Durchaus tierfreundliche Möglichkeit

Welches Schmankerl haben Sie sich auf der Wiesn schmecken lassen?

War Ihnen bewusst, dass es dort ohne den Fleiß der Bauern kein Bier, kein Hendl, keine Ente, keinen Ochsenbraten, ja nicht einmal einen Kaiserschmarrn geben würde? Die Tiere die man dafür benötigt leben alle auf unseren Höfen und nicht einmal der Vegetarier kommt ohne den Acker des Bauern aus. Das größte Volksfest der Welt hätte nicht so viele Anhänger, gäbe es dort nicht diese köstlichen Speisen. Besser lässt sich nicht Werbung für die heimische Landwirtschaft machen, als mit zufrieden dreinschauenden Wiesnbesuchern. Im Deutschunterricht der Grundschule lernen wir, dass Wörter mit -heit, -keit und -ung am Ende groß geschrieben werden. Mir fällt dazu spontan Verbundenheit, Dankbarkeit und Hochachtung ein. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und loben Sie uns Bauern mal dafür, liebe Leserbriefschreiber! Und wenn es nur für den Milchschaum auf Ihrem Cappuccino ist. 

Maria Grenzebach Aschering

Grüß Gott Herr Hoffmann, Ihr Leserbrief hat bei mir nur Kopfschütteln verursacht. Woher Sie ihre Kenntnisse nehmen, weiß ich natürlich nicht, aber wegen einer einzigen Fernsehsendung auf das Verhalten der Bauern zu schließen, ist sehr oberflächlich! Wir haben Milchkühe und ziehen Kälber groß – aber konventionell. Unsere Kälber bekommen selbstverständlich am Anfang Biestmilch und später Vollmilch – keine Kunstmilch, wie Sie behaupten. Was verstehen Sie eigentlich unter Kunstmilch? Auch die männlichen Kälber werden mit Vollmilch aufgezogen bis diese verkauft werden. Dass Tierschutz und Tierwohl für uns selbstverständlich sind, beweisen wir täglich 365 Tage im Jahr – nur gesunde Tiere, die sich wohlfühlen und bestens versorgt werden, wachsen und gedeihen – wir sind darauf angewiesen. Viele Kinder werden nicht so gut versorgt und haben weniger Platz – denken Sie bitte darüber nach! Es stellt sich nur die Frage, ob Sie, Herr Hoffmann, aber auch andere dies überhaupt hören bzw. lesen wollen. Sie haben eine vorgefertigte Meinung. Wir Bauern sind es aber, die Sie und jeden anderen Menschen ernähren und dies zu Billigstpreisen, damit wir uns von berufsfremden Menschen unsere Arbeit erklären zu lassen. 

Walter Frey Glonn

Es ist einfach unerträglich, dass beim Thema Landwirtschaft ständig und vor allem Leute mitreden, die von der Materie überhaupt keine Ahnung haben. Vermutlich wird keiner anderen Berufsgruppe so in ihre Arbeit herein geredet wie den Landwirten, Was allen Milch-, Eier- und Fleischkonsumenten klar sein muss, ist, dass die Erzeugung von Lebensmitteln für Millionen von Menschen nicht mit Kleinstbetrieben zu bewerkstelligen ist. Klar sollte auch sein, dass wir, wenn wir Kuhmilch trinken wollen, praktisch Fressfeinde der Kälber sind. Natürlich ist es schön, wenn Kuh und Kalb zusammen sein dürfen, aber wo soll die Milch (für den Menschen) denn eigentlich herkommen, wenn das Kalb sie trinkt – und das tut es, und zwar restlos, wenn man es lässt. Eine kombinierte Lösung Mutterkuh/Milchkuh, also Kalb plus Melkmaschine stellt einen extremen Arbeitsaufwand dar, der bestimmt nicht realisiert werden kann, solange Milchtrinker ihre (ermolkene, abgeholte, pasteurisierte, homogenisierte und verpackte) Milch für 41 Cent pro Liter im Discounter kaufen. Möglichst noch in Bioqualität. Was die Haltung junger Kälber angeht, so muss ich Herrn Dr. Hoffmann energisch widersprechen, der in seinem Leserbrief behauptet hat, dass Igluhaltung tierschutzwidrig sei und es eine gute Infektabwehr ausschließlich in einer guten Muttertier-Kälberhaltung gibt. Das ist sachlich falsch. Es gibt sowohl milchproduzierende Betriebe als auch Mutterkuhbetriebe mit und ohne gesundheitliche Probleme bei den Tieren. Vieles ist eine Managementfrage. Dieses kann bei beiden Betriebsformen mehr oder weniger gut sein. Wenn wir Milch trinken wollen, müssen wir Kuh und Kalb jedenfalls trennen, wobei fraglich ist, ob die Trennung für beide schmerzhafter ist, wenn sie gleich nach der Geburt erfolgt oder erst, wenn eine tiefe Bindung entstanden ist. Übrigens kommen die meisten Kälber dank des schlechten Milchpreises in den Genuss von Vollmilch. Auf jeden Fall stellt das Kälberiglu, wenn es sauber und gut eingestreut ist, eine durchaus tierfreundliche Möglichkeit dar, die Kälber im Freiluftklima abseits der Keimbelastung des Stalls, bei Tageslicht und meist in einer Umgebung, in der es für die Kälber etwas zu sehen gibt, gesund über die ersten Lebenswochen zu bringen, ehe sie in der Gruppe aufgestallt werden. Wirklich artgerecht ist tatsächlich nur die Freiheit -aber wer von uns möchte denn auf Milch und Fleisch verzichten oder sich sein Steak selber erjagen? 

