Erdogan – Diktator oder Demokrat?

Es wird gemutmaßt, Erdogan habe diesen Putsch angezettelt, um seine Macht noch weiter ausbauen zu können. Ich bezweifle das, da das Risiko, ein derart zustande gekommener Umsturz könnte völlig außer Kontrolle geraten, viel zu groß ist.

Dass die türkische Regierung jedoch vorab darüber informiert war und sich somit darauf vorbereiten konnte, scheint mir durchaus plausibel zu sein. Denn nur so lassen sich die schnellen Amtsenthebungen von tausenden mit dem Putschversuch in keinerlei Verbindung stehenden Richtern bereits am darauffolgenden Vormittag erklären. Wie sehr der türkische Staatschef die Bodenhaftung verloren hat, zeigt seine unverblümte Äußerung, der Putsch sei ein Geschenk Gottes sowie seine Ankündigung härterer Gesetze, einschließlich der möglichen Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Tatsache, dass es unter den in Deutschland lebenden Türken prozentual mehr Erdogan-Anhänger gibt als in der Türkei, sollte uns zu denken geben. Schon seit einiger Zeit beobachte ich eine latente Veränderung im Verhalten der mir bekannten Türken. Während die einen laut tönen, unsere türkisch-stämmigen Abgeordneten seien selbst Schuld, wenn sie um ihr Leben zu fürchten hätten, ziehen sich viele der gut integrierten Deutsch-Türken sofort in ihr Schneckenhaus zurück, wenn sie vermuten, von ihnen wird eine Stellungnahme zum Thema Erdogan erwartet. Man spürt ihre Angst und Unsicherheit aber auch eine insgeheime Zustimmung, während erstere – infolge des selbstsicheren Auftretens ihres Helden – mit gesteigertem Selbstbewusstsein lauthals dessen Ansichten vertreten. Wer schon einmal mit Egomanen wie den türkischen Präsidenten zu tun hatte, weiß, für diese gibt es hinsichtlich ihres Handelns keine Grenzen, sofern man ihnen nicht Einhalt gebietet. Umso beängstigender ist es, dass die Türkei über die zweitstärkste Armee der Nato verfügt. 

Annemarie Fischer Wielenbach 

Misshandlung der Turkmenen in China: Keiner kann sich mehr daran erinnern. Wieso auch? Sind ja schließlich auch nur Muslime. Stichwort Charlie Hebdo, Stichwort Belgien, Anschlag – plötzlich weiß jeder um was es geht. Plötzlich trauert jeder, plötzlich sind alle Politiker wach, mehrere Schweigeminuten. Klar, alles selbstverständlich! Waren ja alle auch Europäer. Ah, wie mitfühlend und human ihr seit, liebe westliche Länder, liebes Europa! Syrische Kinder, Menschen im Irak sind doch alles nur Muslime, stimmt’s? Bei solchen Ereignissen ist Humanität nicht wichtig. Habt ihr etwa vergessen, dass die Türkei auch ein muslimisches Land ist oder ist der Neid zu groß? Auf einmal ist euer vorgespieltes Beschützerinstinkt gestiegen. Seit wann ist es denn so wichtig, ein muslimisches Land zu schützen? Anscheinend seitdem Menschen deren westlich-europäisches funktionierende Hirn beschlossen hat, aus einem mit über der Hälfte der Wählerstimmen gewählten demokratischen Präsidenten für sie ein Diktator ist. Sollte die Definition einer Diktatur nicht schon klar sein? Anscheinend hat der jahrelange Geschichtsunterricht doch nicht so viel gebracht, wenn nicht mal der Unterschied zwischen Staatspräsident und Diktator klar ist. Aber klar, ich verstehe euren Neid, wenn ihr zusehen müsst, wie alle Parteien der Türkei von der AKP bis zur HDP Eins werden, wenn Muslime, Kurden, Alewiten Eins werden und ohne Zögern auf die Straßen rennen, um die Demokratie und das Land zu schützen. Und das alles nach dem Aufruf des Staatspräsidenten. Natürlich muss man auch erwähnen, dass der „Diktator“ mehrmals unterstrichen hat, keine Gewalt anzuwenden. Keiner kann uns unsere Freiheit nehmen oder uns drohen. Weder ihr könnt das, noch Erdogan würde das tun können. Die Türkei ist den westlichen Ländern egal. Es geht darum, dass die Türkei nicht zu stark wird. Da Erdogan genau auf dem Weg ist, die Türkei noch stärker zu machen, muss dieser natürlich ausgelöscht werden.

 Arzum Kilic Unterschleißheim 

Verhaftungswelle in der Türkei; Titelseite 18. Juli, Putschversuch in der Türkei; Titelseite 16./17. Juli

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