Es ist unsere Pflicht, Menschen in Not zu helfen

Merkels Arbeit: Fluch oder Segen?; Leserbriefe 29. August

Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt man. Und sehr kritische, teilweise negative Berichterstattung, Kommentare und Leserbriefe beeinflussen die Stimmung. Insofern haben sich zwei Leserbriefe vom 29. August sehr positiv davon abgehoben. Flüchtlinge und/oder Terror bedrohen unseren Wohlstand und unsere Sicherheit, das wird Tag für Tag wiederholt. Tatsache ist, wir leben in einem sehr wohlhabenden Land und bisher wurde keinem Bürger etwas weggenommen. Die deutsche Wirtschaft läuft auf Hochtouren und die Steuereinnahmen sprudeln. Wesentliche Steuererleichterungen waren und sind nicht vorgesehen. Bisher wurde Deutschland von Anschlägen nahezu verschont. Das kann zwei Gründe haben: Wir haben exzellente Sicherheitsbehörden oder die Gefahr ist tatsächlich nicht so groß. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Wenn die Handtaschen älterer Damen bei einem Volksfestbesuch kontrolliert werden, trägt das nicht zu Sicherheit bei, sondern schürt Ängste: Man kann nirgendwo hingehen, es ist ja so gefährlich geworden. Auch ein Zaun um das Oktoberfest schafft keine zusätzliche Sicherheit. Aber alle Gesetzesverschärfungen werden deshalb als notwendig akzeptiert – dabei würde es schon reichen bestehende Regelungen durchzusetzen. Hätte man nicht so viele Polizeistellen abgebaut, müsste man jetzt nicht hektisch nach mehr Personal suchen. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen und an den Problemen sachlich arbeiten! Persönlicher Einsatz kann dabei auch nicht schaden. Unser Land profitiert in vielerlei Hinsicht von den Problemen in anderen Teilen der Welt. Ich halte es für unsere Pflicht, Menschen in Not zu helfen, mit oder ohne Masterplan. Ich bin kein Merkel-Fan, man kann ihr den Verwurf machen, unvorbereitet und ohne Absprache gehandelt zu haben. Auch deshalb ist die CSU so böse. Grundsätzlich richtig aber war es allemal, und sie ist schon lange dabei, leise und Schritt für Schritt auf ihre Kritiker zuzugehen. 

Max Schmid Wörth

Mit dem Begriff "Integration" wird in der politischen Diskussion Schindluder getrieben, so oft er verwendet wird. Im Großen Duden – Etymologie wird dieser Begriff zurückgeführt auf "lat. integrātiō" "Wiederherstellen eines Ganzen". Wenn Menschen, Flüchtlinge z. B. bei uns integriert werden sollen, wird damit intuitiv ausgedrückt, dass wir nicht "ganz" sind. Was könnten die Flüchtlinge bei uns zum " Ganz Werden" beitragen? Den Mut, um eines höheren Zieles willen Vertrautes im Vertrauen auf die eigenen Kräfte loszulassen, sich auf fremde Menschen und ihre Hilfsbereitschaft einzulassen, sich mit existentiellen Nöten und unbekannten, (lebens-)gefährlichen Hindernissen auf dem eingeschlagenen Weg auseinanderzusetzen und eigene Werte nicht zu verleugnen. Und wenn alles gut gegangen ist, werden die Menschen, von denen man weggegangen ist, zu Teilhabern am Erfolg. Wenn Frau Bundeskanzlerin Merkel angesichts der tausendfachen Not der Flüchtlinge „Wir schaffen das!“ gesagt hat, tat sie dies in Überzeugung, dass wir bei unseren Rahmenbedingungen vergleichbare Qualitäten aktivieren können und werden. Wir sollten uns schämen, sie so im Regen stehen gelassen zu haben. Auch wenn diese Menschen nicht viel haben, aber Gastfreundschaft hat auch in Flüchtlingslager noch Bedeutung, und sei es eine Tasse Tee, ein paar Kekse und die Bemühung, ein wenig von dem, was sie erzählen wollen, deutsch zu sagen. Und jetzt reiht sich auch Minister Gabriel und mit ihm die SPD in den Zug der Zaudernden aus den Mehrheitsparteien ein. 

Hans Michael Miller Freising

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