Man sollte beides sprechen können

Ein Gesetz würde ins Leere laufen; Leserbriefe 31. August

Beim Leserbriefschreiber Herr Ertl liegt offensichtlich ein Missverständnis vor. Es geht bei der Erhaltung der bairischen Sprache nicht darum, sie gegen die „Amtssprache“ einzutauschen, sondern den jeweiligen Dialekt zu bewahren. Die Sprache, (auch ein Dialekt) ist die größte Errungenschaft der Menschheit. Selbstverständlich muss in den Schulen ein korrektes Deutsch gelehrt werden, neben der Förderung des jeweiligen Dialektes. Wissenschaftler haben schon vor längerer Zeit festgestellt, dass Kinder, die quasi zweisprachig aufwachsen, also Amtssprache und Dialekt, leichter Fremdsprachen erlernen, weil das Gehirn schon trainiert ist von einer Sprache auf die andere umzuschalten. Auch die soziale Kompetenz steigt. Diese Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft für den Erhalt einer Sprache. Es nutzt also nichts, wenn Dialekte nur auf Vereinsebene gesprochen werden, denn irgendwann sterben die Mitglieder aus und der Dialekt ist verloren. Schon zwei Generationen von „Nichtsprechern“ genügen, um eine Sprache aussterben zu lassen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder im Elternhaus, im Kindergarten, in der Schule den Dialekt neben der Amtssprache als gleichwertig erkennen und sprechen dürfen. Deshalb meine dringende Bitte an alle Erziehenden, Eltern, Kindergärtner(innen) und Lehrer und Lehrerinnen: Bestärkt die Kinder im Sprechen eines Dialektes! Wenn ich mir vorstellen müsste, es gäbe keine Lieder mit bairischem Text, keine Geschichten in Sächsisch und keine Gedichte in Plattdeutsch, dann müsste ich sagen: Armes Deutschland! 

Manfred Trautmann Eitting

Seit Jahrzehnten bin ich ein Verfechter des Dialektes. Meine Großmutter, Jahrgang 1899, konnte nur Dialekt sprechen, aber ein einwandfreies Schriftdeutsch schreiben. Meine Mutter sprach zwar im privaten Kreis nur Dialekt, aber im Geschäftsleben wurde mehr nach der Schrift gesprochen, mit dialektischem Einschlag, damit sie auch von jedermann verstanden werden konnte. Dies ging dann auch in ihrer eigenen Familie weiter. So sprachen meine Schwester und ich zuhause und im Freundeskreis nur Dialekt, in der Schule wurde es uns auch nicht abgewöhnt und trotzdem konnten und können wir uns schriftlich und sprachlich in Schriftdeutsch ausdrücken. Leider wurde meinem Sohn schon im Kindergarten der Dialekt abtrainiert, obwohl im privaten Kreis nur Dialekt gesprochen wurde und wird. So habe ich nun einen Preissn, der aber Gott sei Dank die bayerische Sprache versteht. Auch sagt er zur Begrüßung noch immer „Grüß Gott“ . Ob er dies auch in seinem Bekanntenkreis sagt, entzieht sich meiner Kenntnis, da wird wahrscheinlich das ja jetzt immer beliebtere „Hallo“ benutzt. Ich finde es zwar schrecklich, aber besser, als gar nichts. Ich kenne aber Menschen, die das in der Schule anerzogene Schriftdeutsch sprechen mussten, längere Zeit nach Schulentlassung wieder in den Dialekt fanden und bestens wissen, wann sie im Dialekt oder Schriftdeutsch sprechen. Es geht ja immer nur darum, dass man verstanden wird. Ich kann einem Menschen aus Norddeutschland nicht mit tiefstem Bayerisch daher kommen, genauso wenig wie er mir mit plattdeutsch irgendwas verständlich machen kann. 

Christine Koch Germering

Die 6-jährige Moni wurde von ihrer Mutter - ihrem Alter gemäß aufgeklärt. Während einer Fernsehsendung mit einer eher harmlosen Liebesszene, die Klein-Moni zusammen mit der Familie verfolgte, versuchte der Opa, die in solchen Fällen für Erwachsene immer etwas peinliche Situation kindgerecht zu erklären. Klein-Moni kam ihm zuvor: „I woaß scho, Opa, da werd jedzd glei umgfuidn (umgefüllt).“ Ja, ja: 1972 haben die Kinder noch bairisch (und deftig dazu) gesprochen.

 Dr. Helmut Sperber München

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