Möchtegern-Rennfahrer bringen andere in Gefahr

Keine Freiheit zu rasen, Geduldete Raserei; Leserbriefe 31. und 28./29. Mai

Ich bin in meinem bisherigen Leben in allen fünf Kontinenten und vielen unterschiedlichen Ländern mit dem Auto unterwegs gewesen, sei es als Selbstfahrer, mit dem Taxi oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Was ich dabei nie erlebt habe, ist ein Land, in dem aggressiver und brutaler gerast wird als in Deutschland. In unserem Land gilt bei vielen Autofahrern leider die Tatsache: Motor anschalten, Verstand ausschalten. Es ist daher auch kein Zufall, dass in Deutschland jeder zweite Verkehrstote auf Raserei zurückzuführen ist. Das sind mehr als 1500 Opfer pro Jahr. Ich kenne die Zahl zwar nicht, aber wenn jeder dritte dabei unschuldig ist, so ist das ein untragbarer Zustand, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Im Gegensatz zu den Leserbriefschreibern glaube ich allerdings nicht daran, dass häufigere Geschwindigkeitskontrollen daran etwas ändern würden . Was nützen solche Kontrollen, wenn über mehrere Radiosender in kurzen Abständen bekanntgegeben wird, wo diese stattfinden. Ein Raser braucht ja nur das Radio einzuschalten und schon weiß er, wo er bremsen muss und wo er straffrei rasen kann. Raser sind Kriminelle, und solche vor Kontrollen zu warnen, ist absolut unverantwortlich und müsste verboten sein. Raser gehören bestraft, und das mit Beträgen, die wehtun. Herr Dobrindt könnte mit diesen Einnahmen sogar seine unsäglichen Mautpläne zu den Akten legen. Er bräuchte nicht mal eine EU-Genehmigung dafür. Alleine die Schweizer Autofahrer auf der Autobahn München-Lindau würden die Staatskasse schon gut befüllen. Da tun die Eidgenossen genau das, was sie im eigenen Land nicht dürfen, nämlich rasen was das Zeug hält.

 Ernst Huber Schongau

Als es kürzlich zu zwei Lkw- Auffahrunfällen kam, war das Empören zu Recht groß, auch Politiker forderten schärfere Kontrollen der Lkw-Fahrer. Auf der A95 häufen sich die Unfälle besonders bei hoher Geschwindigkeit und mit PS-starken Fahrzeugen, aber da regt sich niemand auf, liegt es daran, dass die Autobahn auch als Teststrecke für BMW und Audi benutzt wird? Mag sein, aber das alleine wäre nicht das Problem, denn diese Fahrer halten sich an die Regeln (wenn es welche gibt) und beherrschen ihre Fahrzeuge. Vielmehr sind es sich selbst überschätzende Möchtegern-Rennfahrer, die andere in Gefahr bringen. Als Pendler, der jeden Tag diese Strecke fährt, bin ich manchmal froh, wenn es eine Baustelle gibt, weil dann diese Raser auch ausgebremst werden.

Ludwig Ponholzer Antdorf

Unser Problem in Deutschland ist, dass viel zu viele Leute auf den Straßen unterwegs sind, die absolut nicht zum Führen eines Kraftfahrzeugs geeignet sind. Seien es einzelne Senioren, die nichts mehr sehen und hören, aber dank Führerschein in vier Stunden anno 1950 heute noch unbehelligt herumfahren dürfen. Seien es Leute wie ein gewisser FW-Politiker, der vor zehn Jahren mit überhöhter Geschwindigkeit einen unschuldigen Mann getötet hat, noch mehrfach im Straßenverkehr auffällig wird und dann im Juli vergangenen Jahres betrunken hinterm Steuer sitzt - mit Führerschein, versteht sich. Oder, erst vor wenigen Wochen hier gelesen, zwei junge Burschen, die sich mitten in Schwabing mit ihren übermotorisierten Audis ein Autorennen liefern, mit über 120 km/h durch die Stadt heizen und sich laut Polizei daraufhin äußerst uneinsichtig zeigen – die Strafe: 400 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Ein Monat! Selbst die Führerscheinprüfung (wie ich sie vor wenigen Jahren erlebt habe) ist keine Prüfung der Fahreignung, sondern reine Geld- und Glückssache. Wer Pech hat, muss eben nochmal antreten, am Ende bekommt jeder den Lappen. MPU? Nur eine teure Spaßveranstaltung, die auch ein dauerbesoffener Alkoholiker in diesem Zustand besteht. Warum tut die Politik hier nichts? Höhere Strafen, mehrjährige bis lebenslange Fahrverbote und strenge Auswahl der Führerscheinanwärter? Die Antwort ist einfach. Der private Pkw ist in weiten Teilen unseres Landes (mal abgesehen von München) zum einzig akzeptierten Verkehrsmittel avanciert. Seit Jahrzehnten wird an diesem Traum der Autoindustrie gearbeitet, Bahnstrecken stillgelegt, öffentliche Verkehrsangebote ausgedünnt und verteuert, auch die Mentalität der Leute geht in diese Richtung: Seinen Sprössling zu Fuß eineinhalb Kilometer in die Schule schicken? Das arme Kind! Drei Kilometer mit dem Radl fahren (und das nicht nur aus Spaß am Sonntagnachmittag)? Schon gilt man als Spinner, der scheinbar nichts zu tun hat. Lieber jeden Meter mit dem Auto - ist ja auch Fahrspaß. Von der Arbeit heim mit 180 über die Landstraße? Gesellschaftlich akzeptiert, man will ja möglichst schnell zuhause ankommen. Verlierer dabei sind Kinder, Senioren und Behinderte; all jene, die eben nicht die Möglichkeit zum Autofahren haben. Ganz abgesehen von den oft unschuldigen Todesopfern dieser egoistischen Einstellung; und unserer Umwelt, in der wir und unsere Nachkommen leben müssen. Hauptsache, es wird nichts getan, was der Autoindustrie schaden könnte (und wenn es Menschenleben rettet). Sicherheitsgurte? Erst nach jahrelangem zähen Ringen. Abgas-Skandal? Macht nichts. E-Autos mit deutschem Kohlestrom? Da beschließt man sofort 2000 € Subvention aus Steuergeldern an unsere armen Autohersteller. Die jedoch haben ihre gefährliche Idee durchgesetzt: Ein Führerschein ist mittlerweile inhärente Voraussetzung für fast sämtliche Arbeitsstellen außerhalb von Großstädten, alleine wegen der Anfahrt. Ohne ihn steht man schnell am Rande der Gesellschaft. Und hier wird auch klar, warum so viele ungeeignete Personen umherfahren: die müssen ja von A nach B kommen! An Alternativen wird gar nicht erst gedacht. Die paar Toten jeden Tag nimmt man eben so hin.

Patrick Pöppel München-Pasing

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