Dr. Birgit Reski-Weide praktische Tierarztin, Penzberg

Wer viel arbeitet und wenig verdient sollte sich doch wenigstens Kritik von Unwissenden gefallen lassen. Diesen schizophrenen Grundsatz machen sich heute viele Verbraucher zu Eigen. Man kritisiert die Kälberhaltung auf Stroh in Iglus genauso wie die Stallhaltung der Kühe, und hält ein Bauer gar mehr als 15 bis 20 Stück Milchkühe ist er bereits verpönter Massentierhalter. Wünsche wie die Ganzjahresweidehaltung der Rinder mit vollem Familienanschluss sind medienwirksame Traumvorstellungen allzu vieler Verbraucher. Dass diese heute nur mehr 11 % ihrer Einkommen für die Ernährung auszugeben brauchen, darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Wenn man sich diese von Unwissenheit strotzenden Leserbriefe von sogenannter artgerechter Tierhaltung und pflanzen - und um weltgerechtem Ackerbau verinnerlicht, könnte man meinen dass genau die Unfähigsten den Beruf Landwirt ausüben, ähnlich einem kritisierten Fußballspiel sind also auch hier die Verkehrten am Ball. Mich wundert sehr, dass diese Weltverbesserer nicht selbst in die Landwirtschaft eingestiegen sind, oder mindestens ihren Nachkommen wärmstens empfohlen haben diesen Beruf zu erlernen um eine Kehrtwende in ihrem Sinne herbeizuführen. Möglichkeiten selbst Bauer zu werden gibt es genug und sei es durch eine Einheirat in einen landwirtschaftlichen Betrieb. Offensichtlich ist aber die praktische Ausübung dieses Berufes nicht attraktiv genug, aus anfangs genannten Gründen. Wer aber massive Kritik an der heutigen Viehhaltung oder dem Ackerbau übt, sollte sich zuerst unvoreingenommen an Ort und Stelle kundig machen, am besten durch längere Mitarbeit. Ansonsten trifft das bayrisch passende Sprichwort „Erst das Gehirn einschalten und dann das Mundwerk laufen lassen“ den Nagel auf den Kopf.

 Franz Freytag Grasbrunn

Zum Glück leben wir in einem Land mit freier Meinungsäußerung. Dennoch sollten sie, Herr Dr. Hoffmann als Akademiker keine Unwahrheiten verbreiten. Ich möchte nur auf drei ihrer Aussagen eingehen. Erstens ist ihre Behauptung, dass „die meisten positiven Daten von Igluhaltung bei Kälbern“ von der Pharmaindustrie verbreitet werden, schlichtweg unwahr. Kein im veterinärmedizinischen Bereich tätiges Pharmaunternehmen verkauft oder vermittelt Kälber-iglus; das liegt alleine in der Hand von Agrarzubehörfirmen wie der Firma Patura. Zweitens ist ihre Behauptung falsch, dass es nur wenige echte Studien über den Ablauf der Kälberaufzucht bei Bauern gibt. Von Studien aus den USA, Neuseeland, Argentinien abgesehen, sind mehr als 3 Dutzend Studien und Dissertationen in diesem Bereich allein europaweit in den letzten 13 Jahren veröffentlicht worden. Die Letzte ist eine kooperative Publikation der Universitäten Toulouse und Nantes vom April 2016. Ich selbst war an einer Studie über dieses Thema im Jahre 2010 beteiligt und arbeite seit einigen Jahren als selbständiger praktischer Tierarzt in der Rindermedizin. Ihre Aussage ist also falsch. Drittens ist der Leserbrief von Frau Lengger alles andere als gut recherchiert. Es wurden falsche Aussagen mit gefährlichem Halbwissen kombiniert. Verstehen sie mich nicht falsch. Die Weidehaltung ist eine sehr gute Sache und hat viele Vorteile, aber auch Nachteile, die jedoch weder von ihnen, Herr Dr. Hoffmann, als auch von Fr. Lengger genannt wurden. Klauenprobleme treten auch bei der Weidehaltung auf, wie dem Panaritium, das nachweislich gehäuft im Sommer bei Weidehaltung vorkommt. Auch bei der Weidehaltung werden Rangkämpfe ausgefochten, nur dauern diese viel kürzer an, weil das unterlegene Tier mehr Platz zur Flucht hat. Auch dazu gibt es Studien zuhauf. Was die Kälberhaltung in „Einzelhaft“ anbelangt so geht das Überleben von Kälbern immer vor einer Sozialisierung, denn die ersten 3 Lebenswochen sind für Kälber egal welcher Haltungsform -auch in der Mutterkuhhaltung-sehr gefährlich. Es treten z. B. viermal mehr Nabelentzündungen bei Kälbern in Gruppenhaltung auf, als in Einzelboxen. Zudem ist die Ausbreitung bzw. die Reinfektion von Durchfallerkrankungen in einer Gruppenhaltung viel höher als bei einzeln gehaltenen Tieren; genauso verhält es sich bei der enzootischen Lungenentzündung. Für all meine Aussagen gibt es eine Vielzahl von Studien (Lancaster und Walls, University of Toronto Juli 2016). Zum Schluss möchte ich auch Fr. Lengger bitten, sich besser und fundiert zu informieren, bevor sie einen Leserbrief verfassen, in dem Angaben gemacht werden, die mit beweisbaren Tatsachen auf wissenschaftlicher Basis nichts zu tun haben. Und bitte, warum kritisieren sie eigentlich einen landwirtschaftlichen Betrieb von der Ferne durch ein paar abgedruckte Bilder, anstatt sich ein persönliches Bild zu machen? Für mich unverständlich. 

Marcel Berndt praktizierender Tierarzt, Weyarn



Werden Haustiere art- gerecht gehalten, Kinder altersgerecht betreut?; Welche ist die beste Form der Tierhaltung?; Leserbriefe 26. und 22. September



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