Sehnsucht nach einem starken Führer

Bei der angeregten Diskussion um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scheint mir ein wichtiger Gesichtspunkt vernachlässigt zu werden: Das türkische Wahlvolk!

Erdogan ist ein in freien demokratischen Wahlen gewählter Präsident. Er ist auch bei in Deutschland lebenden Türken sehr beliebt. Und es ist zu beobachten, dass Erdogans Popularität im gleichen Maße steigt, wie er mit religiösem Eifer für eine mächtige Türkei gegen Europa im Allgemeinen und gegen Deutschland im Besonderen agitiert. Je einfacher seine populistischen und patriotischen Parolen, die eine schnelle Lösung komplizierter Probleme versprechen, umso höher die jubelnde Zustimmung seitens vieler Türken zu dieser nationalistischen ausschließenden Politik. Wer also müsste tatsächlich in die Schranken verwiesen werden? Wir haben es in der Türkei mit einem weltweit zu beobachtenden dramatischen Anstieg fundamentalistischen Denkens zu tun, das wir momentan in allen Weltreligionen, Ideologien und vielen Nationen (auch in Deutschland) beobachten müssen. Wie auch die ebenso verbreitete Sehnsucht nach einem starken Führer: Putin (Russland), Lukaschenko (Weißrussland), Orban (Ungarn), Kaczynski (Polen); Le Pen (Frankreich) und Trump (USA) sind nur einige Beispiele. Die Blindheit und die Verbohrtheit solch unterwürfigen Verhaltens des Wahlvolkes sind sehr bedenklich. Sie haben deshalb so verheerende Auswirkungen, weil sie das kritische Hinterfragen eigener Motive nicht mehr zulassen. Wir Deutschen können ein Lied davon singen. 

Egon Weiß Fraunberg 

Die Aufregung über die Reaktion des türkischen Staatspräsidenten Erdogan ist in Deutschland groß. Man verwehrt sich besonders gegen Hinweise auf das Verhalten Deutschlands im Dritten Reich. Dabei hat man mit der Armenien-Resolution ebenfalls auf Vorgänge vergangener Zeit zurückgegriffen. Die heutige Bevölkerung der Türkei ist für die Verbrechen vor hundert Jahren so wenig schuldig wie die Bevölkerung Deutschlands für das Unrecht in der Nazi-Vergangenheit. Woher hat der Deutsche Bundestag überhaupt das Recht, über Gut und Böse bei anderen Völkern zu richten? Er ist zuständig für Deutschland, sonst für kein weiteres Land. Es gibt in der Welt genügend Probleme. Man muss sich nicht noch selbst neue schaffen. Es gab keine Veranlassung, dass der Bundestag die Geschehnisse von damals verurteilt, so schlimm sie gewesen sind. Es war nur irgend eine Wahnidee im Stil von „Deutschland, Deutschland über alles“, auf die auch sonst besonnene Leute hereingefallen sind. Wann werden andere Völker für Untaten verurteilt, zum Beispiel die USA für den Abwurf der Atombomben vor 71 Jahren mit Folgen bis heute? 

Adalbert Mayer Weilheim

Alles Schimpfen nutzt doch nichts. Ich hatte vor, dieses Jahr durch Kappadokien zu reisen. Das werde ich aber aus Protest nicht tun. Ebenso sollten alle Mitbürger von einem Türkeiaufenthalt Abstand nehmen, solange dieser selbsternannte Sultan Erdogan sein Land terrorisiert und seine Landsleute gegen Deutschland aufhetzt. Für die vielen netten türkischen Menschen, die ich in der Vergangenheit kennen- und schätzen lernen durfte, tut es mir leid, dass sie kein Geld mehr verdienen können. Aber, nur sie haben es in der Hand, diesen Despoten davonzujagen, sodass wieder friedliche geordnete Verhältnisse einkehren können. Ich werde dann sofort eine Gelegenheit ergreifen, um in diesem wunderbaren und gastfreundlichen Land wieder meinen Urlaub zu verbringen.

 Adolf Schmidt Grafing

Es wird immer unerträglicher, wie sich die türkische Regierung gegenüber Deutschland verhält. Das Flüchtlings-Abkommen funktioniert nicht, aber Deutschland lässt sich jede Schmähung und Beleidigung gefallen. Ich erwarte von der Bundesregierung, vor allem von Frau Merkel, eine deutlich härtere Haltung gegenüber Erdogan, der mit ihr spielt wie mit einer Puppe. Es wäre auch eine klare Ansage an die hier lebenden Türken angebracht. Wer die Demokratie hier nicht achtet, hat hier nichts zu suchen.

 Jutta Schweickert Germering



Sebastian Horsch: Deutsch-Türken laden Lammert aus; Politik 9. Juni, Erdogan in die Schranken weisen; Leserbriefe 10. Juni

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