Tierhaltung muss artgerecht sein

Wertschöpfung auf dem Bauernhof; Leserbriefe 27./28. August

Man muss den Leserbrief des Herrn Müller – Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes – schon genau lesen, um zu erkennen, dass er zwar die Interessenvertretung für die kleinen bäuerlichen Betriebe explizit nennt, aber die in Wirklichkeit die Interessen der Agrarindustrie und bäuerlichen Großbetriebe beeinträchtigt sieht. Die Umweltministerin will das Baurecht für Mega-Tierställe einschränken. Für Betriebe mit mehr als 15 000 Hühnern, mehr als 1500 Schweinen und mehr als 600 Rindern. Der Durchschnittsbauer in Bayern hat 36 Rinder. 0,3 Prozent der Betriebe haben mehr als 150 Schweine und 0,8 Prozent mehr als 15 000 Hühner. Also welche und wie viele bayerischen Bauern sind davon betroffen? Wessen Interessen vertritt nun Herr Müller? Es wäre begrüßenswert, wenn sich der Bauernverband mehr für artgerechte Tierhaltung und vernünftige Milchquoten bei den Großbauern einsetzen würde. Muss eine Kuh heute wirklich 10 000 Liter Milch geben (nur mit Kraftfutter möglich)? Warum finden die Berchtesgadener Bauern Lösungen in der Milchproblematik? Auch die NEC-Richtlinie zum Ammoniakausstoß bei der Tierhaltung betrifft nur Großbetriebe, Kleinbetriebe sollen ausgenommen werden – was auch sinnvoll ist. Jeder bäuerliche Familienbetrieb sollte sich wirklich die Frage stellen, ob er vom Bauernverband richtig vertreten wird. Zu meiner Person: Ich bin ein Stoderer, der auf dem Bauernhof aufgewachsen ist. Ich bin Verbraucher der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Einen gesunden Bauernstand mit artgerechter Tierhaltung und Landschaftspflege für unsere bayerische Heimat finde ich unbedingt notwendig und somit auch förderungswürdig!

Alwin Elf
Planegg

Leider geht Herr Müller mit keiner Silbe auf den Unterschied zwischen Agrarindustrie (Ställe mit 600 Rindern und mehr) und bäuerlicher Landwirtschaft mit überschaubaren Viehzahlen, wo die einzelnen Tiere noch Namen tragen, ein. Der Strukturwandel ist nun mal da, und die SPD spricht ja gerade über solche Megaställe, die aus der Privilegierung fallen sollen. Erstens haben diese mit bäuerlicher Landwirtschaft nichts zu tun, weil es dabei nicht ohne Angestellte geht, und zweitens müssen für einen solchen Riesenbetrieb einige Kleine wohl oder übel aufgeben. Also genau das Gegenteil von dem, was der BBV sich auf die Fahne schreibt. Von 600 Kühen sollten doch 20 oder 30 Familien leben können und nicht nur ein Agrarmanager mit mehreren Angestellten, ohne die es nun mal bei diesen Größenordnungen nicht geht. Was den Fleischverzehr angeht, der Frau Hendricks zu hoch ist, sind wir wieder beim Thema Bevormundung der Bevölkerung. Außerdem muss man sich ehrlich fragen, ob es wirklich notwendig ist, Fleisch aus Südamerika einzuführen. Und um beim Tierwohl zu bleiben: Amerikanische Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Anbindehaltung mit Weidegang am besten ist, weil der so wichtige Kontakt zwischen Mensch und Tier dabei gewährleistet ist.
Georg Berwanger
Großpienzenau

Für die Landwirtschaft im Freistaat Bayern kann man – mit einigen Einschränkungen – der Auffassung von Hans Müller zustimmen. Aber, im Falle der von Frau Bundesumweltministerin Hendricks gemachten und von Herrn Müller so heftig kritisierten Äußerungen zur wieder einmal angedachten Begrenzung einer maßlosen „Agrarindustrie“ und „Massentierhaltung“ sollte Generalsekretär Müller doch einmal über den bayerischen Tellerrand hinausblicken. Frau Hendricks meinte bestimmt nicht in erster Linie die Bauern und Bäuerinnen in Bayern! Ich empfehle Herrn Müller und damit den Damen und Herren vom Bayerischen Bauernverband, zu dem Thema gelegentliche Exkursionen etwa nach Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, oder gar in die nordöstlichen Regionen Deutschlands um Oldenburg oder in das Emsland zu unternehmen. Die Bundesministerin will und muss sich um die nicht mehr vertretbaren Auswüchse bezüglich Mammutbetriebe und den damit verbundenen Tierschutz im gesamten Bundesgebiet kümmern – dieses Problemthema sollte übrigens Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt gleichermaßen am Herzen liegen, er ist eben auch für das gesamte Bundesgebiet zuständig! Das sollte doch nicht so schwer zu verstehen sein. Im Übrigen: Wenn in einem Ort (vor allem in der Ortsmitte) neue und größere Tierstallungen als bereits vorhanden gebaut werden sollen, dürfte dies ohne einen einvernehmlichen Konsens zwischen dem bauwilligen Bauern bzw. Tierhalter, der Kommune und den Ortsbewohnern nicht zu einem friedlichen Miteinander kommen können. Auch hier muss es sich nicht gleich um eine Massentierhaltung handeln. Das Miteinander und der Tierschutz sind heute, neben der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens, mehr denn je unverzichtbar.
Reinhard Krohn
München

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