Merkels Arbeit: Fluch oder Segen?

Georg Anastasiadis: Ein Jahr nach Merkels Satz: Wie schaffen wir das?; Kommentar 27./28. August, Michael Heitmann: Bundeskanzlerin Merkel in Prag: Kühler Empfang in der goldenen Stadt; Politik 26. August, Ein Treffen ohne Freunde Politik 27./28. August

Ich stimme Herrn Anastasiadis – einmal mehr – vollinhaltlich zu. Die ohne Absprache mit den EU-Partnern in Deutschland durchgesetzte „Wir schaffen das“-Politik hat Europa und Deutschland gespalten und hat auch mit zur Brexit-Entscheidung in Großbritannien beigetragen. Sie hat in ganz Europa zum Aufschwung der Rechtsradikalen geführt, in Deutschland zum Entstehen von Pegida und der AfD. Die CDU ist im Sinkflug und wird die Folgen der Merkel-Politik 2017 zu spüren bekommen. Die Spalter-Flagge weht über Deutschland. Das wird von Merkel bleiben.
Christoph Hütt
Unterhaching

Sehr geehrter Herr Anastasiadis, glauben Sie nicht, dass es Situationen gibt, in denen einem das Leben oder die Geschichte eine Aufgabe einfach vor die Füße wirft? Vor einem Jahr ist das geschehen. Angela Merkel konnte ihre verwöhnten Bürger nicht um Einverständnis fragen. Daher ihr Appell „Wir schaffen das.“ Eigentlich hätte sie sogar sagen sollen: „Wir müssen das schaffen.“ Haben wir nicht eine Leitkultur (Grundgesetz, Kant, Christentum, Solidarität...)? Und die Hilfsbereitschaft war und ist groß. Natürlich ist Merkel nicht davon ausgegangen, dass wir das allein schaffen müssen. Das war ihr einziger Fehler. Wenn man den Glauben daran, dass die anderen ebenso menschlich denken wie man selbst, überhaupt als Fehler bezeichnen kann. Was dann auf politischer Ebene geschah und immer noch geschieht, brauche ich wohl nicht zu beschreiben. Dass das eine leichte Aufgabe sein würde, hat niemand behauptet, weder die Kanzlerin noch sonst ein „Gutmensch“. Und dass Merkel uns in Europa isoliert hat, wie Sie anführen, dazu kann ich nur sagen: Für diese Isolierung bin ich dankbar. Denn wenn ich heute Polin, Tschechin, Slowakin oder Ungarin wäre, hätte ich dauernd das Gefühl, mich für mein Land entschuldigen zu müssen. Und Leute aus diesen Ländern, die ich kenne, die noch nicht ihre Köpfe und Herzen mit Beton ausgegossen haben, fühlen tatsächlich so. Dass jetzt bei uns im Land auch so viel Fremdenhass, Hysterie, Rechtspopulismus hochkocht – ist daran wirklich Merkel schuld? Oder war die von Ihnen gelobte Gelassenheit, Toleranz, Weltoffenheit in Teilen der Bevölkerung vielleicht doch eine allzu dünne, leicht reißbare Decke? Was den konkreten Handlungsplan betrifft wäre in der Politik endlich ein Zusammenwirken aller Kräfte gefragt. Die unermüdlichen Bemühungen der Kanzlerin innen und außen sollten unterstützt, auch konstruktiv kritisiert, mit Alternativen unterfüttert, aber keineswegs beständig übelst beschimpft werden.
Irmgard Koch
Freising

