Keine Freiheit zu rasen

Es ist löblich, dass nach den schweren Raserunfällen der letzten Tage jemand die Frage der Raserei auf unseren Straßen aufgreift.

Aber mit einer Beschränkung auf eine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen erreicht man wenig, wie dort die örtlichen Beschränkungen und die inner- und außerörtlichen Beschränkungen zeigen. Nur viel häufigere Kontrollen und echte Strafen für todgefährliches Verhalten wirken. Leben gefährdendes Verhalten ist keine Ordnungswidrigkeit.

Otto Obert Baldham

Wie viele Tote muss es auf Deutschlands Straßen noch geben, bis sich in der Denkweise von Politik und der überwiegenden Anzahl von Autofahrern etwas ändert? Bei jedem Flugzeugabsturz wird (zurecht) von einer Katastrophe gesprochen und (zurecht) wochenlang öffentlich über Ursachen und Konsequenzen berichtet und debattiert. Mehrere Tausend Tote auf Deutschlands Straßen jedes Jahr werden praktisch teilnahmslos als Kollateralschaden akzeptiert. Damit es auf keinen Fall an die heiligen Kuh des Deutschen, nämlich seinem Auto, irgendwelche Einschränkungen gibt. Gibt es im Ernst irgendein Argument gegen eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, gibt es im Ernst Argumente gegen dauerhafte Geschwindigkeitskontrollen? Natürlich wird das Kartell aus Politik und Automanagern unter anderem in München, Stuttgart, Ingolstadt oder Wolfsburg wieder mit dem zynischen Argument aufwarten, Autofahren bedeute auch Freiheit. Dieses ist Menschenverachtung pur für die Hinterbliebenen solcher Unfälle wie zuletzt auf der A 9 und A 6. Vielleicht macht man sich irgendwann mal die Mühe, den Zusammenhang zwischen tödlichen Unfällen und der PS-Zahl der Autos, die diese verursacht haben, zu analysieren. Jedenfalls sind Unfallverursacher, die mit ihren Geschossen tödliche Unfälle provozieren, Kriminelle. Aber natürlich darf man deren persönliche Freiheit auch künftig nicht einschränken.

Karl Lamprechtinger Eching

Wie sicher viele Menschen, war auch ich erschüttert von dem schrecklichen Ereignis auf der Autobahn. Gleichzeitig hat es bei mir schlimme Erinnerungen wachgerufen, vielleicht gewisse Parallelen aufgezeigt. Ich hatte das Bedürfnis, nach 70 Jahren mir etwas – wie man so sagt – von der Seele zu reden. Dr. med. Helga Fichtner, 28 Jahre alt, war meine Schwester – mein einziges Geschwister. Erich Reinhardt, 31 Jahre alt, war mein Schwager. Beide sind auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben. Kreisbaumeister Gustav Fichtner und seine Ehefrau, beide 59 Jahre alt, waren meine Eltern. Sie verstarben beide wenige Tage nach Einlieferung ins Krankenhaus. Ich war damals 23 Jahre alt und studierte in Augsburg. Ich hatte beschlossen, nicht mit nach Hause zu fahren und stieg am Münchner Hauptbahnhof aus, verabschiedete mich von meiner Familie und fuhr mit dem Zug nach Augsburg. Es war sicher eine schicksalsreiche Entscheidung, vielleicht die wichtigste, die mich ein Leben lang begleitete. Zu den beigefügte Bildern im Vergleich: Das Bild auf Seite 14 in Ihrer Zeitung, ein Großaufgebot an Rettungskräften, der gewaltige Großeinsatz an Mensch und Material im Jahr 2016. Anders das Bild in der Pegnitz-Zeitung aus dem Jahr 1954. Es lässt erahnen, wie trostlos die Situation an der Unfallstelle gewesen sein muss, es war Nacht und dichter Nebel und eisige Kälte. Man kann sich auch die Hilflosigkeit der Rettungskräfte vorstellen, sie waren hoffnungslos überfordert, es fehlte damals noch die Erfahrung für derartige Verkehrsunfälle. 1954 gab es keine Infrarotscheinwerfer, die Krankenwagen hatten keine so perfekte medizinische Ausstattung wie heute, es gab keinen Rettungshubschrauber. Auch die Versorgung in den Krankenhäusern für so einen Fall steckte noch in den Kinderschuhen. Ganz zu schweigen von den Krankenhäusern selbst. Mein Vater wurde nach Oberföhring eingeliefert, dort war das heutige Klinikum Rechts der Isar in einem ehemaligen SS-Barackenlager untergebracht, meine Mutter in eine Auslagerung des Schwabinger Krankenhauses in einem ehemaligen Schulhaus. Es gäbe noch viel zu dieser Geschichte von damals zu sagen, beispielsweise von den zwei Verhandlungen vor dem Landgericht Regensburg, oder zur Person des Omnibusfahrers, dem 19-jährigen Sohn eines namhaften Regensburger Busunternehmers ohne Omnibusführerschein, nur mit einer einmaligen Fahrerlaubnis für diese Fahrt, ausgestellt von der Bundesbahndirektion Regensburg – die Bundesbahn war für alle Belange des Omnibusverkehrs zuständig – oder von den Zicken der Versicherungen.

Gerhard Fichtner München

 

Geduldete Raserei; Leserbriefe 28./29. Mai, Hans Moritz: Zwei Buben sterben auf der A 9; Bayern 27. Mai, Katrin Woitsch: Mutter und drei Kinder sterben; Bayern 18. Mai

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