Keine bäuerliche Landwirtschaft mehr

„Frontalangriff“ auf die Bauern; Titelseite, Claudia Möllers: Durch die Hintertür; Kommentar, Streit um die Tierhaltung; Bayern 25. August

Dass sich der Bauernverband über den Vorstoß von Frau Hendricks aufregt, gibt einem schon zu denken, ob sich diese Organisation nicht besser in Agrarindustrie- und Kolchosenverband umbenennen sollte. Es geht hier um Betriebsgrößen, die ab 600 Rindern, 15 000 Legehennen und 1500 Mastschweinen aufwärts für meine und bestimmt vieler anderer Begriffe rein gar nichts mehr mit bäuerlicher Landwirtschaft zu tun haben. Solche Wahnsinnsställe möchte ich als Bauer keinesfalls in meiner Nähe haben. Liebe Merkur-Redaktion, recherchieren Sie doch bitte mal in den neuen Bundesländern, wie viele solche Monsterbetriebe schon dichtgemacht haben. Der Betrieb in der Oberpfalz mit seinen 560 Milchkühen, den das Bayerische Fernsehen begleitet hat, gehört angeblich schon Müller-Milch, und es gibt nicht wenige Bauern, denen die vom Amt empfohlene Betriebsgröße über den Kopf gewachsen ist und die psychische Probleme haben, vor allem wegen der gigantischen Schuldenlast. Es kommt einem vor wie ein riesiges Enteignungsprogramm, denn man kann sich denken, in wessen Besitz solche Betriebe dann landen. Wenn ein junger Landwirt zum Amt geht und wegen einer Förderung für einen Stallneubau für 40 Kühe plus Nachzucht anfragt, kann er, wie mir berichtet wurde, froh sein, nicht ausgelacht zu werden. Hier, lieber Herr Müller vom BBV, wäre viel für die von Ihnen so hochgehaltene bäuerliche Landwirtschaft zu erreichen. 

Georg Berwanger Großpienzenau

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft hängt nach Einschätzung des Bauernverbands also von der Größe des Saustalls ab. So wird´s uns halt auch immer eingetrichtert – groß ist rational, ist ökonomisch sinnvoll. Was in Teilen der Industrie erfolgreich war, muss auf Biegen und Brechen auch in der Landwirtschaft erfolgreich werden. „Schließlich werden wir immer mehr. Bald müssen wir 10 Milliarden Menschen ernähren. Und Lebensmittel müssen günstig sein und bleiben, damit wir uns auch noch was anderes leisten können.“ So argumentierte ein Junglandwirt an unserem Infostand zu TTIP und Ceta. Die Abschlussfahrt der Landwirtschaftsschule führte ihn nach Nordamerika, seine Augen glänzten, als er von seinen Erlebnissen dort berichtete. Doch zurück nach Deutschland: Aktuell bezahlt das Deutsche Milchkontor (DMK), die größte deutsche Molkerei, den Bauern für einen Liter Rohmilch 20,24 Cent. Die Geflügelzüchter sind moderne Leibeigene von Wiesenhof und über die Zustände in deutschen Schlachthöfen, wo osteuropäische Leiharbeiter als Scheinselbstständige nur einen Bruchteil des gesetzlichen Mindestlohnes erhalten, wurde ebenfalls schon umfassend berichtet. Der kleine Bauer muss „wachsen oder weichen“ – die alte Parole der obersten Bauernvertreter – auch wenn die das so nicht mehr öffentlich sagen. Heute sieht der Bauernverband große Chancen in Nordamerika für landwirtschaftliche Produkte aus Bayern. Und gegenüber Umweltverbänden und manchen Parteien wird weiter ein Feindbild gepflegt, auch wenn deren Vorschläge gut für die bayerische Landwirtschaft wären. Das ist wirklich krasser als Satire. 

Rainer Forster Kirchberg

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