Qualität und ehrlicher Preis

Streit um Milchquote verschärft sich; Titelseite, Dominik Göttler und Christian Deutschländer: Die große Wut der kleinen Bauern; Im Blickpunkt 7. Juni

Die große Wut der kleinen Bauern ist verständlich, denn wie man mit ihnen umgeht, ist ein Riesenskandal. Es ist ausgesprochen unfair, sie für einen Hungerlohn schuften zu lassen in unserem stets als reich bezeichneten Land. Schließlich haben sie in Generationen mit ihrer Hände Arbeit die Landschaft gepflegt und damit für die Schönheit und den Reichtum des Landes gesorgt. Würden sie nicht verdienen, sie unter „fair trade“ einzuordnen, zumindest bis wieder befriedigende Bedingungen herrschen? In meiner Sorge um die Heimat erinnere ich mich an meine Zeit in Brasilien in den 1980-er Jahren. Ich war bei einer alten Dame in Sâo Paulo eingeladen. Sie erzählte u.a., dass ihre neue Schwiegertochter das neunte von 10 Kindern aus einer Fazenda (großes Gut) im Norden Brasiliens war. Die Fazenda war so groß, dass der Vater sie nur per Flugzeug an einem Tag besichtigen konnte. Der Ehrgeiz dieses Fazendeiros war, nach seinem Tod für jedes seiner 10 Kinder eine ebenso große Fazenda zu hinterlassen. Leider traf ihn nach dem 8. Erwerb ein tödlicher Herzinfarkt, so dass die Kinder Nr. 9 und 10 kein Land mehr bekamen. Ich war entsetzt und schockiert von der Raffgier dieses Mannes. Vielen kleinen Bauern erging es schlimm. Ein Teil der Großgrundbesitzer hielt sich eine Art Hausarmee von sogenannten Pistoleiros. Mit diesen eroberten sie kleine Bauernhöfe, besetzten das Land und jagten die Eigentümer davon oder trieben sie in die Verschuldung. Die meisten von ihnen landeten in Favelas (Slumsiedlungen aus Holzverschlägen, Pappkartons, Zelten). Täglich bettelten einige an der Haustür um Arbeit, nie um Geld. Seit langem bezahle ich hier für den Liter Milch (Berchtesgadener Land) € 1,09, billiger war sie bisher nie. Aber mir ist Qualität und ehrlicher Preis wichtiger als ein Schleuderpreis. Ich will die kleineren Erzeuger nicht schädigen. Die Großstallbesitzer sollten nach ihrem Gewissen fair entscheiden, wie sie den Überschuss vermindern. Nach meinen Erfahrungen damals in Brasilien treibt mich die Sorge um, es könnten sich auch in Europa mafiöse Elemente mit der Vertreibung der Bauern beschäftigen, um aus fruchtbarem Weide- und Ackerland in landschaftlich schöner Lage zu verscherbelndes Bauland zu machen. Das ist kein abwegiger Gedanke in unserer Zeit, in der es so viele unglaublich massive Betrügereien aus Geldgier gibt. Gnade Gott, dass das nicht kommt.

 Annemarie Zottmann Herrsching

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