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Hoffen auf mutige Spanier: (v.l.) Hotelier Klaus-Dieter Graf von Moltke möchte selbst Kräfte in Andalusien finden. Bei Ingrid Wildemann und Alexander Schmid von der SMG können sich ab sofort Unternehmer für die Reise anmelden.

Standortmarketing Gesellschaft

Unternehmer-Tour nach Granada

Landkreis - Die Standortmarketing Gesellschaft Miesbach organisiert eine Unternehmer-Tour in die Universitätsstadt Granada, um dort Fachkräfte für den Landkreis anzuwerben. „Das wird keine Plauderreise“, sagt Klaus-Dieter Graf von Moltke, Vorsitzender des Unternehmerverbandes. 

Es sind zwei vollkommen gegensätzliche Welten, die auf dieser Reise Ende Juni zusammentreffen werden. Die Standortmarketing Gesellschaft Miesbach (SMG) plant für alle interessierten Unternehmer im Landkreis eine Tour in die südspanische Universitätsstadt Granada. Dort herrscht eine Jugendarbeitslosigkeit von unglaublichen 70 Prozent. Im Landkreis finden dagegen rund ein Drittel der Unternehmen keine passenden Kräfte für ihre offenen Stellen. Das hat die SMG in einer groß angelegten Umfrage im vergangenen Jahr herausgefunden (wir berichteten).

Für die Tour hat sich die SMG daher konkrete Ziele gesetzt: Die Miesbacher Unternehmer sollen mit klaren Anforderungsprofilen nach Granada fliegen und bestenfalls mit mehreren Arbeitsverträgen in der Tasche zurückkehren. „Das wird keine Plauderreise“, sagt auch Klaus-Dieter Graf von Moltke. Der Hotelier und Vorsitzende des Unternehmerverbandes Landkreis Miesbach (UVM) schickt selbst einen Vertreter nach Granada. Moltke kennt das Problem Fachkräftemangel nicht nur aus dem eigenen Haus. „Das zieht sich durch unsere gesamten Veranstaltungen.“ Und dabei gebe es keine großen Unterschiede zwischen den Branchen oder der gefragten Qualität. „Wir suchen alles: vom Zimmermädchen, über den Koch bis zum Haustechniker."

Spanien ist laut SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid ideal für die Fachkraftsuche. „Spanier sind arbeits- und aufenthaltsrechtlich unproblematisch.“ Außerdem sei der Markt qualitativ hochwertig und breit gefächert: „Konkret können wir aus einem Pool von 2600 Arbeitssuchenden wählen.“ Den habe ein deutsch-spanischer Unternehmensberater zusammengestellt – interessanterweise im Auftrag der Region Granada und nicht nur für die SMG.

Denn anfangs fürchtete Schmid bei der spanischen Verwaltung und Politik nicht besonders willkommen zu sein. „Wir wollen schließlich deren beste Leute mitnehmen.“ Tatsächlich hat die andalusische Kleinstadt Almunecar, eine Partnerstadt Fürstenfeldbrucks, den Kontakt nach Südbayern selbst gesucht. „Die sagen: Sie können ihren Leuten vor Ort nichts bieten, also müssen sie sie bei uns unterbringen“, berichtet der SMG-Chef. Inzwischen haben Politiker der gesamten südspanischen Region von dem kleinen Netzwerk erfahren – und sind begeistert.

Schmid: „Wir wecken da sehr große Erwartungen.“ Die Spanier hofften nicht nur, ihre Fachkräfte an den Mann zu bringen. Sie wünschten sich auch Investitionen bayerischer Unternehmen in ihre Technologiestandorte.

„Wir wollen dort als Wirtschaftsregion auftreten, die auch handelt“, sagt Moltke. Die Außenwirkung des Landkreises sei auch deshalb so wichtig, weil die deutschen Großstädte in Spanien längst vor Ort seien. „Die greifen uns die besten Leute ab."

Bleibt noch die Frage nach der Integration. Wo im Landkreis lernen die Neuankömmlinge aus Andalusien Deutsch und wo wohnen sie? „Die SMG ist sich der Verantwortung bewusst“, sagt Regionalmanagerin Ingrid Wildemann. Wir werden dafür schnelle Lösungen anbieten müssen. Konkrete Pläne gebe es nicht. „Auch jedes Unternehmen muss sich dieser Verantwortung bewusst sein."

Klaus-Maria Mehr

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