Pension und Rente sind nicht zu vergleichen

Wolfgang Deponte: Rentner haben das Nachsehen; München 9. August

Warum müssen Sie den schon ohnehin großen Unfrieden in unserer Bevölkerung wegen der Flüchtlinge durch die hinlänglich bekannte Neiddebatte Renten/Pensionen noch weiter anheizen? Pensionen und Renten lassen sich nicht oder nur schwer vergleichen (Alimentationsprinzip), insbesondere wenn man nur einzelne Aspekte hervorhebt. Jeder Deutsche hat die Möglichkeit, wenn er die entsprechenden schulischen Voraussetzungen mitbringt und die erforderlichen Prüfungen ablegt, Beamter zu werden. Warum suchen Bundeswehr und Polizei dringend Anwärter? Warum ist für viele gut ausgebildete junge Leute der Beamtenstatus nicht attraktiv? Die relativ gute Altersversorgung ist zwar ein Anreiz, wird aber mit einer Reihe von Nachteilen erkauft. Das Gehaltsniveau auf dem Arbeitsmarkt ist gerade am Anfang einer Karriere deutlich höher, außerdem hat ein Beamter Pflichten und unterliegt Zwängen, die ein Arbeitnehmer in der Wirtschaft nicht hat. Als ich 1966 vom Angestellten- in den Beamtenstatus wechselte, verdiente ich sofort 25 Prozent weniger. Der Kommentar meines damaligen Vorgesetzten dazu wörtlich (ist mir gut in Erinnerung): „Warum sind Sie so blöd und sind Beamter geworden“. Nach 43 Berufsjahren erhalte ich eine Pension, mit der ich gut leben kann, aber meinen Freunden, die bei Siemens beschäftigt waren, steilen sich nicht schlechter.

 Horst Kotschi München

Ihr Vergleich zwischen Beamtenpensionen und Renten enthält einen systematischen Fehler. Falsch ist die Aussage, dass ein Angestellter nach 45 Beitragsjahren 48 % seines letzten Gehalts als Rente bekommt. Die Bezugsgröße (100 %) ist in diesem Fall nicht das letzte Gehalt des Versicherten, sondern das Durchschnittsgehalt aller Versicherten, in dem zum Beispiel auch Gehälter von Auszubildenden und Berufsanfängern einbezogen sind. Richtig ist, dass bei der Berechnung der Rentenhöhe nicht das letzte Gehalt maßgebend ist, sondern jedes Beitragsjahr nach Beitragshöhe (Renten-Punkte) gesondert gewertet wird. Ein Angestellter mit normaler Berufs-Biografie kann bei der Rente kaum über 40 % seines letzten Gehalts kommen. Dagegen bekommt ein Beamter, sofern er nicht vorzeitig Pension geht, in der Regel 72 % seines letzten Gehalts. Beim Vergleich der Durchschnittseinkommen zwischen Rente und Pension müsste erwähnt werden, dass im Gegensatz zur Pension die Rentenhöhe aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze nach oben begrenzt ist. 

Heinrich Almstätter Puchheim

Leider haben viele der im Artikel ihres Redakteurs zitierten Zahlen mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Als verheirateter Pensionär in der Endstufe des gehobenen Dienstes steht mir und meiner Ehefrau zusammen netto gerade mal der Betrag zur Verfügung, den Herr Deponte Paaren pro Kopf zurechnet. So viel zum Wert von Statistiken und dem im Artikel aufgeführten Zahlenmaterial. Hier arbeitet sich also jemand wieder einmal am Vergleich von Äpfeln und Birnen bzw. von Angestellten- und Beamtengehältern bzw. Pensionen ab. Hauptsache, wir können die Neiddebatte am laufen halten. 

Fritz Geyer München

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