1. Startseite
  2. Lokales
  3. Leserbriefe
  4. Leserbriefe

Rechtschreiben ist beliebig geworden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt nach zehn Jahren kommt der damalige Kultusminister Zehetmair darauf, dass die Rechtschreibreform überflüssig war.

Mein Gott, ich habe mich halt ein wenig getäuscht. Weiß der Minister a. D. eigentlich, was er angerichtet hat? Heute ist Rechtschreiben mehr oder weniger beliebig geworden. Das Schlimmste aber ist, dass durch Neudrucke Unsummen von Geldern verschleudert wurden. Es sind ja nur Steuergelder. „Das sollte nie mehr vorkommen, die Lektion haben alle gelernt“, meint Zehetmair. Und damit hat sich’s. Ich bin dann kurz mal weg in Pension.

Fritz Tischer München

Herzlichen Dank für die Zuschrift von Herrn Ertl. Er spricht genau den Kernpunkt an. Zehetmair lächelt und meint: „Nun ja, da hab‘ ich mich eben getäuscht.“ Kein Wort der Entschuldigung, dass er schuld war, und sinnlos Gelder verpasst wurden. In Firmen werden Schuldige haftbar gemacht. Warum gilt das nicht für die Politik?

Wolfgang Sellinger Eichstätt

Die Katze ist aus dem Sack. Die Karten liegen auf dem Tisch. Nach einer zehnjährigen Anlaufzeit wird die zu Recht als völlig überflüssig (Zehetmair) erkannte Rechtschreibreform in ein neues Licht gerückt. Es hat sich bestätigt, dass das seinerzeit von einem 39-köpfigen Experten-Gremium erarbeitete Werk trotz vieler Ungereimtheiten und Inkonsequenzen und das schließlich verabschiedete Regelwerk und die damit geschaffenen Regeln sozusagen auf Bewährung erlassen wurden. Und jetzt nur noch Makulatur? Schade um das viele Papier und Geld, das diese vom Inhalt her nichtsnutzige Reform schon verschlungen hat. Makulatur hat auch ihren Preis. Wie gehen die Verlage damit um? Wer garantiert uns denn, dass nach weiteren zehn Jahren nicht wieder jemand auf die glorreiche Idee kommt, einer dann auch wieder neuen Rechtschreibreform ein As aus dem Ärmel zieht und ein neues Chaos verursacht. Herr Vordemann regt in seinem Begleitwort als eine wirkliche Schreiberleichterung an, im Deutschen die Groß- und Kleinschreibung, wie sie in England, Frankreich und Italien üblich ist, einzuführen. Aber da ist Vorsicht geboten, um Missverständnissen vorzubeugen. Nur ein Beispiel: „Sie hat in Moskau liebe genossen.“

Fred Hufnagel Seefeld

Ein Dankeschön für die treffende Zuschrift von Hans-Jörg und Franziska Vogel vom 3. August 2015. Sie sprechen etwas ganz Wesentliches aus. Bücher, vor allem Kinderbücher, wurden aus dem Verkehr gezogen. Es entstand sowohl ein finanzieller als auch kultureller Verlust ohnegleichen. Und was sagt der löblich Einsichtige, der damals trotz erbitterten Widerstands so kluger Leute wie Friedrich Denk stur blieb mit lächelndem Antlitz: „Ich habe mich halt ein wenig getäuscht. Und ich bin dann mal kurz weg.“ Fürwahr ein schönes Vorbild eines Schulministers für unsere Jugend.

Frank Tetzner Hochdorf

„Späte Einsicht“ und „Blödsinnige Reform“; Leserbriefe 3. August und 31. Juli, „Rechtschreibreform war überflüssig“; Titelseite 30. Juli

Auch interessant

Kommentare