Die Vergessenen von Lusern

Bairisch reden; Leserbriefe 28./29. Mai

Bei einem Besuch in der deutschen Sprachinsel Lusern/Luserna im Trentino, wo heute noch, im rein italienischem Sprachraum, eine bairische Variation des Zimbrischen gesprochen wird, wird einem bewusst, was Sprache oder Dialekt für die Identität einer Bevölkerung bedeutet. Lusern ist ein kleines abgelegenes Bergdorf im Trentino auf 1300 m Seehöhe. Im zwölften Jahrhundert sind auf Initiative verschiedener Klöster südlich Münchens, Teile der notleidenden Bevölkerung auf die damals unbewohnte Hochebene vom heutigen Lavarone und Lusern ausgewandert. Dort hat sich durch die Abgeschiedenheit der Täler, über Jahrhunderte, die aus dem Alpenvorland südlich von München mitgebrachte Sprache bis heute erhalten. In den Nachkriegsjahren wurde die Sprache von der italienischen Regierung verboten und unterdrückt. Selbst eine kostenlose Schulspeisung der eingeführten italienischen Schule wurde von den Zimbern nicht in Anspruch genommen, sie schickten ihre Kinder trotz Armut weiter in die deutsche Schule. Im Jahr 1996 wurde vom damaligen Gemeinderat von Lusern der Bau eines Dokumentationszentrums zur Erhaltung der zimbrischen Sprache beschlossen. Mit Erfolg wurde das Ziel die Sprache und das Deutschtum zu pflegen und zu erhalten angestrebt. Zimbisch ist mittlerweile als Hilfssprache in den Volksschulen und als Umgangssprache in den Kindergärten zugelassen. Ein großer Erfolg, nur über die Nachkommen kann die Sprache weiter leben. In einem Zeitdokument des in Luzern geborenen Matthäus Nicolussi steht im Schlusswort, Zitat: Den Werten, für die diese Menschen eintraten und heute noch eintreten, steht ein Zeitgeist gegenüber, der mehr von Materialismus als von kultureller Existenz hält. Diejenigen aber, die in Armut und Verlassenheit vom deutschen Sprachraum abgesondert leben, klammern sich mit all ihrer Kraft an die große starke Gemeinschaft – sie wollen nicht die Vergessenen sein, sie wollen sich behaupten. Zitat Ende. Das Zitat sollte uns zu denken geben und uns ein Beispiel sein, es lässt sich durchaus auf das heutige Verschwinden des bairischen Dialekts übertragen. In unseren Schulen und Kindergärten liegt die Ursache für das Verschwinden das bairischen Dialekts, hier wir das im häuslichen Bereich erworbene Bairisch systemantisch abgewürgt (Sprache der Ungebildeten?). Bleibt nur zu hoffen dass für den bairischen Dialekt nicht irgendwann ein Museum gebaut werden muss. Ansonsten ist Luzern auch touristisch ein Besuch wert. Eine Übernachtung im Luserna-Hof mit seiner hervorragenden regionalen Küche ist ein Erlebnis. Buchtip zum Thema: Die Vergessenen von Lusern ISBN: 88-7014-975-7 

Werner Stangl Weilheim

Auch interessant

<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin
<center>Münchner Häuberl Pralinen</center>

Münchner Häuberl Pralinen

Münchner Häuberl Pralinen
<center>Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016</center>

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas

Meistgelesene Artikel

Zu viele Menschen auf der Erde

Das wahre Bild der Armut in der Welt; Leserbriefe 8. Dezember
Zu viele Menschen auf der Erde

Nicht alle Afghanen 

Carina Zimniok und Jürgen Ruf: Eine Stadt in Unruhe; Im Blickpunkt 7. Dezember
Nicht alle Afghanen 

Weit weniger tolerant

Wir alle genießen Religionsfreiheit; Leserbriefe 6. Dezember
Weit weniger tolerant

Die Mautfans werden sich noch wundern, wo das Ganze endet

Wenig Zustimmung zur Maut; Leserbriefe 5. Dezember
Die Mautfans werden sich noch wundern, wo das Ganze endet

Kommentare