Gezielt helfen

Jetzt wieder also die Hilfen für die Milchbauern, wieder mit der Gießkanne verbritschelt, anstatt gezielt zu helfen.

Denn es wird nicht unterschieden zwischen einem Bauern, der seinen Familienbetrieb führt und noch selbst melkt und einem Agrar-Großbetrieb (Fabrik), in dem der Betriebsleiter am Schreibtisch sitzt und die Melkarbeit von Angestellten erledigt wird. In diesen Großbetrieben wird nur nach möglichst großem Profit getrachtet, egal wie öd und eintönig die Landschaft dann ist. Ein bäuerlicher Betrieb mit kleiner Struktur pflegt aber auch die Landschaft, in der wir Verbraucher leben, ohne ständig ans Geld zu denken. Vor allem im Alpen- und Voralpenraum leben viele auch vom Tourismus, der nur wegen die besonderen Landschaft kommt und nicht wegen Tierfabriken. Soll dieser schöne Lebensraum der Profitgier einiger weniger zum Opfer fallen? Es muss bei Zuschüssen endlich ein Unterschied zwischen Bauern und Industriellen gemacht werden.

Hildegard Fleidl Steinhöring

Die Absicht der Machthaber ist, alles auszuschalten, was den Menschen frei und unabhängig macht. Das richtet sich vor allem gegen unsere Bauern. Die freie Landwirtschaft liegt nicht in der Absicht der Initiatoren. Die Landwirte erhalten so viel Vorschriften, Auflagen und Druckmittel, dass diese für viele nicht mehr zu stemmen sind. Gezielt sollen unsere Landwirte ausgeschaltet werden, um auf industrielle Produktion umzustellen. Die amerikanischen Großkonzerne erhalten so noch mehr Macht. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden in Bauland umgewandelt. Das ist das Ende unserer bayerischen Kulturlandschaft, unserer schönen Heimat. Ich bin sicher, dass wir eines Tages froh sind oder wären, Milch und Lebensmittel vom Bauern aus eigener Produktion zu bekommen.

Bärbel Müller Bayrischzell

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt wird nicht müde, zu betonen: „Bauern und Molkereien müssen sich selbst auf eine Mengensteuerung einigen!“ und „Auch die kleineren Familienbetriebe sollen erhalten bleiben!“ Wie tickt bzw. denkt dieser Mann? Wir haben nun mal eine Überversorgung (Selbstversorgungsgrad von über 100 %), da hilft das ganze Gerede von Regionalität nichts. Der Staat trägt auch Mitschuld an der Überproduktion. Ich kenne keinen Bauern, der nach einem staatlich geförderten Stallbau weniger erzeugt als zuvor – weil er es sich auch nicht leisten kann. Dies wird dann mit dem Tierwohl begründet. Weiß man es sicher? Ob sich ein Rindvieh, welches sein ganzes Leben lang auf Stroh und Beton eingesperrt ist und Tag für Tag den gleichen Einheitsfraß vorgesetzt bekommt, wohler fühlt, als die Kuh welche in einem Anbindestall gehalten wird und sechs Monate auf die Weide gehen kann und genüsslich im Gras liegt? Betriebe werden mit immer neuen Verordnungen und Vorschriften konfrontiert, welche kleinere Betriebe oft nicht mehr einhalten können, und so still und leise zur Aufgabe gezwungen werden. Um die Übermenge an Milch loszuwerden, haben viele Bauern in der Vergangenheit auch schon mal ihre Milch vernichtet. Das dürfen sie nicht! Von Politik und Berufsvertretung wird uns immer wieder gesagt, der Verbraucher wäre bereit, mehr zu bezahlen. Was hilft es? Der Milchpreis würde wahrscheinlich steigen und angesichts dieser Tatsache auch die Produktion. Unser Milchpräsident Felßner sagte im Merkur vor einigen Wochen: „Algerien und Nordafrika waren der größte Kunde Europas für Milchpulver, diesen Markt hat nun Amerika übernommen.“ Konnte Europa nicht mehr liefern, lag es an der Qualität oder war es der Preis? Jetzt werden überall Schuldige gesucht: Russland, China, Molkereien, Einzelhandel, die Bauern selbst. Schuld ist der Bauer (Angebot), welcher zu viel erzeugt, und der Verbraucher (Nachfrage), welcher zu wenig konsumiert. Das ist der Markt! Aber ich will ja nicht undankbar sein, jetzt bekommen wir mal 100 Millionen plus x Euro. Bin gespannt, mit welcher Gießkanne dieses Geld verteilt wird. Eine Lösung ist es aber garantiert nicht, uns Bauern wird es aber als große Errungenschaft verkauft.

