Danke, Fahrrad-Engel

Hilfsbereite Radfahrerin

Vielen Dank, lieber Fahrrad-Engel! Jeden Morgen im Sommer stellt sich vor dem Kleiderschrank die gleiche Frage: Jeans, Sommerkleid oder Schlabberhose? Mountainbike oder Damenrad? Ich habe mich vorgestern für die ungünstigste Variante entschieden: Schlabberhose und Mountainbike. Wird schon gut gehen. Bis sich mein rechtes Hosenbein zum ersten Mal in der Kette verfängt. Zurückfahren? Hose wechseln? Fahrrad tauschen? Ach was! Stoff hochkrempeln, zusammenknoten, weiterfahren. Ich sehe aus wie Windel-Winnie. Dieses Mal komme ich ein Stück weiter – bis zur Ludwigsbrücke, als mein Fahrrad abrupt stehenbleibt und ich nur mit Glück einen Sturz verhindern kann. Nun hat es mein linkes Hosenbein erwischt: Es hat sich gnadenlos mit der Kette, dem Hinterrad und der Bremse verknotet. Ich klettere vom Rad, halb nackt stehe ich nun da. Verdammt. Ich ziehe, zerre, reiße. Erst noch ruhig, aber mit dem wachsenden Gefühl mich in einer ausweglosen Situation zu befinden werde ich immer ungeduldiger. Blöd grinsende Fahrradfahrer überholen mich, wohl heilfroh, selber nicht in meiner Lage zu stecken. Ich überlege Alternativen, es gibt nicht viele: Hose ausziehen und im Slip zur Arbeit fahren. Oder Hinsetzen und Heulen. Ich bin kurz vorm Verzweifeln. Aber dann kommt er: mein Fahrrad-Engel in Form einer jungen Frau. Ganz spontan und ohne zu überlegen bleibt sie stehen. Mit gemeinsamen Kräften versuchen wir mich aus der misslichen Lage zu befreien. Nach einiger Zeit schaffen wir es tatsächlich irgendwie den Stoff zu lösen. Die Hose ist ruiniert. Aber ich bin frei. Noch bevor ich mich richtig bedanken kann, fährt mein Engel auch schon wieder davon. Mit ölverschmierten Händen. 

Melanie Dejon München

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