Rentengerechtigkeit?

Die Politiker doktern mal wieder an der Rente herum.

Es ist schon richtig, dass bei längerem Leben die Zeit der Arbeitsjahre angepasst werden sollte. Aber dabei darf man keinesfalls vergessen, dass es einen Riesenunterschied macht, wie viele Beitragsjahre ein künftiger Rentner mitbringt. Es müssen mindestens 40 Jahre, besser 45 Jahre sein. Es kann nicht angehen, dass ewige Studenten mit 30 Jahren ins Berufsleben starten und dann nach 35 Jahren, also mit 65, in Rente gehen können. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit muss so festgelegt werden, dass der Dachdecker, der mit 15 oder 16 Jahren eine Lehre beginnt, nach 40 oder 45 Jahren – je nach Gesundheitszustand – in Rente gehen kann. Die Kopfarbeiter oder am Schreibtisch Tätigen können ohne weiteres bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten. Mindestens genau so wichtig ist jedoch, dass alle Berufstätigen (also auch Beamte, Selbständige, Freiberufler und vor allem Politiker) einzahlen. Wieso funktioniert das in der Schweiz, in Österreich und in nordischen Ländern? Die Umstellung kann innerhalb von zwei Jahren erfolgen, andere Länder haben das vorgemacht. Da muss sich die Politik schon fragen lassen, weshalb sie ihre Pfründe nicht aufgeben will.

Christl Bredow Garmisch-Partenkirchen

In der GroKo tragen zumindest die SPD und die CSU das S für „sozial“, wenn das nicht eine Verpflichtung für eine Rentenreform ist, was dann? Denn: Natürlich hat Herr Schäuble nicht Recht, dass es neben Absenken der Leistung, steigenden Beiträgen und Erhöhung des Rentenalters nur drei Möglichkeiten gibt. Es gibt auch noch eine weitere, nämlich eine weiterreichende solidarische Beteiligung aller in der Gesellschaft an der Altersversorgung. Schritt 1: Deutliche Absenkung des Rentenbeitrages, entlastet schon mal die Geringverdiener. Im Gegenzug, Schritt 2: Deutliche Erhöhung, wenn nicht sogar Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze; trifft die Topverdiener zwar hart, aber sie werden es verschmerzen. Selbst ein Beitrag von Unternehmensgewinnen wäre denkbar. Schritt 3: Einführung einer steuerfreien Grundabsicherung und gleichzeitig Begrenzung des Rentenanspruches nach oben. Wer jetzt glaubt, dass es sich dabei um eine um eine Rentensteuer für Besserverdienende oder Unternehmen handelt, sollte daran denken, dass diese Kosten ohnehin auf unsere Gesellschaft zukommen, ob durch eine verbesserte Rente oder später durch notwendige Sozialleistungen, diese nehmen den Bedürftigen nur die letzte Würde und Selbstachtung. Das darüber hinaus auch über eine flexible Ausgestaltung nachgedacht werden muss, sollte selbstverständlich sein. Es kann doch auch für Luxus-altersversorgte Politiker nicht so schwer sein, so etwas mal zu überdenken und zu rechnen.

Michael Rahe Holzkirchen

Wo bleibt die Anpassung der Pensionen an die Renten? Wenn der Rentner mit 43 % seines Gehaltes auskommen muss, warum braucht der Beamte mehr? Ein Einkommensvergleich über die Arbeitsjahre zeigt, dass der Beamte nicht schlechter gestellt war, da man auch die Rentenbeiträge, Arbeitslosenversicherung und Krankenkassenbeiträge berücksichtigen muss. Hinzu kommt, dass man als Privatversicherter etwas anders behandelt wird. Hätten die schamlosen Abgeordneten und Minister nicht immer wieder die Rentenkasse geplündert, dann lägen die gesamten Rücklagen bei mindestens zusätzlich eine Billion Euro. Die Zahlung der Bundeswehr, Gesetze, die Steuern betreffen, wurden und werden auch heute aus der Rentenkasse entnommen. Wenn Herr Schäuble 75 oder 86 Milliarden an die Rentenkasse überweist, sind das keine Zuschüsse, sondern versicherungsfremde Leistungen. Etliche Finanzminister haben sich aus der Rentenkasse Geld geliehen. Nur der Zinssatz lag immer unter den marktüblichen Zinsen. Noch eins: Die Beamten leben im Durchschnitt um 5 Jahre länger als die übrige Bevölkerung. Wer heute glaubt, dass die Arbeit leichter wurde und vor allem die Tätigkeit im Büro, der irrt! Man darf Die Belastung der Arbeitenden nicht mit Abgeordneten und deren Ministern vergleichen, denn die reden nur von Verantwortung und genießen Privilegien, die sich die Bevölkerung nicht mal träumen traut.