 Johann Geiger Holzhausen

Wir haben einen schönen Bauernhof mit 25 Kühen 35 Stück Jungvieh bei 27 Hektar Wiesen und Felder. Diese Größenordnung ist leider nicht mehr gefragt. Der Bauernverband veranstaltete dieses Wochenende Tage des offenen Hofes zwischen Isen und Sankt Wolfgang bei drei großen Höfen, einer mit 130 Kühen, erweiterbar bis 180. Ich werde meinen Bauernverbandsbeitrag kündigen. Ich sehe nicht ein, dass ich solche Veranstaltungen mitfinanziere.

Martin Loidl Buch

Es ist ja alles durchaus richtig, was Sie in Ihrem Kommentar schreiben, doch es wird fast nichts nützen, wenn wir keine Systemwende - und dazu gehört auch das Bodensystem - hinbekommen. Das Gescheiteste was meines Erachtens zurzeit die Bauern tun könnten, wenn sie nach dem Motto handeln: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“ Dies haben die allermeisten Bauern im Tegernseer Tal vorbildlich hinbekommen, im dem man die Naturkäserei Tegernseer Land eG, Kreuth am Tegernsee, gegründet hat! Von diesen Bauern, die sich einer tierfreundlichen und gesunden Wirtschaftsweise unterworfen haben, bekommen die Molkereien keinen Tropfen Milch mehr und inzwischen ist diese Käserei alles andere als nur ein hochmoderner Fertigungsbetrieb. Ich kann Ihnen deshalb nur empfehlen, denen einmal am Wochenende einen Besuch abzustatten, denn Sie glauben nicht, was dort für ein Betrieb herrscht und es sich die Gäste u.a. bei Kaffee und Kuchen sowohl innen wie außen gutgehen lassen! Siehe auch unter www.naturkäserei.de Fazit: Das könnte die Zukunft sein und nicht ein auf Abhängigkeit angewiesener Bauernhof! Auch hier gilt: Freiheit ist neben der Gesundheit unser höchstes Gut!

Axel C. Baumgart Rottach-Egern

Diese riesige Subvention ist eine schwachsinnige Idee auf Kosten der Steuerzahler, da haben offen sichtlich wieder welche Angst wegen den Wählerstimmen. Ist schon sehr eigenartig wie schnell da solche horrenden Summen locker gemacht werden. Ich würde gerne diesen Verteilerschlüssel sehen. Offensichtlich ist es ganz einfach, man baut einen riesigen Stall, stellt 100 bis 200 Kühe rein, macht einen Haufen Schulden, ist nicht weiter schlimm, weil dann der Steuerzahler dafür einspringt, Aber keiner kommt auf die Idee, das man vielleicht zuerst diesen riesigen Milchsee abbauen sollte, um einen vernünftigen Preis für den Liter Milch zu bekommen. Sollte dieses unsägliche TTIP-Abkommen von unseren Lobbyisten in Berlin abgezeichnet werden, dann kommt vielleicht auch noch die genveränderte Milch aus den USA zu uns. Die Verteiler denken sich, ist ja nur das Geld der anderen.

Nikolaus Ruml Markt Schwaben

Danke für die deutlichen Worte, Herr Vordermann. Jede staatliche Subvention ist als Eingriff in den Markt problematisch. Aber wenn man schon zu diesem Mittel greift, müssen die damit ausgelösten Fehlanreize möglichst vermieden werden. Wenn die Deutschen die Familienbetriebe in der Landwirtschaft erhalten wollen - und das will die große Mehrheit -dann kann man die Subventionierung nicht hauptsächlich an der Betriebsgröße festmachen, dann müssen die erwünschten Betriebe überproportional gefördert werden. Die Politik redet viel darüber und gemacht wird es nicht.

