Meinungen von und über Milchbauern

Milchbauern gezielt helfen; Leserbriefe 1. Juni, Christian Vordemann: Eine Agrar- wende muss her!; Kommentar, Marcus Mäckler: „100 Millionen sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, Interview mit Wolfgang Scholz; Bayern 31. Mai

Es ist so, das kleine Deutschland ist der größte Milcherzeuger der EU. Nach der Statistik hat die EU eine Überproduktion von 15 Prozent, und wegen dieser Menge fällt der Milchpreis. – Lachhaft! Alle Bauern, nicht nur die Milchbauern, müssen weg von der Politik, da unsere hochwertigen Produkte, zu diktieren Preisen abgenommen werden. Will die ganze Bauernschaft, Almosenempfänger der EU bleiben und sich vor jedermann rechtfertigen müssen? Ich nicht! Wir sind Lebensmittelerzeuger, die täglich gebraucht werden. Wir Landwirte müssen geschlossen auftreten, um einen stabilen Preis zu bekommen. Täglich werden in Deutschland um die 80 Hektar Boden verbaut, die unwiederbringlich verloren sind. Boden ist leider nicht vermehrbar. Friedrich der Große sagte einst: „Wenn sich ein Land nicht selbst ernähren kann, ist es erpressbar.“ Bauern, wendet Euch an die Ämter für Landwirtschaft oder Bauernverband! Es gibt bereits Verbände, die es verwirklichen wollen, aber sie brauchen alle Bauern.

 Josef Hiltensperger Milchviehbetrieb, Kochel am See

Ich betreibe mit meiner Familie einen Milchviehbetrieb am Egglburger See bei Ebersberg. Ihre Einschätzung, dass die Landwirte auf höchstem Niveau jammern, kann ich nicht teilen. In Ihrem Leserbrief versuchen Sie dies mit zwei Argumenten zu untermauern. Es ist richtig, dass man für Heumilch einige Cent pro Liter mehr bekommt. Es ist aber auch Tatsache, dass alle Heumilchbetriebe ihr Heu technisch nachtrocknen. Für unseren Betrieb würde das eine Investition von mindestens 50 000 Euro bedeuten. Dazu kommen die laufenden Kosten wie zum Beispiel Strom usw. Erstens ist und bleibt die Heumilch eine Nische und zweitens müssen durch den Mehrerlös zuerst die Kosten gedeckt werden. Zum zweiten Vorschlag Weideprämie kann ich eigene Erfahrungen berichten: Solange ich denken kann halten wir im Sommer Kalbinnen auf der Weide. Trotzdem konnte ich bis heute die hochgelobte Weideprämie noch nie nutzen, weil das Programm so unflexibel ist: Es muss eine vom Programm definierte Weidegruppe komplett auf die Weide. Weil ich dies nicht erfüllen kann, bin ich wie einige andere auch vom Programm ausgeschlossen. Und jetzt zu Ihrer Behauptung die Weideprämie würde einige Cent pro Liter bedeuten: 50 Euro pro Kuh und Jahr bedeutet bei einer Jahresmilchleistung von 7000 Litern (Durchschnitt ist sogar höher) 0,7 Cent pro Liter Milch. So einfach ist Landwirtschaft eben doch nicht! Bei weiteren Fragen bin ich gern bereit Sie zu informieren.

Alois Höher Ebersberg

Falsch gefördertes Angebot und billige Nachfrage – welch eine Diskussion über die deutschen Milchbauern. Dabei ist es doch wie alles ein Resultat von Angebot und Nachfrage, von falscher Förderung, aber auch Konzentration in Massenproduktionen. Plakativ werden die kleinen Bauern gezeigt, real sind die Massenmolkereien und Zuchtbetriebe, die beim Einkauf genauso sparen wie deutsche Verbraucher bei billiger (nicht preiswerter) Milch. Nur weil einige Bundesländer sehr landwirtschaftlich geprägt wird, drücken nun viele Verbände auf die Tränendrüse – aber es herrscht ein Überangebot und/oder ein Qualitätsdefizit, um eben mehr für etwas Gutes zu bezahlen. Da lohnt ein Blick zur deutschen Steinkohle: 1950 noch weit über 500 000 Arbeiter in Bergwerken, an jedem Arbeitsplatz hingen bis zu fünf in zuliefernden oder dienstleistenden Betrieben wie auch Einzelhandel. Also rund 2,5 Millionen Menschen mit Familien. Weil Importkohle – unter viel unsichereren und oft tödlichen Bedingungen und mit weniger Lohn gefördert – auf den Markt drückte, war man irgendwann auch nicht mehr bereit für die Energiesicherheit zu bezahlen. Und wie man heute sieht, ist das Ruhrgebiet ausgetrocknet, die Arbeitsplätze sind nahezu ersatzlos weg – am Ende blieben nur die Bergwerke mit hochqualitativer Anthrazitkohle offen. Man lernt nicht aus Fehlern, wenn man bei der Milch nun auch sagt: Weiter so! Gute, lokale Qualität setzt sich durch. Masse auf Gedeih und Verderb auf Dauer jedoch nicht.