Hermann Boehm Gröbenzell

Ob mit einer Rente im Alter von 63, 65 oder 70 Jahren, das ganze Gerangel zur Verteilung der Altersrente bei leeren Rentenkassen kommt einer wachsenden Ohnmachtshandlung gleich. „Die fortschreitende Technik tilgt die ganz harte körperliche Beanspruchung mehr und mehr aus der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts“ -so Sebastian Horsch in seinem Kommentar „Schäuble hat Recht“ Absehbar ist in den nächsten Jahrzehnten ein flächendeckender Einsatz der Roboter. Wie und wobei sollen die älteren Menschen mit 70 Jahren dann beschäftigt werden? -Um Werte zu schaffen sicher nicht. Nur eine Hinhaltetaktik bei der fälligen Zahlung der Altersrente? Fällt unseren Politikern nichts Besseres ein? Wo eigentlich ist der ehemalige Überschuss in der Rentenkasse geblieben? Kann man die Rentenkasse nicht aus anderen Ressourcen auffüllen und den Rentnern damit ein längeres Rentenlebensalter ermöglichen?

Roswitha Reinhold Gauting

Hier stellt sich mir die Frage, ist das Herrn Schäubles Gerechtigkeitssinn? Wenn ja, so kann ich Herrn Schäuble nur empfehlen, uns so schnell wie möglich von seinem Gerechtigkeitssinn zu erlösen und in Pension zu gehen, für welche er ja auch noch nie einen Euro Beitrag zahlte. Die Forderung Herrn Schäubles nach einem Rentenalter von 70 Jahre für Arbeiter, jedoch kein Wort diesbezüglich für Beamte, finde ich unverschämt. Ist sich Herr Schäuble eigentlich dessen bewusst, dass Beamte für eine kürzere Lebensarbeitszeit im Durchschnitt 550 000 Euro Pension erhalten, dies ohne jemals auch nur einen Euro Beitrag hierfür eingezahlt zu haben? Arbeiter hingegen erhalten im Durchschnitt 330 000 Euro Rente, dies jedoch bei durchschnittlicher Einzahlung eines Rentenbeitrages von 200 000 Euro. Und jetzt möchte Herr Schäuble, dass diese bis ins hohe Alter von 70 Jahre arbeiten. Hier stellt sich doch die Frage, sind die Arbeiter die moderne Sklaven unserer sozialen Gesellschaft?

Hermann Purrmann Kirchheim

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob Schäuble Recht hat oder nicht. Jedenfalls mutet seine Argumentation zum Renteneintrittsalter einseitig an, weil er das Wirtschaftswachstum und den Produktivitätsfortschritt ausblendet. Beides ist überlebensnotwendig. Bleibt beides aus, sind Wohlstand und Erhalt der Sozialsysteme in Frage gestellt. Über das Renteneintrittsalter, gekoppelt an die Lebenserwartung, muss dennoch nachgedacht werden. Sie muss Teil von Reformüberlegungen sein. Das läge im Trend der europaweiten Diskussion, in der es weniger um das Hinausschieben eines festen Renteneintrittsalters geht, sondern um eine flexible Lebensarbeitszeit in der Zukunft. Laut Eurostat steigt jedes Jahr die Zahl der über 60-Jährigen in Europa – Deutschland eingeschlossen – um zwei Millionen; das ist doppelt so viel wie vor 10 Jahren. Dagegen sinkt die Zahl der 20- bis 59-Jährigen in jedem Jahr. Wenn die Geburtenrate sich nicht nach oben verändert, setzt sich der Trend fort. Wenn einerseits die Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung in einem zumutbaren Rahmen gehalten und andererseits auskömmliche Renten gesichert werden sollen, muss das Renteneintrittsalter heraufgesetzt werden. Das ist in der gegenwärtigen und künftigen Arbeitswelt durchaus möglich und kann deshalb mit gutem Willen und Augenmaß ermöglicht werden. Wer fast ein halbes Jahrhundert Beiträge gezahlt hat, soll auch ab Erreichen eines bestimmten Lebensalters abschlagsfreie Rente beziehen können. Es gilt, das Renteneintrittsalter mit der Steigerung der Lebenserwartung abzugleichen und zwar gewissermaßen automatisch, anstatt in politisch hart umkämpften Reformen in mehr oder weniger großen Zeitabständen ein neues fixes Renteneintrittsalter festzulegen. Damit wird die Lebensarbeitszeit das gültige Entscheidungskriterium für das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Die Anzahl der Berufe und Beschäftigungsverhältnisse steigt, in denen es zumutbar ist, über das 65. oder 67. Lebensjahr hinaus zu arbeiten. Wer früher den Ruhestand anstrebt, muss dann eben mit Abschlägen bei der Rente rechnen. Das gebietet die Gerechtigkeit gegenüber den Beitragszahlern. Andererseits gibt es Berufe und Beschäftigungsverhältnisse, die ein weit früheres Renteneintrittsalter erzwingen. Hier müssen die Beschäftigten durch eine auskömmliche Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente aufgefangen werden. Als Beispiele können herangezogen werden die Altersrente für langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute und die im österreichischen Pensionssystem geltende „Hacklerregelung“ (Pensionierung von Schwerarbeitern).

Hanns Peter Wagner Kreisvorsitzender der Senioren-Union München-Land, Sauerlach

Schäuble hat nicht Recht; Leserbriefe 23./24. April, Sebastian Horsch: Schäuble hat Recht; Kommentar 22. April 

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