Kein unbegrenztes Wachstum

Ulrich Lobinger: Schmid: Nicht um jeden Preis bauen; München 13. Oktober

Es ist erfreulich, dass mit Bürgermeister Schmid endlich ein Politiker die Sorge vieler Bürger, dass München zubetoniert wird, zumindest anspricht. München und sein Umland sind seit Jahren im Wachstumsfieber. Die Infrastruktur, ob bei Verkehr, Schulen oder Sozialeinrichtungen ist am Rand ihrer Kapazität, die Umweltqualität sinkt und trotzdem sollen dem Wohnungsbau auch die letzten Freiflächen geopfert werden. Ein noch so großer Wohnungsbau kann aber die Wohnungsnot nicht beseitigen, wenn gleichzeitig der Zuzug unvermindert weiter geht. Es ist wie der Wettlauf des Hasen mit dem Igel. Nur ein Bremsen bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen und eine restriktive Ansiedlungspolitik, die nicht bei jedem neuen Möbelhaus Hurra schreit, können den Druck vermindern. Die Bürger haben in mehreren Abstimmungen (Olympiabewerbung, dritte Startbahn, Ikea-Ansiedlung und zuletzt beim Schlachthof in Aschheim) gezeigt, dass sie ein unbegrenztes Wachstum nicht wollen. Vielleicht sollten die Münchner Politiker und die ehrgeizigen Vorortbürgermeister dies begreifen, ehe neue politische Formierungen den Bürgerwillen aufgreifen. 

Dr. Helmut Bröll München

Der Mangel an günstigem Wohnraum gehört zu München wie Bier und Brezen. Hervorgegangen aus einer jahrzehntelang favorisierten, leider kurzsichtigen und unausgewogenen Wachstumspolitik für München. Knappheit und hohe Mieten werden seither regelmäßig wiederkehrend beklagt. Ebenfalls regelmäßig wiederkehrend folgt die Forderung schlauer Köpfe, Abhilfe durch mehr Wohnungsbau zu schaffen. Ein Irrweg! Will man denn nicht aus der Geschichte lernen? Schon seit Jahren weist München mit Abstand die höchste Bevölkerungsdichte aller deutschen Großstädte aus. Die kritische Größe ist längst überschritten und die Folgen wie Verkehrsinfarkt, weniger Raum für Vereine und Privatinitiativen, Personalmangel in Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, Kindergärten und Schulen sowie hohe Lebenshaltungskosten sind für einen großen Teil der Bevölkerung tagtäglich zu ertragen. Allein auf Konzentration und Wachstum zu setzen, bedeutet Abnahme der Lebensqualität und des Lebensstandards. Was muss noch sein, um vor-, anstelle nachzudenken? Entscheidern und Wachstumsanhängern empfehle ich, ihre Kompetenz zu erweitern und sich mit aufschlussreichen Untersuchungsergebnissen des Wachstumsforschers und Staatswissenschaftlers Prof. Dr. Leopold Kohr und mit dem Simulationsmodell für Entwicklungen in Ballungsräumen von Prof. Dr. Frederic Vester zu befassen. Die Wachstumsideologie aufzuweichen kann München und seiner Bevölkerung nur guttun. 

Horst Münzinger München

Sehr geehrter Herr Schmid, manchmal ist München ein Dorf und in einem lebendigen Dorf lebt es sich um so besser, je lebhafter der Dorftratsch die Menschen im Dorf verbindet. Natürlich habe ich schon mitbekommen, dass Sie zur Zeit einen sehr kräftigen bürgerschaftlichen Druck aus Trudering aushalten müssen. Nun ist Trudering noch viel mehr Dorf im kleinen als München im Großen und dann ist Trudering quasi auch noch CSU-Stammland. Da bringt dann eine Unnützwiese – was für ein interessanter Name das doch ist – eine besondere Bedeutungsschwere mit sich. Zum Trost: Die Münchner SPD hat in Milbertshofen mit der Problem-Kombination „Letzter Bolzplatz im Viertel & Wohnen für alle“ auch eine unangenehme „Wir und die Bürgerinnen und Bürger“-Situation zu handhaben. Nun plädieren Sie als zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt München tatsächlich für mehr Augenmaß beim Wohnungsbau auf den letzten grünen Freiflächen in unserer Stadt? Fein. Wenn Sie jetzt aber als Münchner Referent für Arbeit und Wirtschaft noch den Problem-Zusammenhang erkennen könnten, wie die Werbung in aller Welt für Firmen-Ansiedelungen in München und Ihre Unterstützung für eine dritte Startbahn beim Münchner Flughafen unsere immer beengendere Lage in München – Stadt und Region – immer noch weiter steigert, dann kämen Sie einer bemerkenswerten Wirklichkeits-Wahrnehmung stetig näher. Als Münchner Stadtrat hatten Sie im Jahr 2011 in der Rathaus-Vollversammlung zusammen mit vielen anderen Stadträtinnen und Stadträten mit dafür gestimmt, dass auf dem Gelände der Kronprinz-Rupprecht-Kaserne das Forschungs- und Innovations-Zentrum von BMW erweitert werden kann. Mit dieser eigenartigen Entscheidung verschwanden die bis dahin für dieses Kasernen-Areal vorgesehenen 1.400 Neubauwohnungen aus der Stadtentwicklungs-Planung der Landeshauptstadt München. Wann treffen Sie wieder einmal Frau Klatten, die BMW-Hauptaktionärin? Sei es im Kreativquartier oder andernorts: Richten Sie ihr doch bitte meine aufmerksamen Grüße aus und fragen Sie sie für mich, ob sie sich schon einmal überlegt hätte, mit ihren jährlichen BMW-Dividenden in Höhe von 600 000 000 bis 800 000 000 Euro in den innovativen Werkswohnungsbau im Münchner Norden rund um das BMW-Werk zu investieren. Dafür bekäme sie sehr schnell die Medaille „München leuchtet“ in Platin und ich würde es ihr auch von Herzen gönnen. Wir werden übrigens nur gemeinsam mit den 1 500 000 Münchnerinnen und Münchnern diese Entwicklungs-Zukunft „München 2030 - die Stadt für 1 800 000 Menschen“ gut hinbekommen können. 

