Dem Gegenüber ins Gesicht sehen

Recht auf totale Verhüllung?; Politik 19. August

Burka, Burkini und Co. – was soll denn der ganze Zirkus? Ich möchte in meinem Kulturkreis jedem Menschen offen und frei ins Gesicht schauen können. Mit ihm reden, lachen und notfalls auch weinen können. Weibliche Schönheit, gleich welchen Alters, liegt doch immer im Auge des Betrachters. Oder müssen die Männer ihre Kinder schon und Frauen vor fremden Männer verstecken? Warum? 

Max Spiegl München 

Nach einem sehr frühen Termin wollte ich im Frühjahr in einem Café auf der Maximilianstraße in München ein kleines Frühstück zu mir nehmen. Aus dem Hotel Vierjahreszeiten/Kempinski kamen zirka 20 Araber, alle pechschwarz gekleidet und setzten sich ebenfalls in das Café. Mir direkt gegenüber war der Tisch mit fünf Frauen, alle in Burka. Ich nahm einen Schluck von meinem Cappuccino und in dem Augenblick schauten mich fünf Augenpaare aus dem Burkaschlitz an, es erinnerte mich eher an Filme, in denen Wölfe einen ins Visier nehmen. Ich habe gezahlt und bin gegangen und dachte mir, das ist nicht mehr meine Heimatstadt, hier fühle ich mich nicht mehr wohl. Ich betrachte es als eine Respektlosigkeit, in ein fremdes Land zu kommen und die Sitten des Gastlandes derart zu ignorieren und dass wir deswegen diese Diskussion benötigen, weil arabische Gäste diesen Respekt vermissen lassen. Das ist auch nicht fremdenfeindlich, weil ich genauso wenig das Verhalten betrunkener Deutscher oder Engländer in Mallorca toleriere. 

Michael Forster München 

Bei der Verschleierung handelt es sich nicht nur um religiöse Vorgaben. Der Macho Mann verbietet der Ehefrau, fremden Männern das Gesicht zu zeigen. Das habe ich bei einem Besuch auf der Zugspitze erkennen können. Mir gegenüber saßen zwei Paare, eine Frau ohne und eine Frau mit Gesichtsschleier. Es war sehr warm im Lokal. Als einer der Männer kurz das Lokal verlies, nahm sie ihren Gesichtsschleier ab, um sich mit der Speisekarte Luft zu wedeln. Kurz darauf kam der Mann zurück und befahl der Frau mit sehr eindringlichen und lauten Worten, den Schleier wieder zu verwenden. Wenn es religiös wäre, hätte die Frau den Schleier nicht abgenommen. Es war ersichtlich der Wille des Mannes. Gleichberechtigung ist anders. Wir alle in Europa sind es gewohnt, unserm Gegenüber ins Gesicht zu schauen und darin zu lesen. Gerade in den unsicheren Zeiten, die wir jetzt erleben, möchten wir wissen, wer uns gegenüber steht. In der Schweiz und in Frankreich funktioniert das doch auch. Wir haben ein Vermummungsverbot. Warum greift das hier nicht?

 Karl Thomasser München

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sündhaft teure Alternative

Christian Deutschländer: Besser für Bayern; Kommentar 27. September
Sündhaft teure Alternative

Taten liefern, liebe CSU!

Christian Deutschländer: CSU rechnet mit Merkels Minister de Maizière ab; Politik 22. September
Taten liefern, liebe CSU!

Kampfzone zwischen Gut und Böse

Dirk Ippen: Viel Lob für deutsche Flüchtlingspolitik; Kolumne Politik 24./25. September
Kampfzone zwischen Gut und Böse

Merkel und die Flüchtlinge

Georg Anastasiadis: Noch eine Rolle rückwärts; Kommentar 26. September
Merkel und die Flüchtlinge

Kommentare