Spielen Sie doch selbst mal!

Allgemeinverblödung; Leserbriefe 19. Juli, Carina Zimniok: „Irgendwann wird man müde“, Interview mit Verena Weigand; Im Blickpunkt 14. Juli

Hätte man bei „7 Fragen an Verena Weigand“ die Berufsbezeichnung „Bereichsleiterin für Jugendschutz und Medienkompetenz“ nicht gelesen, kein Mensch wäre darauf gekommen, dass diese Frau sich kritisch mit der Gefahr für unsere „smombies“ (smart-phone-zombies) befassen soll. Derart flach und platt waren ihre Aussagen (Daten können weiterverkauft werden), dass man das Gefühl hat, diese Frau hat sich mit den pädagogischen und psychologischen Aspekten der „Pokemon go“-Hysterie gar nicht befaßt. Erwachsene werden infantilisiert, Jugendliche werden noch mehr in dem Wahn bestärkt, die reale Welt nur noch durch den virtuellen Wahn erkennen zu können. Gerade bei Jugendlichen besteht die Gefahr sich autistisch von der realen Welt abzuschotten. Wie daneben muß denn ein Kind sein, dass es sich nur nach „draußen bewegt“, weil es dann irgendein Cookie auf seinem Display „fangen kann“. Anstatt diese elektronischen Verblödungsmechanismen zu hinterfragen- was man von einer Landeszentrale für neue Medien verlangen könnte- wird der evidente Suchtcharakter dieses Hypes noch von Frau Weigand in unverantwortlicher Weise verharmlost („es ist übertrieben von Sucht zu sprechen“). Elektronischer Firlefanz als Lebensinhalt-, davor sollte gerade eine Landeszentrale für Medien deutlich warnen. 

Gerd Gaumer Erding

Der Leserbrief von Herr Mulzer, Wolfratshausen entbehrt offensichtlich jede eigene Erfahrung. Meine 3 Kinder (24, 26 und 28 Jahre) berichten mir immer wieder wie spannend es ist, plötzlich in Ecken von München (oder Wolfratshausen) zu kommen, an denen sie sonst nie gelandet wären. Kilometerweite Fußmärsche draußen bei Wind und Wetter. Noch eindrucksvoller für alle Spieler aber ist der spontane Kontakt, der sich an Treffpunkten ergib. Man kommt ins Gespräch und lernt so neue Leute allen Alters kennen. Bestimmt allemal besser als Clubs oder PC-Gesitze zuhause. Spielen Sie doch selbst mal! 

Sylvia Pammé Grasbrunn

Pokemon und der Mensch ja, ihn gibt es tatsächlich auch noch - den „Menschen“. Aber er steht nicht mehr an 1. Stelle. Er gerät immer mehr in Vergessenheit. Nun hat die Respektlosigkeit anderen Mit-Menschen gegenüber sowieso schon an Intensität zugenommen, Achtung anderen Mit-Menschen gegenüber ist schon fast ein Fremdwort, da es in den Familien nicht mehr gelehrt wird, und Deutsch in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu hören eine Rarität ;-). Man hat Fremdsprachenunterricht, wenn man den Handygesprächen lauscht. Wobei man sagen muß, dass so mancher Ausländer (selbst erlebt) eher mal aufsteht und einem älteren Mit-Menschen eine Platz anbietet als ein Deutscher .... Durch Pokemon hat das Verhalten den Mit-Menschen gegenüber nun noch eine Steigerung der Ignoranz erfahren: man muß als „Normal-Mensch mit-ohne Pokemonsuchfunktion“ nicht nur die mittlerweile allgemein übliche Ellbogentaktik über sich ergehen lassen, nein - man muß nun als „Normal-Mensch“ diesen dem Pokemon hinterherhechelnden, und darauf degenerierten Wesen (noch aus Fleisch und Blut) aus dem Weg gehen, damit man von ihnen nicht umgerannt wird. Denn sie „sehen und hören“ leider überhaupt nichts mehr. Man ist gespannt, wann die ersten Verkehrsunfälle deswegen entstehen, und mir tun die Verkehrsteilnehmer leid, die dann unverschuldet in einen solchen Unfall verwickelt werden, nur weil der Pokemon-Wahnsinn die Leute vom Wesentlichen abhält - noch mehr, also sowieso schon durchs „telefonieren“ auf der Straße. Ich habe in der Tat kein Mitleid mit Zweibeinern, denen es nicht mal Wert ist ein paar Minuten am Tag in der Öffentlichkeit sich auf sich und die Mit-Menschen zu achten. Warum bleiben sie nicht in ihren vier Wänden hinterm PC sitzen - das wäre ungefährlicher. Musste man sie denn nun auch noch mit einem Spiel auf die Straßen locken? Wie haben wir armen alten Menschen es nur geschafft Jahrhunderte ohne diese mobile Technik zu überleben ? Ach ja, wir haben gespielt, gearbeitet, Konversation auf konventionelle Weise betrieben, Freundschaften geschlossen. Heute? Heute ist jeder mit seinem Smartphone/Handy befreundet, braucht Facebook um „Freunde zu sammeln“ (Minimum 500 Stück) - wozu braucht er also noch reale Freunde in natura? Man kann froh sein, dass man schon ein gewisses Alter erreicht hat - denn was auf unsere Kinder in den nächsten Jahren/Jahrzehnten noch zukommt dürfte die Degeneration des menschlichen Gehirns mit all seinen Funktionen nebst Intelligenz weiter vorantreiben. Und ganz nebenbei müssen sich diese heute (noch) liebenswerten kleinen Wesen wohl auch mit den Ergebnissen heutiger Politik auseinandersetzen. Die Menschheit richtet sich selbst zugrunde, weil sie nie genug bekommt. Zufriedenheit, Glück, Lebensfreude werden bald nicht mehr auf der Agenda stehen. Aber das ist wieder eine andere Baustelle. Ich frage mich nur: wann haben die Menschen ein Einsehen und lassen sich nicht zu Robotern degradieren - egal ob von Spiele-Herstellern oder der Politik, sonst rennen die nächsten Menschen-Generationen dann in der Realität mit Pokemonaugen und -ohren herum. Ohren werden sie aber auch nicht mehr brauchen, denn die ihnen zugeschriebene Funktion wird schon längst durch die lauten Kopfhörer-Geräusche kaputtgebumbumbumst. Wer konzipiert bitte endlich ein Spiel, das all diese „User“ (sonst verseht man ja das Wort Nutzer auch nicht mehr) auf den Mars oder Mond beamt, wo sie dann auf die Suche nach den ersten Spuren lebender Intelligenz gehen können? Da hätte er dann man einen Sinn - dieser technische Wahnsinn. 

Petra Stein München

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