Peter P. Solloch Deining

Milchpreissubventionen - Planwirtschaft der Marktwirtschaft Bundesrepublik Deutschland, 1984. Die damalige EG (Vorgänger der EU) führt eine Quotenregelung ein, um die Milchproduktion in den Mitgliedsstaaten zu beschränken. Durch die Garantiemengenregelung wurde den Mitgliedsstaaten eine fixe Produktionsquote an Milch zugewiesen. In Deutschland wurde diese Quote an die milcherzeugenden Betriebe verteilt. Die Einhaltung der Quoten, wurde über die sogenannte Superabgabe geregelt. Lieferte ein Milchproduzent mehr Milch als er über Quoten verfügte, wurde er sanktioniert. Durch Anpassung des Angebots auf die Nachfrage, konnte der Milchpreis so über Jahrzehnte hinweg staatlich kontrolliert werden. Die Quotenregelung wurde schließlich mit der Reform der EU-Agrarpolitik am 1. April 2015 abgeschafft. Die Landwirte schafften in Folge mehr Vieh an und konnten somit mehr Milch produzieren. Doch die Globalisierung und die verbundenen Märkte machen auch vor der Agrarwirtschaft nicht halt. Überproduktionen und offener Handel setzen den Milchpreis unter Druck.

Viele Landwirte mussten im Zuge des Preisverfalls bereits aufgeben. Weniger Bauern – weniger Milch. Ein Trugschluss: Trotzdem es immer weniger landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland gibt, hat sich die Überproduktion an Milch durch die Globalisierung kaum verringert. Der Markt wird überschwemmt und der Preis sinkt weiter. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sucht auf dem Milchgipfel mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft nach Lösungen, während frustrierte Landwirte in Berlin händeringend nach einem höheren Milchpreis rufen. Doch was ist die Lösung der deutschlandweiten Milchkrise? Ein Paket aus finanziellen Soforthilfen, Bürgschaften und Steuererleichterung mit einem Volumen von 100 Millionen Euro soll den Bauern den größten Schmerz nehmen. Voraussetzung: Eine Kopplung der Hilfen an eine freiwillige Senkung der Milchproduktion. # Aber kann so der Verfall des Milchpreises gestoppt werden oder wird das Sterben der landwirtschaftlichen Betriebe damit nur verlangsamt? Christian Schmidt sagte, es sei nicht Aufgabe des Staates die Preise und Produktionsmenge vorzuschreiben. Der Schlüssel zur Lösung der Krise liege in den Händen der Bauern, der Molkereien und des Einzelhandels und er liege auch in den Händen der Gesetzgebung der Europäischen Union. Doch was kann die Europäische Union in einem globalisierten Markt, in dem alle zu viel produzieren noch ausrichten? Sollte der Staat oder die EU hier überhaupt regulierend eingreifen? Man sollte bei allem für und wider nicht vergessen, dass die Landwirte in Deutschland gerne nach marktwirtschaftlichen Regeln handeln wenn es gut läuft, aber auch gerne nach dem Staat rufen wenn es schlecht läuft. In einer globalisierten Welt verändern sich Strukturen. Was vor 30 Jahren bestand hatte, muss heute nicht mehr so sein. Letztlich hat es auch der Verbraucher in den Händen, mehr Geld zu bezahlen und Produkte zu kaufen, die einen höheren Preis für die Landwirte garantieren. Schon Adam Smith, Begründer der freien Marktwirtschaft sagte einst: „Politiker, lass die Finger von Regulierungen und einschränkenden Gesetzen, der Markt reguliert sich selbst.

Michael Schiefele Balzhausen



100 Millionen für die Milchbauern; Titelseite, Christian Vordemann: Eine Agrar- wende muss her!; Kommentar, Marcus Mäckler: „100 Millionen sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, Interview mit Wolfgang Scholz; Bayern 31. Mai

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