Mir tun die demokratisch gesinnten Menschen in der Türkei leid

Til Huber: Unser Problem; Kommentar, Erdogan – Diktator oder Demokrat?; Leserbriefe 19. Juli

Sehr geehrte Frau Kilic, natürlich haben sie in gewisser Weise Recht, dass wir Europäer mehr für die Befriedung der Kriegsgebiete im Nahen Osten tun müssten (zählen sie sich eigentlich zu Europa zugehörig?). Nicht weil es Muslime sind, sondern Menschen, die unter einem furchtbaren Terrorregime leiden, der angeblich im Namen des Islam handelt. Denn Opfer sind nicht nur Muslime, sondern auch Christen und andere Glaubensrichtungen. Dass alle Parteien in der Türkei den Putsch verurteilten, ist selbstverständlich und vor allem den Kurden hoch anzurechnen, die unter Erdogan durch dessen hartes Vorgehen gegen sie leiden müssen. Wer von uns Europäern sollte auf Erdogan neidisch sein?. Das Gegenteil ist wohl der Fall. In den letzten zwei Jahren war ich zwei Mal mit Reisegruppen in der Türkei(ein wunderschönes Land mit wundervollen, gastfreundlichen Menschen). Bei der ersten Reise traute sich der Reiseleiter im Bus offen über Politik zu sprechen. Er hob sogar die Wirtschaftspolitik Erdogans hervor, um danach über die zunehmenden Einschränkungen vor allem in Presse und Justiz zu klagen. Bei der Reise dieses Jahr äußerte sich der Reiseleiter nicht öffentlich auf politische Fragen. In einem persönlichen Gespräch mit mir sagte er wörtlich: Es herrscht in der Türkei eine Atmosphäre der Angst. Er schien ein Hellseher gewesen zu sein. Denn nach Erdogans Vorgehen gegen vor allem die Justiz und Presse („das Krebsgeschwür muss beseitigt werden“) werden alle, die gegen ihn sind, mundtot gemacht. Mir tun die demokratisch gesinnten Menschen in der Türkei leid. 

Ekkehard Barsekow Fürstenfeldbruck 

Auch wir – genauer gesagt unsere Vorväter sind einmal zu 50 % oder vielleicht noch mehr einem Diktator (sprich Staatspräsident oder noch genauer Reichsführer) nachgerannt. Dies haben wir glücklicherweise schmerzlich überwunden, leiden aber – wohl zu Recht – noch heute darunter. Die Türken sind jetzt dabei, den gleichen, bitteren Weg einzuschlagen. 

Hannelore Wilhelm München

Bemerkt denn niemand die Parallelen zwischen den Ereignissen in der Türkei und der Machtergreifung Hitlers 1933. Erdogan und Hitler wurden beide demokratisch gewählt und kamen so an die Macht. Beide versuchten und versuchen mit System, alle Macht an sich zu reißen. Hitler verhalf der Reichstagsbrand dazu, viele seiner Gegner auszuschalten und die Verfassung in seinem Sinne zu verändern. Genau so verfährt jetzt Erdogan. Und unsere Politiker? Die angeblich mächtigste Frau Europas, unsere Bundeskanzlerin, hat sich mit ihrer unglücklichen Flüchtlingspolitik und ihrem „Wir schaffen das“ in eine bedrückende Abhängigkeit von Erdogan begeben und ist erleichtert, dass dem kommenden Diktator der Türkei die Niederschlagung des Putsches gelungen ist. Der Putsch dieser demokratischen Kräfte in der Türkei wird streng verurteilt, während man in Deutschland die Erinnerung an den Putschversuch von 20. Juli 1944 jährlich mit Gedenkfeiern begeht. Verkehrte Welt und weit haben wir es gebracht mit unserer Bundeskanzlerin!

