Denkanstoß fraglich

VW zieht im Zuliefererstreit alle Register; Wirtschaft 20./21. August

So mancher Chef eines mittelständischen Zulieferbetriebs für Konzerne dürfte sich klammheimlich freuen, dass es der Prevent Gruppe gelungen ist, ein Weltunternehmen wie VW in die Knie zu zwingen. Diese Konzerne verfolgen eine gnadenlose Einkaufspolitik nach dem Motto: „Im Einkauf wird das Geld verdient!“ Wer technologisch reproduzierbare Produkte herstellt - mögen sie qualitativ auch noch so gut sein - läuft Gefahr, von den Einkäufern bis zur Einstellung der Geschäftsbeziehung bedroht und erpresst zu werden. Die Folgen sind hinreichend bekannt, als vor gut 20 Jahren der berüchtigte Ignacio López Chefeinkäufer bei Opel und danach bei VW war. Die Lieferanten konnten sich dem Kostendruck nur durch eine Verminderung der Produktqualität erwehren mit der Folge, dass zum Beispiel Opel einen dramatischen Absatzrückgang und einen nachhaltigen Imageschaden erlitt. Bei VW sollen nun die Lieferanten ihr Scherflein für die Folgen des Abgasbetrugs beitragen, zusätzlich zur Verbesserung der Ertragssituation auf Grund viel zu hoher Produktionskosten. Dabei ist schon lange ersichtlich, dass die Kungelei zwischen Aufsichtsrat, Vorstand, Betriebsrat und IG Metall unter tatkräftiger Unterstützung durch das Land Niedersachsen betriebliche Kostensenkungen verhindern. Natürlich erringt die Prevent Gruppe nur einen Pyrrhussieg gegen den übermächtigen Gegner; man kann sich dort schon einmal auf den Weg zum Insolvenzgericht vorbereiten. Ob das Ereignis für das betriebliche Beschaffungswesen in der Industrie einen Denkanstoß vermittelt, dürfte allerdings fraglich sein. 

Werner Frömming Starnberg

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