Europäische Gepflogenheiten

Erdogan versteht nur eine Sprache; Leserbriefe 27. April

Die Türkei leugnet Genozid an armenischen Christen. Mit seinen fast schon hysterisch zu bezeichnenden Ausfällen und Drohungen gegen jedermann, der an den vor 100 Jahren geschehenen Völkermord der „Jungtürken“ erinnert, dem etwa 1,5 Millionen armenische Christen zum Opfer fielen, zeigt der neue „osmanische Sultan“ Recep Tayyip Erdogan wieder einmal, dass er ein „spezielles beziehungsweise eigenartiges Verständnis für politische und historische Zusammenhänge und Ereignisse“ hat, die keinesfalls europäischen Gepflogenheiten entsprechen. Wenn sich der türkische Staatspräsident wegen der Bezeichnung „Völkermord“ düpiert fühlt und deshalb die Botschafter europäischer Staaten in sein Außenministerium einbestellt, und auch das Europaparlament beschimpft, weil dieses bereits 1987 das Massaker an den christlichen Armeniern als Genozid bezeichnete, dann wird deutlich, dass Präsident Erdogan noch einiges an europäischen Gepflogenheiten lernen muss, über die nicht wie in einem Bazar verhandelt werden kann. Eine Geschichtsklitterung steht auch einem Despoten nicht zu. Wer mehr über den vor 100 Jahren stattgefundenen Völkermord an den armenischen Christen wissen möchte, dem ist Franz Viktor Werfels 1933 erschienener, historischer Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ zu empfehlen.

 Jürgen Engelhardt Stephanskirchen

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