Volker Kunze Eching

Bravo Maria Wunder! Die Milchbauern scheinen noch nicht verstanden zu haben, dass das Zeitalter des Kuhmilchwohlstands einmal zu ende geht. Immer mehr Menschen möchten gesünder essen, ohne Viehzutaten, vegan. Aber der Bauer macht weiter wie seit Jahrzehnten, Stall vergrößern, Politik unter Druck setzen dann kommt es schon. Diese Zeit muss enden. Warum steigt die Milchproduktion sofort nach Auslauf der Quote? Weil der Bauer fest damit rechnet, dass er weiter auf seine Kosten kommt, wie bisher. Er jammert über den schlechten Milchpreis und schweigt über die Zuschüsse, mit denen er gut leben kann. Oder glaubt einer, der Bauer investiert in Milchvieh, wenn er dabei draufzahlt? Ziel muss es doch sein, so viel Milch zu erzeugen wie gebraucht wird , nicht mehr. Bisher wird so viel Milch erzeugt wie möglich, ohne Rücksicht auf fehlende Abnehmer. Dass das den Preis nicht hebt, weiß doch jedes Kind. Und die Verbraucher werden immer weniger, denn kein Mensch braucht die Mutter-Milch der Kuh, um gesund zu leben. Weniger Milch von glücklichen Kühen ist allemal genug.

Günter Kottek Bad Tölz

Oh Herr, laß Hirn vom Himmel regnen, denn der Engel Aloisius sitzt mit seinen göttlichen Eingebungen noch immer am Stammtisch. Die Gießkanne, mit der unser Agrarminister Zuwendungen an die Bauern ausschütten will, hat doch wieder nur die falschen Löcher. Agrarfabriken sollten Strafe zahlen müssen, dafür, daß sie unverhältnismäßig viel Vieh auf viel zu kleinen landwirtschaftlichen Flächen haben und die Futtermengen nur zu einem ganz kleinen Teil selbst produzieren können. Diese Strafzahlungen wären schon mal ein Grundstock für die Förderung der normalen Landwirtschaft. Die kleinen Höfe müssen gefördert werden, aber nicht mit Krediten, die bei der derzeitigen Lage ja auch nicht mehr zurückgezahlt werden können. Der Zerstörung einer gesunden, weitgefächerten Landwirtschaft muß Einhalt geboten werden und Agrarfabriken, die nichts mehr mit herkömmlicher Landwirtschaft zu tun haben, müssen abgebaut werden.

Margot Riedel Penzberg

Landwirte können trotz enormer Investitionen, Leistungssteigerung der Tiere und der Bestandserhöhung in den letzten Jahrzehnten nicht mehr ihre Kosten decken. Hochleistende, kranke Kühe gehören schon lange zum Alltag der heutigen Milchwirtschaft, die auf den Weltmarkt ausgerichtet ist und auf permanentes Wachstum setzt. Nun hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Landwirten eine Soforthilfe von mindestens 100 Millionen Euro versprochen, um finanzielle Engpässe zu überbrücken. Doch was ändert das an den Bedingungen der Milchproduktion? Die politisch und wirtschaftlich verfolgte Exportstrategie Billig-Milch-um-jeden-Preis führte in eine Sackgasse und zu systemimmanentem Tierleid. Wenn hier keine strukturellen Änderungen angestoßen werden, wird das weiter zulasten der Tiere und deren Halter gehen. Immer mehr Kühe werden nur noch im Stall gehalten, um mögliche Umwelteinflüsse fernzuhalten. Trotzdem scheidet jährlich jede dritte Kuh aus der Milchproduktion in Deutschland aus und wird frühzeitig geschlachtet – hauptsächlich bedingt durch Fruchtbarkeitsprobleme, Euter- und Klauenerkrankung. Hieran muss sich etwas ändern. Für mehr Tierschutz in der Milchwirtschaft brauchen wir eine gesetzlich verankerte Haltungsverordnung für Kühe, ein Bonussystem für besonders tiergerechte Milchhöfe und mehr Transparenz für den Verbraucher. Verbraucher müssen von den Missständen in der Milchviehhaltung wissen und gleichzeitig anhand einer seriösen und verbindlichen Kennzeichnung auf der Produktverpackung erkennen können, wie die Tiere gehalten werden. Dann würden sie mit Sicherheit auch nicht mehr zur Billigmilch greifen. Mehr erfahren: www.kuhplusdu.de

Katharina Tölle Welttierschutzgesellschaft e.V. Berlin

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