besten noch ein paar Ritterrüstungen besitzen? Ich halte mich da lieber an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Art. 1 („Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“). Wer sich privat für – wahlweise – einen Adeligen, eine Hexe oder einen Druiden hält, darf das trotzdem gerne tun.

Klaus Spreng München

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