 Franz Streibl Dorfen

Tausende hier lebende Türken gehen mit einer Unmenge an türkischer Fahnen auf die Straßen und feiern den Sieg der Demokratie in ihrem Heimatland. Nach meiner Wahrnehmung feiern sie nicht die Demokratie, sondern ihren Präsidenten Herrn Erdogan, der ja mit Demokratie wenig am Hut hat. Das schlimme daran ist, dass jeder einzelne Demonstrant der Beweis dafür ist, dass die Integration völlig gescheitert ist, obwohl unser Führungspersonal (Politiker) uns immer wieder erklärt, wie gut die Integration gelungen ist. Die hier lebenden Migranten brauchen sich auch nicht integrieren, weil es von ihnen keiner verlangt. Fremde Staatsoberhäupter machen bei uns Wahlkampf, füllen ganze Stadien und fordern ihre Landsleute dazu auf, sich nicht zu integrieren. Dieses reicht aber noch nicht, das türkische Religionsministerium schickt tausende Imame, um das Ganze zu komplettieren. Wir erlauben dies und schauen zu, ohne weiterzudenken, was daraus entstehen kann. Alle Anzeichen stehen dafür, dass sich die Lage in der Türkei zu einem Bürgerkrieg entwickelt. Automatisch wird dieser auch hier nicht spurlos an uns vorübergehen. Ich nehme an, dass die meisten Politiker wissen, was zu tun wäre, um die Integration voranzubringen, aber keiner hat das Rückgrat dazu. Die Engländer haben dies kapiert und werden sich ihre Zukunft zu ihrem Wohl gestalten. Sollte es unserem Führungspersonal in der nächsten Zeit nicht gelingen eine ehrliche Diskussion (ohne Tabus) über Migration und das Verhältnis zum Islam zu führen, sehe ich ein Wahldebakel 2017 auf uns zukommen. 

Peter Wenzel Ebersberg

Wer den Leserbrief von Arzum Kilic gelesen hat, muss sich doch sagen, dass unsere „westlich-europäisch funktionierenden Gehirne“ sehr wohl verstehen, dass ein, mit anscheinend über der Hälfte der Wählerstimmen gewählter Präsident eines Staates, wie in der Türkei allmählich zu einem diktatorisch anmutenden Instrument mutieren kann. Kilic muss deshalb nicht unseren Geschichtsunterricht anzweifeln. Gerade unser Jahrzehnte lang andauender Geschichtsunterricht hat uns klar gemacht, dass ein vom Volk gewählter und umjubelter Adolf Hitler zum Diktator werden konnte. Wir Alten haben das alles schon einmal hautnah erlebt, und unsere westlichen, vor allem deutschen Gehirne (um mit Ihren Worten zu sprechen) betrachten diesen Herrn Erdogan etwas kritisch, wobei ich ihn aber wirklich nicht mit unserem Herrn Hitler vergleichen will. Im Übrigen lässt sich doch, gegenwärtig, wirklich nicht die Entwicklung unserer westlichen Kultur mit der türkischen, sprich muslimischen Kultur vereinen. Allein in der Frauenfrage haben wir westlichen Frauen endlich, nach zähem Ringen und Kämpfen eine Art Gleichberechtigung errungen, was man bzw. frau im muslimischen Alltag und auch sonst, nicht behaupten kann. 

Herta von Schmidsfeld Gräfelfing

Am 21. Juli 1944 putschten Oberst Graf Schenk von Stauffenberg, einige hohe Militärs sowie couragierte Persönlichkeiten (Kreisauer Kreis und andere) leider erfolglos gegen Adolf Hitler, der 1933 in demokratischen Wahlen zum deutschen Reichskanzler gewählt worden war. Die damaligen Putschisten – nach NS-Sprachgebrauch als Hochverräter und vaterlandslose Gesellen entehrt – zahlten einen hohen Preis, um Deutschland in höchster Gefahr zu retten. Heute ist es Usus, dass der Deutsche Bundestag und andere Institutionen den Putschisten vom 21. Juli 1944 posthum die ihnen gebührende Ehre erweisen, ihre Opferbereitschaft zur Rettung des Vaterlandes als vorbildlich bezeichnen und Bundeswehrsoldaten im Berliner Bendlerblock, der Gedenkstätte des deutschen Widerstandes, den damaligen Putschisten Respekt erbringen. Wehret den Anfängen!, heißt es so schön. Die Putschisten in der Türkei handelten vermutlich aus ähnlichen Motiven heraus. Sie glaubten, gemäß dem Vermächtnis ihres Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk zu handeln, um das türkische Volk vor dem Größenwahnsinn ihres nach alleiniger, absoluter Macht strebenden Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu bewahren. Beschämend sind die momentanen geheuchelten Ergebenheitsadressen verschiedener Eliten an den Möchtegern-Sultan am Bosporus. Auch ein Diktatur, dessen Land dem Nato-Bündnis angehört und dessen Schutz in Anspruch nimmt und auch der EU beitreten möchte, hat internationale Gepflogenheiten und Verbindlichkeiten zu respektieren. Sind die heutigen Putschisten vom Bosporus nun Hochverräter oder Widerstandskämpfer gegen einen demokratisch gewählten Despoten Erdogan? – Auch Hitler wurde einst demokratisch gewählt und das Volk jubelte ihm anfangs ob seiner Versprechen zu. Das bittere Ende ist bekannt. 

Jürgen Engelhardt Stephanskirchen

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