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Nicht jeder Doktorand schreibt ab

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Der Leserbrief kann nicht unwidersprochen bleiben. Bei der Übernahme fremder Texte muss, grob gesagt, der Urheber klar und eindeutig gekennzeichnet werden.

Sonst handelt es sich um ein Plagiat. Dass da einmal ein Flüchtigkeitsfehler passieren kann, ist eine andere Sache. Diese Entschuldigung gilt aber auf keinen Fall, wenn es gehäuft vorkommt (siehe Fall Guttenberg). Dass „jeder Doktorand abschreibt“, ist eine absolut ungehörige Unterstellung. Natürlich fängt in der Regel kein Promovierender beim Punkt Null an, das heißt, es gibt sehr oft bereits zu seinem Thema oder zu Teilaspekten der Dissertation Publikationen, die – korrekt zitiert – berücksichtigt werden müssen. Das ist kein Abschreiben, wie Frau Oechsner meint. Dass „ein Doktorand kein Forscher ist“, ist in dieser Allgemeinheit völlig falsch. Viele Doktorarbeiten, vor allem in den Naturwissenschaften, aber nicht nur dort, sind in ein übergeordnetes Forschungsprojekt eingebunden und liefern dafür neue Erkenntnisse. Woher will die Verfasserin wissen, dass es so viel Neues ja nicht gibt? Ich empfehle ihr, einmal den Forschungsbericht einer beliebigen deutschen Universität in die Hand zu nehmen. In einem Punkt stimme ich allerdings der Leserbriefschreiberin uneingeschränkt zu: Mir wäre die Zeit auch zu schade, um hier akribisch nach Verstößen zu suchen.

Univ.-Prof. em. Dr. Heinz Schelle Oberau

Warum dauert es 25 Jahre, bis jemand merkt, dass an der Doktorarbeit von Frau Dr. von der Leyen eventuell getrickst wurde? Bei allem Respekt vor Herrn Prof. Dannemann und seiner Arbeit, aber es ist ja schon komisch, wenn nach 25 Jahren dem einen oder anderen einfällt: Jetzt schauen wir doch mal, wen wir jetzt durch den Dreck ziehen können. Wer bezahlt eigentlich diese Nachforschungen, ob ein Doktor-Titel zurecht erlangt wurde? Ein Professor wird wohl kaum für 8,50 Euro die Stunde arbeiten und seine Mitarbeiter machen das wohl auch nicht umsonst. Das Ganze sieht wohl eher nach einer Auftragsarbeit aus, fragt sich nur von wem. Was prüft eigentlich die Prüfungskommission, die dann letztendlich entscheidet, ob der Doktor-Titel zurecht erteilt wurde oder nicht? Ich habe eher den Eindruck, dass man den Herrschaften der Prüfungskommission mal auf die Füße treten sollte, weil die allem Anschein nach ihren Job nicht richtig machen. Frau von der Leyen verdient Respekt für die Leistung , die sie in den letzten Jahren als gewählte Volksvertreterin geleistet hat. Ob ihr Doktor-Titel dabei hilfreich war, möchte ich eher bezweifeln.

Josef Reischl Rumeltshausen

Frau Oechsner meint, man solle an Doktorarbeiten früherer Jahre nicht mehr „mies fummeln“, sie also vorbehaltlos anerkennen. Gegenrede: Wenn eine Medizinische Hochschule zu Hannover die 62-seitige Dissertation der Tochter des niedersächsischen Ministerpräsidenten durchwinkt – eine Arbeit, die ein heutiger Professor öffentlich bestenfalls als Seminararbeit anerkennen würde – dann darf an diese Praxis immerhin eine Anfrage gestellt werden (die ja noch kein Urteil beinhaltet). Eine ganz andere Frage ist, wer die aktuelle Überprüfung angeregt haben könnte – da fallen mir durchaus Interessenten ein.

Bernd Haedrich Benediktbeuern

„Miese Fummelei“; Leserbriefe 1. Oktober, „Verjährungsfrist für Plagiate?“; Titelseite 30. September 

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