Nicht verhandelbaren Gründe für Europa

Nach dem Brexit das Pfeifen im Walde; Jedes Volk ist einmalig; Leserbriefe 7. und 6. Juli

Liest man die Leserbriefe in den Zeitungen zum Thema Brexit und Europa, kann man erschrecken. Auf jeden Fall verbietet sich jede Häme gegenüber den Briten, Europagegner gibt es auch in Deutschland in großer Zahl, europafreundliche Stimmen in den Leserbriefen sind gefühlt in der Minderzahl. Bei zahlreichen europakritischen Beiträgen erkennt man das populistische Gift, es sind ja in erster Linie Meinungen und wenig Fakten, die gegen Europa ins Feld geführt werden. Auch die Schelte einzelner Personen wird vehement geführt; Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments ist einem Schreiber zu hölzern, Jean-Claude Juncker ist dagegen zu geschmeidig. In vielen Beiträgen kann man erkennen, dass die Verfasser wenig über das Zusammenwirken der europäischen Regierungen mit den Institutionen der Europäischen Union wissen. Bestürzend finde ich, dass nur noch wenige Bürger, und das gilt auch für viele Politiker, eine positive Vision von Europa haben, die meisten Bürger, so scheint es, sind sich nur in der Ablehnung einig. Ein gutes Beispiel sind dafür die Handelsabkommen, die derzeit verhandelt werden, hier wird sehr oft nur über die grundsätzliche Ablehnung schwadroniert. Der kleine Mann und seine kleine Frau erregen sich dabei über die „Eliten“, die ihrer Meinung nach nicht sachgerecht agieren. Mein Eindruck von diesen sogenannten Eliten, erworben bei einem vor kurzem erfolgten Besuch in Brüssel, ist: Diese vermeintlichen Schwachköpfe in Brüssel sind hochkompetente und gewissenhafte Fachleute, die durchaus wissen, was sie für die Menschen in Europa tun müssen. Europa ist so geworden, weil sich viele Menschen genau darum bemüht haben. Europa ist, das ist gewiss, ein Kompromiss der 28 Nationen. Die nicht verhandelbaren Gründe für Europa sind die leidvolle Geschichte von Kriegen, aber auch die Geschichte von vernünftigen Einsichten europäischer Pragmatiker und politischen Visionären. Europa ist somit mehr ein historischer Prozess, dieser Prozess muss weitergeführt werden, das muss das gemeinsame Ziel sein. Notwendig in diesem Prozess sind ehrliche und faire politische Debatten, die am Ende zu für alle tragbaren Lösungen führen sollten. Die Geschichte kennt nur ein Fortschreiten, kein Land kann einfach aussteigen und sich aus der Geschichte verabschieden. Ich würde mir wünschen, dass in Europa die Bürger konstruktiver und sachgerechter miteinander über Europa sprechen und diskutieren. In fast allen deutschen Gemeinden existieren Partnerschaften mit Gemeinden in den Nachbarländern, das böte eine gute Gelegenheit für mehr gegenseitiges Verständnis. Die Jugend, so scheint mir, hat begriffen, dass ohne eine intensive politische und wirtschaftliche Integration die Zukunft Europas auf dem Spiel steht. Die hektische Entwicklung seit dem 24. Juni 2016 hat gezeigt, dass Populisten mit ihren Argumenten leichtfertige Zerstörer sind. Der Verantwortung für einen Aufbau oder die konstruktive Veränderung einer bestehenden Situation entziehen sie sich. Mit Demokratie hat der Populist meist wenig am Hut. 

Peter Schröder Höhenkirchen Siegertsbrunn

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