Die eigenen Wurzeln unwiederbringlich aufzugeben ist unmöglich

„Doppelpass wird Wahlkampf-Thema“; Politik 20. Februar

Seit Juli 1995 wohne ich in Deutschland. Fast so lange wie ich in Bayern wohne, arbeite ich hier und zahle meine Steuern. Genauso lange bin ich mit einem Deutschen verheiratet. Ich beteilige mich rege in unserer Gesellschaft und habe in verschiedenen Organisationen, Vereinen und Gremien verantwortliche Positionen inne. Und auch schon so lange ich in Deutschland wohne, ärgert es mich, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft hier nicht, kaum oder sehr beschränkt möglich ist. 1999 empfand ich es als einen Höhepunkt der Überheblichkeit, als diese Diskussion unter dem Vorwand „für Integration“ zur doppelten Staatsbürgerschaft geführt wurde. Ich bin Belgierin und bin darauf stolz. Aber ich möchte auch gerne Deutsche sein, nicht ausgeschlossen werden von Landtags- oder Bundestagswahl. Möchte als ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft nicht für verschiedene Jobs ausgeschlossen werden oder für ehrenamtliche Tätigkeiten wie z.B., als Jugendschöffe kandidieren zu dürfen. Die Aussage, „Mehrstaatlichkeit widerspricht der Integration“, sehe ich für mich deutlich widerlegt. Mich zwangsläufig zwischen zwei Staatsangehörigkeiten entscheiden zu müssen, kommt mir in Europa nicht nur antiquiert vor, es wäre für mich auch ein Verrat an meinen Eltern, Geschwistern und an meiner Heimat. Ich möchte mich zu Deutschland bekennen, ich bekenne mich gerne zum Grundgesetz, möchte und kann dafür aber meine Wurzeln nicht lösen. Ich könnte mir vorstellen, meine belgische Staatsangehörigkeit für die Zeit, in der ich in Deutschland wohne, ruhen zu lassen, abzulegen. Aber meine belgische Identität für immer unwiederbringlich abzugeben, kriege ich nicht übers Herz.
Martine Driessen
Dorfen

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