Herbert Gerhard Schön Johanneskirchen

Was mittlerweile weite Kreise in der Münchner Bevölkerung umtreibt, wird nun endlich zu einem hoffentlich gewichtigen Thema der Stadtpolitik. Wer sich mit dem komplexen Thema des Wohnens in der Großstadt München beschäftigt, der sollte darin ganz selbstverständlich auch die Umstände des Lebens in der Stadt eng mit einbeziehen. Die Menschen wollen nicht nur wohnen, sie haben auch ein Anrecht auf ein artgerechtes (humanes) Leben in unserer Stadt. Dazu gehören ausreichende Grünflächen zumindest für eine Kurzzeiterholung, gesunde Umweltbedingungen (Luft, Wasser), Schulen und ausreichende soziale Betreuungseinrichtungen aller Art, verlässliche und ausreichende Angebote im ÖPNV und bezahlbare Kultureinrichtung, eben die heute notwendigen Infrastrukturen für ein lebenswertes Stadtleben. Wenn unser OB in München auf biegen und brechen die Errichtung von mindestens 10 000 Wohnungen jährlich zu seiner obersten Priorität erklärt, dann graust es mich, wie eines Tages unsere Stadt mit Herz ausschauen wird. München steckt in einem aussichtslosen Verkehrs- und Parkchaos, die Atemluft ist an besonderen Brennpunkten längst gesundheitsgefährlich und der Verkehrslärm belastet unzählige Bürger in ihrem Heim und auf der Straße in unerträglicher und beängstigender Weise. Hat unsere politische Stadtspitze (oder Teile davon) überhaupt eine konkrete Vorstellung davon, wie unsere schöne Stadt schon in zehn oder 15 Jahren ausschauen soll? Nur bauen auf Teufel komm raus (auch in unschöner Billigbauweise) auf jedes freie Plätzchen, in Hinterhöfen, Gärten, auf Grün- oder landwirtschaftliche Flächen und sonst wo – nach oben hin und in die Breite – darf nicht die Zukunft bestimmen. Warum soll und muss München partout möglichst kurzzeitig so stark anwachsen und immer weiter verdichtet werden? Mit welchen Menschen, woher dies denn und in welchen Dimensionen will unser OB unsere Stadt so schnell wie möglich beglücken? In dem immer noch dörflich erscheinenden Feldmoching allein bestehen beispielsweise konkrete Baupläne für absehbar mehr als 4000 Neubauwohnungen. Damit wird sich die heutige Stadtteilbevölkerung in absehbarer Zeit etwa verdoppeln. Wer sollte sich angesichts dieser Aussichten nicht ängstigen und Fragen stellen? Wenn sich nun endlich aus dem Rathaus mahnende Stimmen (mir ist hier die Partei egal) gegen diesen bewussten Bauwahnsinn zu Wort melden und den Wohnungsbau um jeden Preis verträglich stoppen wollen, dann dürfte es dafür höchste Zeit sein. Ob dafür jedoch eine Mehrheit im Stadtrat zu gewinnen ist, wird sich hoffentlich in naher Zukunft erweisen. Noch könnte Vernunft einkehren, noch ist eine geordnete und verträgliche Umkehr zum Wohle unserer schönen Stadt München möglich, in etwa zehn Jahren und danach dürften dann alle Chancen versäumt sein. Aber, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 

Reinhard Krohn München

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