Herr Anastasiadis schreibt am Ende seines Kommentares, „...dass die Menschen bis heute auf den konkreten Plan warten, wie sie das schaffen sollen.“ Antwort: Mit Gottes Hilfe und indem man ganz einfach selbst mit anpackt. Mit Jammern und Lamentieren ist man noch nie zu guten Lösungen gekommen. Eine Asylbewerberin hat sich, im Namen ihrer Familie, erst bei mir – auf Deutsch – rührend bedankt, mit den Worten „Vielen Dank, Sie helfen uns immer“, nur wegen einer Kleinigkeit. Das sind genau die Momente, in denen man weiß, dass man zu einhundert Prozent das Richtige tut, wenn man Menschen hilft, die außer ihrem Leben fast alles verloren haben. Gott sei Dank engagieren sich ja auch nach wie vor sehr viele. Vielleicht tut es unserer Wohlstands- und Spaßgesellschaft ganz gut, dass sie ab und zu an die menschlichen Werte erinnert wird. Leider gibt es auch immer noch diejenigen, die offenbar keine größeren Sorgen haben als über Burka-Verbote nachzudenken oder gleich den Untergang des gesamten Abendlandes zu befürchten. Wenn möglichst viele zusammen helfen, sei es bei der Bereitstellung von vielleicht auch Ferienwohnungen, bei der Vermittlung von Jobs, bei der Unterstützung in Behördenangelegenheiten, beim Sprachunterricht, bei Fahrdiensten usw., können wir in ein paar Jahren vielleicht stolz zurückblicken und feststellen, dass wir diese gemeinsame, gewaltige Integrationsaufgabe im Großen und Ganzen erfolgreich bewältigt haben.
Christian Staltmeir
Altenau

Die Politik der Bundesregierung in der Frage der Asylpolitik ist gescheitert und wird in der Zukunft unser Land und Europa lange noch beschäftigen. Der ungebremste und unkontrollierte Zuzug an Migranten spaltet nicht nur die Gesellschaft Deutschlands, sondern bringt ganz Europa ins Trudeln. Das ganze Wertesystem in Europa wird aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Kanzlerin hat diese Entwicklung vorangetrieben, indem sie Diplomatie und Vernunft ausgesetzt, Empfindsamkeiten europäischer Staaten ignoriert hat. Dies wird sich in Zukunft noch negativ auf die Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn auswirken. Prag und große Teile der tschechischen Gesellschaft zeigen der Kanzlerin die Rote Karte. Auf das Schärfste zu verurteilen sind antideutsche Reflexe und aus der Schublade gezogene Vergleiche zur Nazizeit, dass muss endlich ein Ende haben, Deutschland hat seine historische Verantwortung schon lange übernommen und lebt sie vorbildlich. Eine Gesellschaft kann und soll die Politik kritisieren, aber durch dumme und verantwortungslose Parolen wie in Prag disqualifiziert sich die tschechische Gesellschaft selbst.
Jaromir Samek junior
Schwabhausen

Unsere Kanzlerin Frau Merkel im Alleingang – wo ist der Präsident der Europäischen Kommission, wo ist der Präsident des Europäischen Parlaments? Sind die Herren untergetaucht und meinen, Frau Merkel wird es schon richten? Fest steht, die EU ist in einer Krise. Wie will man 27 Staaten zur Einigkeit bewegen? Es wird nicht gehen und Deutschland macht sich immer unbeliebter. Müssen „wir“ Frau Merkel auch unsere Zustimmung für ihre Handlungen geben? Ja, die V4-Länder sind sich einig und widersetzen sich den Forderungen, Flüchtlinge aufzunehmen – und wenn als Gegenmaßnahme, wie schon erwähnt wurde, den Ländern Gelder gestrichen werden, wird die Union weiter auseinanderbrechen. Die Probleme nehmen doch zu, schon jetzt sind die Zeitungen voll von Negativschlagzeilen: die Entwicklung in der Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Rentenreform, Gesundheitsreform, Altersarmut, Ausländerfeindlichkeit – die Regierungen suchen nach Lösungen und finden keine. Die populistischen Parteien werden immer stärker, sind in ganz Europa im Aufwind, die kommenden Wahlen werden es zeigen.
Horst Jeschke
Bad Tölz

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